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Samstag, 29. März 2014

Studien gießen Öl ins Feuer: Zeitumstellung erhöht Herzinfarkt-Risiko

In der Nacht zum Sonntag wird wieder an der Uhr gedreht: Dann springen die Zeiger um 2 Uhr auf 3 Uhr - das bedeutet eine Stunde weniger Schlaf. Über das Für und Wider wird seit Jahren diskutiert. Neue Nahrung bekommen Kritiker nun durch zwei aktuelle Studien.

Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit führt Wissenschaftlern zufolge am Folgetag zu einem markanten Anstieg von Herzinfarkten. Die Fallzahl schnelle am Montag nach der Umstellung um 25 Prozent nach oben, hieß es in einer auf einem Kardiologenkongress in Washington vorgestellten US-Studie. Ursache dafür sei vermutlich der Verlust von einer Stunde Schlaf. Umgekehrt ist der Studie zufolge der Effekt beim Wechsel zurück zur Winterzeit: Am darauf folgenden Dienstag sinkt die Herzinfarktrate - vermutlich infolge des verlängerten Schlafs - demnach um 21 Prozent.

Die Sommerzeit wurde 1980 in Deutschland eingeführt, um Energie zu sparen.
Die Sommerzeit wurde 1980 in Deutschland eingeführt, um Energie zu sparen.(Foto: imago stock&people)

Den Forschern zufolge gleicht sich der jeweilige Effekt im Laufe der Woche allerdings aus - über sieben Tage betrachtet liege die Gesamtzahl der Infarkte auf ähnlichem Niveau wie im Restjahr. "Das könnte bedeuten, dass Menschen mit erhöhter Anfälligkeit für Herzerkrankungen unmittelbar nach Zeitumstellungen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind", sagte Studienautor Amneet Sandhu von der University of Colorado.

Zum Zwecke der Untersuchung wurden allerdings nur Daten einer einzigen Klinik in Michigan ausgewertet. Frühere Studien zeigen zudem, dass Montage ohnehin ganzjährig die Wochentage mit den meisten Herzinfarkten sind.

Ähnliche Ergebnisse bei deutschen Studien

Gestützt wird die Studie von einer DAK-Analyse, die Anfang dieser Woche veröffentlicht wurde. Demnach kommen in den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung 25 Prozent mehr Patienten mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus als im Jahresdurchschnitt. Dieser Trend werde seit 2006 kontinuierlich beobachtet. Allein im Vergleich der vergangenen drei Jahre gab es in den drei Tagen nach der Umstellung auf die Sommerzeit bei den DAK-Versicherten im Schnitt demnach jeweils 40 Krankenhauseinweisungen mit der Diagnose Herzinfarkt. Üblich seien hingegen durchschnittlich 30 Einweisungen pro Tag.

Auch DAK-Experte Peter Rowohlt vermutet als Ursache der erhöhten Infarkt-Rate unter anderem Schlafmangel und die Änderung des Biorhythmus durch die Zeitumstellung. Die fehlende Stunde bringe den Hormonhaushalt durcheinander.

Tatsächlich kann die Umstellung bei sensiblen Menschen die "innere Uhr" vorübergehend aus dem Takt bringen. Die meisten haben sich zwar nach einigen Tagen an den neuen Tag-Nacht-Rhythmus angepasst. Laut einer früheren DAK-Umfrage kämpft aber immerhin jeder Vierte nach der Zeitumstellung mit gesundheitlichen Problemen. Viele Betroffene fühlen sich schlapp und müde, leiden unter Einschlafproblemen und Schlafstörungen.

Anderen Studien zufolge sind auch Kinder nach der Zeitumstellung oft quengelig und unausgeglichen. In einer Untersuchung mit 500 Schülern wies die Pädagogische Hochschule Heidelberg vor einigen Jahren nach, dass 12- bis 18-Jährige bis zu drei Wochen brauchen, um sich anzupassen. Müdigkeit und Leistungsabfall in der Schule seien mögliche Konsequenzen.

Tipps zur besseren Anpassung

Wer die Folgen der Zeitumstellung lindern möchte, sollte bereits ein paar Tage vorher etwas früher zu Bett gehen, rät die DAK. Wer abends unter Einschlafproblemen leidet, sollte Dragees oder Kräutertees mit Baldrian, Hopfen, Johanniskraut und Melisse ausprobieren. Auch autogenes Training helfe. Schlafmittel sollten hingegen nur nach Rücksprache mit dem Arzt genommen werden, warnen die Experten. Wen tagsüber Müdigkeit plage, für den sei ein kurzer Gang an die frische Luft optimal.

Seit Einführung der Zeitumstellung in Deutschland im Jahr 1980 wird in regelmäßigen Abständen auch immer wieder über deren Abschaffung diskutiert. Immerhin 70 Prozent der Deutschen sprachen sich in einer früheren DAK-Umfrage für die Abschaffung der Sommerzeit aus. Zuletzt hatte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ein Ende der Zeitumstellung gefordert und dies mit dem Ausbleiben der erhofften Energiespareffekte begründet.

Die Uhren werden in der Nacht zum Sonntag um 2 Uhr wieder um eine Stunde auf 3 Uhr vorgestellt, die Nacht ist damit um eine Stunde verkürzt.

Quelle: n-tv.de