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Lärm verändert Stimmlage der Meisen "Städter" trällern höher

Vögel in der Stadt haben es nicht leicht. Sie müssen gegen einen immer höheren Lärmpegel anträllern. Das führt zu Verständigungsschwierigkeiten mit ihren Artgenossenen auf dem Land.

Meise.jpgDer Straßenlärm bringt städtische Kohlmeisen dazu, höher zu singen – was die Verständigung mit ihren Cousins auf dem ruhigeren Land erschwert. Das berichtet Rupert Marshall von der Universität in Aberystwyth (Großbritannien) in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Dies gilt selbst dann, wenn zwischen Stadt und Land nur eine Entfernung von wenigen Kilometern liegt.

Der Forscher hatte den Gesang zahlreicher Kohlmeisen (Parus major) aus beiden Lebensräumen mit dem Mikrofon aufgezeichnet. Im zweiten Schritt spielte er den Männchen den Gesang eines Kontrahenten aus dem eigenen und dem anderen Lebensraum vor, um die Reaktion der revierbildenden Vögel zu testen. Dabei zeigte sich: Der Gesang von Männchen aus dem urbanen Territorium ließ Meisenmännchen auf dem Land kälter als das Geträller eines ebenfalls landlebenden Männchens. Umgekehrt gilt dasselbe, berichtet Marshall.

Kampf gegen den Stadtlärm

Auch die Auswertung des Gesangs im Akustiklabor förderte Unterschiede zutage. Die "Städter" unter den Meisen singen in einer geringfügig höheren Tonlage. Damit, so erklären die Wissenschaftler, setzt sich das Geträller in der vom dumpfen Verkehrslärm durchfluteten Stadt besser vom akustischen Hintergrund ab. Die Meisen in der Natur müssen sich nicht gegen einen solchen unentwegt ausgebreiteten Klangteppich durchsetzen – und singen daher wie gewohnt.

So kommt es zu den Differenzen im Klang. "In lauter Umgebung wie Pubs und Bars sprechen auch Menschen lauter und höher", erklärt Marshall. Für die Meisen könnten sich Probleme ergeben, wenn sie von einem in den anderen Lebensraum wechseln, heißt es dort weiter. Nun wollen die Forscher untersuchen, wie die jeweils anderen Weibchen auf die Rufe der Männchen reagieren. 

Quelle: n-tv.de, dpa