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Es hilft nur positives Denken Wie die guten Vorsätze real werden

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Nach einer rauschenden Partynacht sind die guten Vorsätze dann oft schnell wieder vergessen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schluss mit dem Rauchen, weniger trinken, mehr Sport - jedes Jahr zu Silvester schwören sich Promis und normale Bürger: Ab jetzt wird alles besser. Die Realität sieht dann aber oft anders aus. Dabei kann es so leicht sein, die hehren Absichten auch einzuhalten - wenn man das Ganze nicht so verkrampft sieht.

Was haben ein Tatort-Kommissar, die Bundeskanzlerin, der Ministerpräsident von Bayern und mehr als die Hälfte der Deutschen gemeinsam? Sie alle fassen sich gute Vorsätze für das neue Jahr! Manche denken schon ein paar Tage vor Silvester darüber nach, andere nehmen sich spontan etwas vor, aber für die, die es tun, ist es ein über die Jahre lieb gewordenes Ritual.

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Kanzlerin Angela Merkel will etwas häufiger raus an die frische Luft. Und Sie?

(Foto: AP)

Endlich mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport machen, ein paar Kilo abnehmen, sich mehr um die Familie kümmern, weniger arbeiten - es gibt so viele Möglichkeiten wie ein Jahr Tage hat. Angela Merkel zum Beispiel nimmt sich immer wieder vor, mehr an die frische Luft zu gehen. Wer weiß, wie viel Zeit die Regierungschefin in Kabinetts-, Bundestags-, Partei- und Eurorettungssitzungen in geschlossenen Räumen verbracht hat, wird das gut verstehen. Sie nennt das "einen Klassiker unter den guten Vorsätzen".

Horst Seehofer, bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef ist da schon kreativer. Er will im neuen Jahr "gerecht gegenüber allen" sein. Für den ein oder anderen in der CSU mag das wie blanker Hohn klingen. Peter Ramsauer, der gerade geschasste Bundesverkehrsminister, wird darüber kaum lachen können. Aber Seehofer beteuert, er meine das ganz ernst.

Menschen hilft markantes Datum

Und Richy Müller, "Tatort"-Kommissar aus Stuttgart, will sich mehr bewegen, häufiger Freunde treffen und seine Frau öfter küssen. Nun, das Jahr ist jung und alle - egal ob Politiker, Schauspieler oder Taxifahrer - haben jede Möglichkeit und Zeit, ihren Worten Taten folgen zu lassen. Es geht um "von nun an" und nicht nur um "heute und morgen", es geht darum, sein Leben zu ändern, ein bisschen jedenfalls.

Und dafür eignet sich der Neujahrstag besonders gut: das Jahr ist noch ganz frisch, keine schlechte Nachricht, kein trauriges Ereignis konnte diesem blütenreinen neuen Jahr bisher etwas anhaben. Der Krach um die Silvesterparty, das anstrengende Familienweihnachten, der Urlaubsreinfall - alles Schnee von gestern. Dieses Jahr wird alles besser - wann, wenn nicht an diesem Tag soll man daran glauben können?

Aber weil es selbst bei allem Enthusiasmus nicht so einfach ist, schlechte, aber lieb gewordene Gewohnheiten abzulegen, kann ein bisschen Hilfe nicht schaden, um den inneren Schweinehund mal kurz von der gemütlichen Couch an die frische Luft zu jagen. Neujahr - unberührt, unschuldig und gerade deshalb sehr geeignet für den Start in ein besseres Leben. Die letzte Zigarette auf der Silvesterparty, ein paar Gläser Wein (das letzte womöglich doch wieder zu viel), das war doch alles im letzten Jahr! Ab heute, ab dem Beginn dieses Jahr wird alles anders!

Scheitern ist immer drin

Klingt gut! Klingt schön und einfach und verlockend. Fachleute sagen, dass es sogar clever ist, sich ein markantes Datum zu suchen. So simpel ist der Mensch tatsächlich manchmal - ein rot im Kalender angestrichener Tag ist etwas Besonderes, das kann helfen, zumindest beim ersten Schritt, vielleicht auch noch beim zweiten oder dritten, danach trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen - und dann?

Der Stuttgarter Psychologe Wolfgang Schlicht rät zur Gelassenheit: "Man muss sich eine Toleranz des Scheiterns gewähren." Und was hilft sonst noch? Außer dem Trost, das Scheitern zum Leben dazu gehört? Spaß! Ehrlich. Ohne Spaß, ohne das positive Besetzen des Gedankens "NEU" lassen sich schlechte Angewohnheiten kaum oder nur deutlich mühsamer ablegen.

2015 ist auch noch ein Jahr

Der Neurobiologe Gerhard Roth weiß auch, warum. Jede Abweichung vom Plan, vom Gewohnten (und damit Bequemen weil weniger Anstrengenden) muss zunächst von unserem Gehirn "abgesegnet" werden. Dafür zuständig ist das sogenannte limbische System, sozusagen unser Lustzentrum, zuständig für Spaß und Wohlbefinden. Veränderungsexperten wissen, dass das Lustzentrum deutlich mehr Power hat und demzufolge auch einflussreicher ist als unsere Willenskraft.

Da hilft nur der alte Trick: think positive! Also bei der Vorstellung an die nächste Joggingrunde nicht daran denken, dass wir kaum ohne Atemnot um die nächste Kurve kommen sondern an die trainierten Beine, den knackigen Hintern und die rosige Haut nach dem Training! (Es ist zugegebenermaßen eine Herausforderung, dieses Prinzip so abzuwandeln, dass auch Horst Seehofer durchhalten kann!) Und was, wenn es trotz aller guten Vorsätze nicht klappt? Dann kann man immer noch auf die nächste Chance warten. Die kommt garantiert! Spätestens Neujahr, jedes Jahr wieder.

Quelle: n-tv.de

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