Wissen

Forscher aus Großbritannien und Japan Nobelpreis geht an Klonpioniere

37iz4121.jpg4680939646362358925.jpg

Neue Nobelpreisträger: der britische Mediziner John Gurdon und der japanische Forscher Shinya Yamanaka.

(Foto: dpa)

In diesem Jahr geht der Nobelpreis für Medizin an die Stammzellenforscher Shinya Yamanaka aus Japan und John B. Gurdon aus Großbritannien. Der Preis ehrt eine der erstaunlichsten Entdeckungen der letzten Jahrzehnte: die Möglichkeit der Rückprogrammierung erwachsener Körperzellen in den embryonalen Zustand.

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an John Gurdon aus Großbritannien und Shinya Yamanaka aus Japan für Erkenntnisse in der Zellforschung. Die beiden Wissenschaftler würden für die "Umprogrammierung reifer Zellen in pluripotente Stammzellen" geehrt, gab die Nobel-Jury des Karolinska-Instituts in Stockholm bekannt. Im Abstand von mehr als 40 Jahren machten die beiden Männer Entdeckungen, die zusammen "unsere Sicht von der Entwicklung und Spezialisierung von Zellen völlig verändert haben", so das Institut weiter.

Die höchste Auszeichnung für Mediziner und Biologen ehrt eine der erstaunlichsten Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte. 2006 berichtete Yamanaka, dass sich Zellen aus dem erwachsenen Körper mit genetischen Tricks in Stammzellen zurückverwandeln lassen, die jenen aus dem Embryo weitestgehend gleichen. Gurdon hatte die Grundlagen dazu geschaffen.

37i50157.jpg6069685339480210507.jpg

Nobelpreis-Medaille mit dem Konterfrei von Alfred Nobel.

(Foto: dpa)

Er stellte in den 1960er Jahren die vorherrschende Meinung infrage, dass sich eine Zelle im Laufe ihres Lebens unumkehrbar spezialisiert. Dabei entfernte er 1962 - Yamanakas Geburtsjahr - den Zellkern aus der Eizelle eines Frosches. An seine Stelle setzte Gurdon den Kern aus einer Darmzelle einer Kaulquappe, einer stark spezialisierten Zelle. Aus der kombinierten Eizelle entwickelte sich ein normaler Klon der Kaulquappe. Damit wies Gurdon nach, dass auch im Kern einer reifen Zelle alle notwendigen Informationen für das komplette Lebewesen enthalten sind. Die Ergebnisse des 1933 geborenen Briten stießen zunächst auf Skepsis. Durch sie wurde unter anderem das Klonen von Säugetieren möglich.

Lebensfähige Mäuse geschaffen

Viele Forscher auf der ganzen Welt hoffen, dass sich aus diesen sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) eines Tages Ersatzgewebe oder -organe erschaffen lassen, die vom Empfänger nicht abgestoßen werden, weil sie aus ihrem eigenen Körper stammen. In den vergangenen Jahren wurden die sehr entwicklungsfähigen iPS-Zellen tatsächlich bereits in viele andere Zelltypen gewandelt. Und, mehr noch: Sogar lebensfähige Mäuse wurden daraus geschaffen.

"Die beiden Preisträger haben völlig neue Felder für die Entwicklung von medizinischen Präparaten eröffnet", sagte Thomas Perlmann vom Nobelkomitee. Sein Kollege Urban Lendahl vom Komitee ergänzte: "Es ist noch zu früh zu sagen, wann die Erkenntnisse in der Zelltherapie umgesetzt werden können. Dank ihrer Arbeit wissen wir jetzt, dass die Zellentwicklung keine Einbahnstraße ist."

"Enorme Ehre"

Genau diese Erkenntnis, dass erwachsene Zellen durch einen molekularen Jungbrunnen gehen können, war 2006 eine große Sensation. Nur sechs Jahre nach der entscheidenden Publikation hat das Nobelkomitee auch das riesige Potenzial der neuen Zellen ausgezeichnet.

Shinya Yamanaka empfindet die Verleihung des Medizin-Nobelpreises an ihn als "enorme Ehre". Es sei aber auch eine gewaltige Ermutigung für ihn selbst, seine Kollegen und alle Wissenschaftler, die mit iPS-Zellen arbeiten, die Forschungen fortzusetzen, wird Yamanaka in einer Stellungnahme auf der Webseite des Center for iPS Cell Research and Application (CiRA) der Universität Kyoto zitiert. Er werde mit seinen Kollegen härter arbeiten, um effektive Medikamente und neue Therapien zu entwickeln.

Im vergangenen Jahr waren Bruce Beutler (USA) und Jules Hoffmann (Frankreich) für ihre Arbeiten zur angeborenen Immunität ausgezeichnet worden sowie Ralph Steinman aus Kanada für die Entdeckung der dendritischen Zellen, die das Immunsystem aktivieren. Steinman war kurz zuvor an Krebs gestorben, ihm wurde der Preis aber posthum dennoch zuerkannt.

20 Prozent weniger Geld

Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist diesmal mit umgerechnet 930.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Damit vergibt die Stiftung 20 Prozent weniger Geld als in den Jahren zuvor. Das Stiftungskapital hatte unter der Wirtschaft- und Finanzkrise gelitten.

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP/rts

Mehr zum Thema