Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 268 Müssen Eier in den Bergen länger kochen?

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Deutschlands höchster Gipfel: die Zugspitze. Dort kocht das Wasser schon bei etwa 90 Grad Celsius.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Bekannter erzählte mir neulich, dass es in Höhenlagen länger dauert, bis Eier hartgekocht sind, und dass es Orte gibt, an denen das gar nicht gelingt. Ich kann das nicht so recht glauben. Ist an der Geschichte was dran? Ab welcher Höhe macht sich das bemerkbar? (fragt Mechthild P. aus Magdeburg)

Wasser kocht bei 100 Grad Celsius, heißt es im Allgemeinen. Stimmt auch - aber nicht überall. Es trifft zwar für Orte an der See zu, nicht aber für Orte, die einige hundert Meter über dem Meeresspiegel liegen. Wann Wasser kocht, hängt nämlich vom Luftdruck ab. Der ist am Meer gerade so hoch, dass das Wasser im Topf bei 100 Grad brodelt und dampft. Das ist der Normaldruck. Sinkt der Luftdruck jedoch – und das geschieht mit zunehmender Höhe –, dann sinkt auch der Siedepunkt des Wassers. Anders ausgedrückt: Je höher man kommt, umso früher fängt Wasser an zu kochen, umso weniger hoch muss die Temperatur also sein.

Wasser, das in Garmisch-Partenkirchen auf dem Herd sprudelt, ist nicht 100, sondern nur etwa 97,5 Grad Celsius heiß. Denn Garmisch-Partenkirchen liegt gut 700 Meter über dem Meeresspiegel. Alle 285 bis 300 Höhenmeter sinkt der Siedepunkt des Wassers um etwa 1 Grad ab. Auf einer Höhe von gut 1400 Metern über NN kocht Wasser also bereits bei 95 Grad Celsius, auf der Zugspitze mit ihren 2962 Metern gar schon bei 90 Grad Celsius. Und das bedeutet auch: Heißer wird Wasser dort nicht!

Kochen mit Geduld

Eier, die bei 100 Grad Celsius in acht Minuten hart werden, brauchen bei einer Temperatur von nur 97 oder gar 90 Celsius Grad natürlich länger, bis sie durch sind. Und das gilt nicht nur für Eier. Auch die Garzeiten anderer Nahrungsmittel sind in höheren Regionen andere. Da ist Geduld gefragt beim Kochen. Doch immerhin: Selbst auf dem höchsten Berg der EU, dem Mont Blanc (4810 Meter), gelänge mit etwas Glück ein hartgekochtes Ei - je nach Wetterlage. Denn auch die beeinflusst den Luftdruck.

Auf dem Mount Everest dagegen würde es mit dem Eierkochen gar nicht mehr klappen. Das Dotter würde zwar irgendwann noch gerinnen, das umgebende Eiweiß aber nicht. Das bliebe glibberig. Denn Eigelb und Eiweiß stocken bei unterschiedlichen Temperaturen. Um das Eigelb gerinnen zu lassen, reichen 62 Grad Celsius, für das Eiweiß jedoch sind 84,5 Grad Celsius nötig. An die aber kommt man auf dem Mount Everest nicht heran. Dafür ist der Luftdruck dort zu gering. Der Mount Everest ist 8848 Meter hoch, und so ist bei etwa 70 Grad Celsius der Siedepunkt des Wassers erreicht.

Übrigens: In Schnellkochtöpfen nutzt man einen höheren Luftdruck als den Normaldruck. Die Siedetemperatur von Wasser liegt daher in diesen Töpfen bei bis zu 120 Grad Celsius. So sind die Nahrungsmittel schneller gar.

Quelle: n-tv.de

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