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Mit Hecken und langer Bepflanzung Staubstürme kann man bremsen

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Bei starker Trockenheit und heftigem Wind wird die Ackerkrume einfach weggeweht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Staubsturm war Auslöser einer Massenkarambolage auf der A19 nahe Rostock. Der Zusammenstoß von 80 Fahrzeugen kostete 8 Menschen das Leben, 131 wurden verletzt. Ausreichender Schutz vor Bodenerosion hätte den Sturm bremsen können.

Eine durch Sturm aufgewehte Wolke aus Staub hatte den Fahrern auf der Autobahn südlich von Rostock schlagartig für mehrere Sekunden die Sicht genommen, so dass es zu Auffahrunfällen mit Dominoeffekt kam. "Solche Staubstürme können durch verschiedene Maßnahmen gegen die Bodenerosion vermieden werden", sagt Prof. Dr. Thomas Scholten vom Institut für Physische Geographie der Universität Tübingen.

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Dutzende Fahrzeuge brannten bei dem Unglück aus.

(Foto: dpa)

Am Tag des folgenschweren Unfalls kamen gleich mehrere verschiedene ungünstige Bedingungen zusammen. Lang anhaltende Trockenheit hatte die Oberfläche der Äcker stark ausgetrocknet. "Da die Böden in dieser Region sehr sandig sind und auch wenig organische Substanz enthalten, liegen die Bodenteilchen mehr oder weniger einzeln auf der Oberfläche des Bodens. Starker Wind hat dann einfach auf einer großen Fläche alle kleinen, leichten Teile des Ackerbodens aufgenommen, hochgehoben und über die Autobahn getragen", erklärt Scholten.

Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass es auf großen Ackerflächen keine Hindernisse gibt, die den Wind bremsen könnten. Im Nordosten Deutschlands ist die Gefährdung des Bodens durch Winderosion besonders hoch. Das liegt an der Bodenbeschaffenheit, der Windoffenheit der Landschaft und relativ langen Trockenzeiten in den Frühjahrsmonaten.

Hecken schützen vor Abtragung

"Die beste Art, die Felder vor Winderosion zu schützen, ist es, die großen Schläge mit Windhindernissen wie Hecken zu verkleinern", so Scholten weiter. Außerdem sei es wichtig, dass Felder nicht lange brach lägen. Die Äcker sollten also möglichst lang anhaltend  bepflanzt sein. Das kann man durch eine geeignete Fruchtfolge erreichen. Beim Anbau von Mais zum Beispiel liegt der Boden gerade im windgefährdeten Frühjahr lange brach und ist so der Winderosion ungeschützt ausgeliefert. Eine Zwischenfrucht wie Klee, Raps oder Lupine könnte den Boden schützen.

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Auf Versuchsfeldern wird in Niedersachsen getestet, wie man Bodenerosion vorbeugen kann.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Auf kurze Brachzeiten wird zum Beispiel im biologischen Landbau geachtet. Eine weitere Maßnahme kann das Mulchen von Feldern sein. Zudem kann man den Boden stabilisieren, indem man zum Beispiel den Humusgehalt erhöht. Alle Maßnahmen sind den Landwirten bekannt, bedeuten allerdings auch einen Mehraufwand an Arbeit und Kosten. Das grundlegende Problem ist, dass vielen Landwirten die Möglichkeiten fehlen, sowohl profitabel als auch nachhaltig zu wirtschaften.

Insgesamt wird nach Ansicht von Experten in Deutschland zu wenig gegen die Bodenerosion getan. Nach dem schrecklichen Unfall auf der A19 dürfte dieses Thema neu verhandelt werden. Vor allem nachhaltige Maßnahmen wie die Verringerung der Feldlängen, kurze Brachzeiten und das Pflanzen von immergrünen Windschutzgehölzen könnten in dieser Region gefördert werden. Zunächst wurde an der Unfallstelle ein Tempolimit von 100 km/h eingeführt.

Quelle: ntv.de, jze