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Corona-Studie aus Südkorea Sind Jugendliche infektiöser als Erwachsene?

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Laut der Studie infizieren ältere Kinder knapp 19 Prozent der Kontaktpersonen - mehr als die meisten Erwachsenen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bislang gingen Experten davon aus, dass Kinder und Jugendliche kaum eine Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus spielen. Eine Studie aus Südkorea widerspricht dem nun und zeigt: Zumindest Teenager können ähnlich infektiös wie Erwachsene sein.

Wie soll der Unterricht nach den Sommerferien aussehen? Ohne Mund-Nasen-Schutz, Abstand und Kleingruppen - so zumindest der Plan der meisten Bundesländer. Doch eine neue Studie aus Südkorea könnte die Hoffnungen auf eine Rückkehr zum regulären Schulbetrieb nun schmälern. Denn den Wissenschaftlern zufolge können Jugendliche das Coronavirus ähnlich stark verbreiten wie Erwachsene. Kinder unter zehn Jahren sind dagegen nur selten ansteckend. Somit seien die Risiken für Schulöffnungen nur schwer abzusehen.

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Die Forscher hatten 59.073 Kontakte von 5706 Sars-CoV-2-Infizierten ausgewertet. Unter den Erstinfizierten waren 153 Heranwachsende mit knapp 700 Kontaktpersonen. Laut der Analyse steckten Kinder unter zehn Jahren selbst zu Hause nur rund 5 Prozent der Kontaktpersonen an, ältere Kinder mit knapp 19 Prozent aber mehr als die meisten Erwachsenen.

Woran das liegen könnte, darüber rätseln Wissenschaftler noch. Eine Erklärung könnte sein, dass Kinder durch ihr kleineres Lungenvolumen beim Atmen weniger Aerosole verbreiten. Außerdem atmen sie bedingt durch ihre Körpergröße näher am Boden. Das macht es unwahrscheinlicher, dass Erwachsene die Viren einatmen. Teenager sind dagegen oft genauso groß wie Erwachsene. Bislang sind diese vermuteten Zusammenhänge allerdings nur Spekulationen.

Auch wenn die südkoreanische Studie keine endgültige Antwort zur Rolle von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie gibt, halten Experten sie dennoch für robust. "Es ist eine der besten Arbeiten, die wir bislang zum Thema hatten", sagte Ashish Jha, Direktor des Harvard Global Health Institute, der "New York Times". Frühere Untersuchungen hätten weder Kinder noch Jugendliche als mögliche Treiber der Pandemie gesehen. Doch die seien meist klein und fehlerhaft gewesen, so Jha.

Schulen in Israel wurden zu Corona-Hotspots

Allerdings sei auch in der südkoreanischen Studie die Zahl der untersuchten Kinder und Jugendlichen relativ klein, sagte Klaus-Michael Debatin, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Universität Ulm, der "Süddeutschen Zeitung". Zudem stünden manche der Ergebnisse im Widerspruch zu anderen Daten - etwa einer Analyse aus den Niederlanden, die Jugendlichen ebenfalls eine kleine Rolle bei der Verbreitung zuschreibe.

Und auch die Erfahrungen aus anderen Ländern mit Schulöffnungen lassen keine eindeutigen Schlüsse zu. So verzeichnete Israel einen ruckartigen Anstieg der Infektionen, nachdem alle Schüler bereits im Mai wieder zum Unterricht durften. Unter anderem in Dänemark hat die Wiederöffnung der Schulen dagegen offenbar nicht zu verstärkter Verbreitung des Virus geführt.

Wie der Unterricht in Deutschland nach den Sommerferien aussehen wird, bleibt abzuwarten. Im Interview mit der "Bild am Sonntag" hatte Kanzleramtschef Helge Braun sich für einen "weitestgehend normalen" Schulbetrieb im Herbst ausgesprochen. Der Staat müsse den Bildungsauftrag wieder komplett erfüllen, Schulen und Kitas die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten. Die Schulen müssten aber ein Hygienekonzept haben und sicherstellen, dass Kontakte etwa nur im Klassenverband bestehen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich hingegen skeptisch. "Ich sag' Ihnen ganz offen, ich bin noch nicht so überzeugt, dass es einen ganz normalen Regelunterricht geben wird", sagte Söder zuletzt im ZDF. Er betonte: "Wir müssen uns auch Alternativkonzepte überlegen, ein abgestuftes System, für den Fall, dass es wieder schlimmer wird."

Quelle: ntv.de, hny