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Rückkehr ins Bewusstsein So endet das künstliche Koma

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Im künstlichen Koma verringert sich der Stoffwechselbedarf der Nervenzellen. Bei einem Schädel-Hirn-Trauma wird so auch die Schwellung des Gehirns reduziert. (Archivbild)

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Seit Wochen liegt Michael Schumacher im künstlichen Koma. Es wird allmählich Zeit, ihn aufwachen zu lassen. Wie geschieht das? Was nehmen Patienten, die aus der Langzeit-Narkose erwachen, wahr? Und welche Risiken bestehen? n-tv.de gibt Antworten.

Wann kann ein Patient aus dem künstlichen Koma geweckt werden?

Bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma müssen die Blutungen entfernt und die Schwellungen zurückgegangen sein. Erst dann kann die Langzeit-Narkose, um die es sich beim künstlichen Koma handelt, allmählich beendet werden kann. Grundsätzlich muss die zugrunde liegende Ursache behandelt und stabilisiert sein. Das bedeutet also etwa, dass die Druckverhältnisse in Kopf und Gehirn reguliert und die Kreislaufverhältnisse stabil sind.

Wie lange darf man das künstliche Koma maximal erhalten?

Mehrere Wochen sind möglich, aber je länger die Langzeit-Narkose nötig ist, umso höher ist das Risiko, dass der Patient die Behandlung nicht überlebt. Es ist wichtig, dass der Patient so schnell wie möglich die Kontrolle über die Körperfunktionen wiedererlangt. Ein künstliches Koma wird daher so kurz wie möglich gehalten. Ärzte überprüfen mehrmals täglich, wie tief die Narkose noch sein muss.

Wie wird der Patient geweckt?

Die Narkosemittel werden nach und nach - über Stunden, Tage oder auch Wochen hinweg - reduziert. Die Reaktion des Gehirns wird dabei stetig überwacht. Zeigt sich zum Beispiel, dass der Druck im Gehirn wieder ansteigt, muss die Narkose eventuell wieder vertieft werden. Auch eine deutliche Stressreaktion des Körpers, die sich zum Beispiel bei starken Schmerzen oder Angst einstellt, gilt es zu vermeiden. Sie wirkt sich nachteilig auf das Gehirn aus.

Wie lange kann das Aufwachen dauern?

Der durchs künstliche Koma herbeigeführte Schlaf kann noch sehr viel tiefer sein als bei einer Vollnarkose. Das Aufwachen geschieht daher sehr langsam. Ausschlaggebend ist unter anderem, wie schnell der Körper die Narkosemittel abbaut. Es kann Tage oder sogar Wochen dauern, bis der Patient zum ersten Mal die Augen öffnet.

Wie sieht die Rückkehr ins Bewusstsein aus?

Die Körperfunktionen setzen nach und nach wieder ein, so etwa die selbständige Atmung. Doch während der Organismus die starken Narkosemittel abbaut, können Entzugserscheinungen auftreten wie starkes Schwitzen, Kreislaufreaktionen oder auch Verwirrtheit.

Was nimmt der Patient beim Aufwachen zuerst wahr?

Wenn er allmählich wach wird, kann es sein, dass er seine Angehörigen zunächst nicht erkennt oder auch Wahnvorstellungen hat. Die müssen medikamentös behandelt werden, denn sonst sind Folgekomplikationen daran geknüpft. Prinzipiell nimmt der Patient beim zunehmenden Wachwerden ganz allmählich immer mehr Dinge aus der Umgebung wahr. Eine freundliche Umgebung ist dabei wichtig, sie senkt das Stressrisiko.

Welche Risiken bestehen?

Bei Schädelverletzungen kann sich - je nach Stärke der Hirnschäden - unter Umständen ein Wachkoma einstellen. Der Patient ist dann wach, atmet und öffnet die Augen, kann aber auf seine Umwelt nicht reagieren. Die Funktion des Großhirns ist in diesem Fall stark beeinträchtigt oder sogar erloschen. Ist das Großhirn nicht zu schwer geschädigt, ist es jedoch möglich, dass der Patient aus dem Wachkoma zurückkehrt. Das kann nach einigen Tagen sein oder auch nach viele Jahren.

Mit welchen langfristigen Schäden ist zu rechnen?

Das kommt auf den Einzelfall an. Bis die Mediziner sicher wissen, welche Schäden nach einem Schädel-Hirn-Trauma bestehen bleiben, können Monate vergehen. Die Ärzte beginnen mit kleinen Tests: Kann der Patient auf Aufforderung seine Hand zur Faust ballen? Versteht er, worum man ihn bittet? Ist er in der Lage, darauf zu reagieren? Je nach Bedarf wird ein Bewegungs- oder auch Sprachtraining verordnet. Grundsätzlich ist es dem Gehirn möglich, Einschränkungen zu kompensieren. So können gesunde Areale die Aufgaben geschädigter Hirnteile übernehmen. Einiges, was zunächst nicht gelingt, kann der Patient dadurch neu lernen.
Oft treten Persönlichkeitsveränderungen auf: Der Patient erlebt Stimmungsschwankungen, wird depressiv oder ist auffallend gereizt.

Quelle: ntv.de, asc

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