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Montag, 10. Dezember 2007

Schwund im Wassernetz: Suche nach Lecks

In Deutschland versickern aus maroden Leitungen und Rohren jährlich fast sieben Prozent des Trinkwassers im Erdreich. Das sind täglich rund 1,4 Milliarden Liter – der Tagesbedarf von rund elf Millionen Menschen hierzulande. In Frankreich gehen 26 Prozent des Trinkwassers verloren, in Italien sind es gar 29 Prozent. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Pisa das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie in Itzehoe (Schleswig-Holstein) damit beauftragt, einen neuen Sensor für die Suche nach Lecks zu konstruieren. Der Auftrag kam nicht von ungefähr: In der italienischen Stadt laufen bis zu 40 Prozent des Frischwassers sinnlos in die Erde.

Großräumige Suchen sind selten

Nach Angaben des Instituts kostet die neue Technik nur rund fünf Prozent dessen, was für herkömmliche High-End-Sensoren verlangt wird. Bislang wurde auch aufgrund dieser Tatsache nur selten großräumig nach Löchern in den Leitungen gesucht. Geeignete Sensoren – die zum Beispiel auf Ultraschalltechnologie basieren – sind mit 1000 bis 2000 Euro für den flächendeckenden Einsatz zu teuer. Herzstück des neuen Sensors sind zwei Heizdrähte, die hintereinander auf einer dünnen Membran angebracht sind. Elektrischer Strom, der durch die Drähte fließt, erhitzt sie auf eine konstante Temperatur. Strömt kälteres Wasser an diesen beiden Heizdrähten vorbei, gibt der vordere mehr Wärme an das Wasser ab als der hintere, der in dessen "Windschatten" steht. Es muss entsprechend mehr Strom durch den vorderen Draht fließen, um die Temperatur konstant zu halten. Über diese Stromdifferenz lassen sich die Geschwindigkeit des Wassers ermitteln – und die Wassermenge, die durch die Leitungen strömt.

Erste Tests erfolgreich

Erste Tests mit den Sensoren waren nach Angaben der Fraunhofer- Forscher erfolgreich. Die Messgeräte überstanden drei Monate im Wasser unbeschadet. Für weitere Tests versenkten die Forscher 70 Prototypen in den Wasserleitungen von Pisa. Dort sollen sie nun einige Monate dem Wasser trotzen und messen, wie viel Wasser durch die Kanäle strömt – und damit auch, wo es verloren geht. Die Ergebnisse der Messungen lassen sich entweder per Handy oder per Funk abfragen. Verlaufen die Tests erfolgreich, sei eine Produktion von 50 000 bis 500 000 Sensoren pro Jahr durchaus realistisch, teilte das Fraunhofer-Institut mit. Ein möglicher Kooperationspartner sei bereits gefunden.

Quelle: n-tv.de