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Kosmischer Kannibalismus Stern verschlingt seinen Begleiter

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Die Illustration zeigt den Roten Riesenstern und die Jets.

(Foto: M. Weiss, CXC, NASA)

Ein Roter Riesenstern verschluckt rund 1000 Lichtjahre von der Erde entfernt seinen kosmischen Nachbarn. Zuerst sieht man nur gigantische Staubscheiben und Materialstrahlen, erklären die Forscher. Erst das Röntgenauge des Weltraumteleskops "Chandra" kann den Riesenstern und dessen Machenschaften sichtbar machen.

Das Weltraumteleskop "Chandra" hat einen Roten Riesenstern beim Verschlingen eines Begleiters erwischt. Die Sonne BP Piscium im Sternbild Fische hat sich kürzlich einen Nachbarstern oder einen großen Planeten einverleibt, wie die US-Raumfahrtagentur NASA in Huntsville (US-Staat Alabama) berichtet. Von dem kosmischen Kannibalismus zeugt eine gigantische Staubscheibe, die von dem verschluckten Himmelsobjekt übriggeblieben ist.

Der rund 1000 Lichtjahre entfernte Rote Riese BP Piscium gleicht einer gealterten Version unserer Sonne. Schon in optischen Teleskopen waren die große Staubscheibe sowie zwei gigantische Materiestrahlen (sogenannte Jets) aufgefallen, die oben und unten aus der Staubscheibe herausschießen. Der Stern selbst war wegen der dicken Staubschicht gar nicht zu sehen und offenbarte sich erst dem Röntgenauge von "Chandra".

Ungewöhnliche Eigenschaften eines jungen Sterns

Staubscheibe und Jets sind gewöhnlich typische Merkmale von jungen Sonnen, die gerade aus einer Gas- und Staubscheibe entstanden sind. BP Piscium steht jedoch fern von jedem Sternentstehungsgebiet, und seine Atmosphäre enthält für einen jungen Stern viel zu wenig Lithium. Zudem ist die Schwerkraft an seiner Oberfläche zu schwach für einen kompakten, jungen Stern und ist eher für einen aufgeblähten, alten Stern typisch.

Die Astronomen schließen daher, dass sich der zum Ende seiner Existenz aufgeblähte Rote Riese ein anderes großes Himmelsobjekt einverleibt hat – und die Staubscheibe und Jets die Überreste des verschluckten Begleiters sind. "Es scheint, dass BP Piscium ein Stern-frisst-Stern-Universum repräsentiert oder ein Stern-frisst-Planet-Universum", erläutert Forschungsleiter Joel Kastner vom Rochester Institute of Technology, dessen Team die Beobachtungen im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters” vorstellt. "In jedem Fall zeigt es uns, dass es nicht immer freundlich zugeht da draußen."

Auch unsere Sonne wird sich zum Ende ihrer Existenz in etwa vier bis fünf Milliarden Jahren einmal zu einem Roten Riesen aufblähen und dabei die Planeten Merkur, Venus und möglicherweise auch die Erde verschlucken.

Quelle: ntv.de, dpa