Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 300 Macht Bier wirklich glücklich?

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Bier und blauer Himmel: Da ist die Welt doch in Ordnung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ich liebe es, Bier zu trinken. Beim Stammtisch habe ich gehört, dass wissenschaftlich nachgewiesen sein soll, dass Bier glücklich macht. Stimmt das denn oder ist das ein Stammtischmythos? (fragt Bernd G. aus Würzburg)

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Bier ist ein guter Durstlöscher nach körperlicher Betätigung.

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Bier erzeugt zahlreiche Wirkungen: Es ist anregend, fördert die Entspannung und hebt die Stimmung. Die Effekte werden den natürlichen Inhaltsstoffen und dem Alkohol in dem Getränk zugeordnet. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Tatsächlich konnten Wissenschaftler in einer Studie feststellen, dass allein der Geschmack von Bier ausreicht, um Glückshormone im Gehirn freizusetzen.

Neurologen der Universität Indiana haben in der Untersuchung zur Entstehung einer Sucht mit 49 biertrinkenden Männern die Wirkungen von Bier auf die Stimmung der Probanden genau unter die Lupe genommen. Dafür schauten sie in das Gehirn der Freiwilligen, nachdem diese entweder Bier, Wasser oder ein isotonisches Sportgetränk zu sich genommen hatten. Bei den Biertrinkern führte bereits der Geschmack zur Ausschüttung des Glückshormons Dopamin.

Dopamin

Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff (Neurotransmitter) im Gehirn, der Signale zwischen Neuronen weiterleitet. Das anregende Hormon wirkt auf das Belohnungssystem im Gehirn und führt bei starker Freisetzung zu Zufriedenheit, Glücksgefühlen und im Extremfall sogar zu einem Rausch. Im Volksmund wird es deshalb als Glückshormon bezeichnet. Durch diese als größtenteils positiv wahrgenommenen Auswirkungen, kann ein Verlangen nach Stoffen entstehen, die zur Dopaminausschüttung im Gehirn führen. Gewöhnt sich das Gehirn an ein Überangebot an Dopamin, kann es im schlimmsten Fall zu einer Sucht kommen.

Die Probanden bekamen jeweils 15 Milliliter vo n ihrem Lieblingsbier und einem Mineralgetränk in zufälliger Reihenfolge gereicht. Dieses sollten sie langsam und in kleine Schlucken über einen Zeitraum von 15 Minuten trinken. In dieser Zeit beobachteten die Neurologen mit einem Positronen-Emissions-Tomografen (PET) die Aktivität im Gehirn der Studienteilnehmer.

Die Wissenschaftler stellten eindeutige Zusammenhänge zwischen dem Biergeschmack und der Ausschüttung von Dopamin fest. Der Alkohol konnte in diesem Zusammenhang außer Acht gelassen werden, da in einer Biermenge von 15 Milliliter viel weniger davon enthalten ist als in einer reifen Banane. "Wir glauben, dass dies das erste Experiment mit Menschen ist, das zeigt, dass allein der Geschmack eines alkoholischen Getränks, ohne den berauschenden Effekt des Alkohols, diese Dopamin-Aktivität auslösen kann", sagte der Neurologe David Kareken, der die Studie leitete.

Biergeschmack schneller als Alkoholwirkung

Zudem war erstaunlich, dass Dopamin relativ schnell nach dem Genuss eines Mini-Bieres ausgeschüttet wurde. Bei reinem Alkohol dauert es normalerweise zirka 20 Minuten, bis es zu einer Ausschüttung und den entsprechenden Wirkungen im Gehirn kommt. Zudem muss der Geschmack von Bier gar nicht besonders gemocht werden, damit das Glückshormon ausgeschüttet wird. Einige Probanden gaben nämlich an, den Geschmack des Mineralgetränks zu bevorzugen.

Und noch etwas konnte die Untersuchung zeigen: Der Dopamin-Effekt war bei Probanden, in deren Familien es einige Fälle von Alkoholismus gab, deutlich größer als bei den restlichen Studienteilnehmern. Sie waren also vorbelastet.

Offen bleibt allerdings, ob es bei biertrinkenden Frauen, Weinliebhabern, Milchbubis oder Kaffeefans vergleichbare Ausschüttungen von Glückshormonen gibt, wenn sie nur den Geschmack ihres Lieblingsgetränks auf der Zunge haben.

Übrigens: In Deutschland sinkt der pro Kopf-Verbrauch an Bier seit 2003 stetig. Im Jahr 2009 trank jeder Bundesbürger noch 109,6 Liter vom Gerstensaft. Zwei Jahre später waren es im Durchschnitt nur noch 107,2 Liter Bier. Auch in Zukunft, so sind sich Experten einig, wird der Bierkonsum in Deutschland sinken. Das Ergebnis der Studie hat damit sicherlich nichts zu tun.

Quelle: n-tv.de

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