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Lärm durch Windparkbau Schweinswale gefährdet

Der Lärm künftiger Baustellen für große Windparks in der Nord- und Ostsee gefährdet die Schweinswale. Zwar empfehlen Forscher nun erstmals einen Grenzwert für die Lärmbelastung, dieser ist aber nicht rechtsverbindlich. Das Problem: Die Fundamente der großen Anlagen müssen mit großer Kraft in den Boden gerammt werden. Der dabei entstehende Krach gefährdet die Tiere vom ersten Schlag an, berichtet der Meeresbiologe Klaus Lucke vom Büsumer Forschungs- und Technologiezentrum. Ganz sicher vertreibe der Lärm Deutschlands einzige Walart aus der Umgebung der Großbaustellen.

"Ein Schweinswal muss hören können, sonst wird er nicht satt", sagt Lucke. Der weltweit kleinste Wal nutzt zur Orientierung und Navigation - ähnlich wie Fledermäuse - hauptsächlich Ultraschall. So macht er sich auch in trübem Wasser ein "Hörbild" seiner Umgebung und kann erfolgreich Fische jagen.

Zu viel Lärm kann den Meeressäuger aber schwerhörig machen - mit fatalen Folgen: "Das ist, als käme man zu einem kalten Buffet und hat seine Brille vergessen. Man wird das Essen nicht erkennen können - oder schlimmstenfalls nicht einmal sehen, wo der Tisch aufgebaut ist", erklärt der Biologe.

Das könnte passieren, wenn der Lebensraum der Schweinswale zur Großbaustelle wird: Riesige Windenergieparks sollen weit draußen in Nord- und Ostsee gebaut werden. Bislang sind nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) 20 dieser Offshore-Windparks mit insgesamt 1417 Anlagen genehmigt. Für 32 weitere Parks laufen die Planungen.

Damit die riesigen Windmühlen nicht von Wind und Wellen umgeworfen werden, müssen ihre Fundamente mit dicken Pfählen im Meeresgrund verankert werden. Mächtige Rammen werden die meterdicken Pfähle mit mehr als 1000 Schlägen in den Boden treiben und dabei enormen Baulärm verursachen. Jeder Rammstoß wird mindestens 225 Dezibel (dB) laut. "Je größer die Anlagen werden und je härter der Meeresboden ist, desto lauter wird es", sagt Lucke. "200 dB unter Wasser entsprechen in etwa 138 dB in der Luft." Und das ist vergleichbar mit einem Silvesterkracher, der in einem Meter Entfernung explodiert.

Naturschützer befürchten, dass dieser Lärm die hörempfindlichen Schweinswale nicht nur vertreibt, sondern sogar schädigen kann. Lucke hat jetzt im Rahmen des Forschungsprojektes MINOS+ erstmals ihre akustische Belastungsgrenze getestet. Für seine Untersuchung klebte er im Erlebniscenter "Fjord og Blt" auf der dänischen Insel Fünen einem Schweinswal Elektroden auf die Haut. Dies sei die zurzeit schonendste Methode aus der Humanmedizin, mit der auch Kinderärzte bei Babys das Gehör testen. Das Ergebnis: Bei einer Lautstärke von 200 Dezibel trat bei dem Wal erstmals der sogenannte Disko-Effekt auf - eine kurzzeitige Schwerhörigkeit.

Damit haben das BSH und die anderen Behörden erstmals konkrete, wenngleich nicht verbindliche Werte für die Genehmigung von Offshore- Anlagen, sagt Lucke: "Bei einem einmaligen Schlag mit 200 dB ist schon von einer Schädigung der Tiere auszugehen." Es gebe diverse Forschungsprojekte, um die Tiere vor dem Baulärm zu schützen. Eines ist ein sogenannter Luftblasenschleier. Dazu wird um die Baustelle herum ein perforierter Schlauchring gelegt, in den ein Kompressor Luft pumpt. Diese steigt blubbernd wie in einem Whirlpool auf und bildet eine Art Wand. Der Schall wird an einer Grenzschicht zwischen Wasser und Luft zum Teil absorbiert und reflektiert, so dass das Risiko für die Schweinswale minimiert wird. "Damit haben wir hervorragende Ergebnisse erhalten", sagt Lucke.

Quelle: n-tv.de

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