Frage & Antwort

Frage & Antwort Wann schwappt der Kaffee über?

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Gleich nimmt das Drama seinen Lauf...

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Allmorgendlich das gleiche Problem: Kaffeeholen in einer großen Firma mit langen Fluren. Man läuft mit der vollen Tasse zurück zum Büro, starrt auf den Kaffee und versucht permanent zu verhindern, dass man etwas verschüttet. Dabei staune ich immer wieder darüber, dass der Kaffee weniger stark in der Tasse schwappt, wenn man zügig läuft. Ist man langsam und vorsichtig unterwegs, scheint die Gefahr, dass etwas daneben geht, größer zu sein. Was ist das für ein Effekt? (fragt R. Baur aus Nürnberg)

Tatsächlich, dieses Phänomen kennt wohl jeder Kaffeekonsument, und auch Teetrinkern geht es nicht anders. Um zu erfahren, was es damit auf sich hat, geben wir die Frage an jemanden weiter, der sich mit wissenschaftlichen Experimenten auskennt: an Dominik Essing, Physiker in der Experimentierlandschaft Phaeno in Wolfsburg.

Eher ein "gefühltes" Phänomen?

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Das Wolfsburger Science-Center Phaeno präsentiert Wissenschaft zum Anfassen. Physiker Dominik Essing ist dort Ansprechpartner für die Experimentierfelder.

(Foto: www.phaeno.de)

Essing schickt eines vorweg: Ob beim langsamen Gehen letztlich mehr Kaffee überläuft als wenn man sich schnellen Schrittes mit der Tasse ins Büro bewegt, ist noch nicht geklärt. Dabei könnte es sich, wie Essing sagt, "eher um ein 'gefühltes' Phänomen handeln". Eine entsprechende Testreihe steht noch aus. (Wenn Sie also mit Ihren Kollegen forschend tätig werden wollen, wissen Sie, was Sie zu tun haben!)

Grundsätzlich, so Essing, gilt aber das folgende physikalische Prinzip: Ein Körper bleibt in seinem Bewegungszustand, wenn nicht eine andere Kraft auf ihn wirkt. "Und das ist", sagt Essing, "beim Kaffee genauso."

Im Klartext bedeutet das, dass die Kaffeetasse in unserer Hand einigermaßen in Ruhe bliebe, wenn wir nicht plötzlich mit ihr losliefen. Denn dadurch beschleunigen wir sie, wir üben eine Kraft aus, und der Kaffee beginnt zu schwappen. Umgekehrt bliebe die Tasse in Bewegung, wenn wir nicht irgendwann stehen bleiben würden und damit abermals eine Kraft ausübten: Wir bremsen die Tasse ab, und wieder einmal schwappt der Kaffee.

Schwung lohnt sich doppelt

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Die "Drehimpulserhaltung" kommt auch bei wendigen Kellnern zum Tragen.

(Foto: picture-alliance / dpa)

"Man verschüttet den Kaffee beim Loslaufen und beim Stoppen", erklärt der Physiker. "Wenn man langsam geht, stoppt man die Bewegung der Tasse in der Regel bei jedem Schritt einmal ab und startet dann wieder. Jedes Mal wird dann Kaffee verschüttet. Läuft man schnell, also mit Schwung, passiert das nur zweimal."

Es hat noch einen weiteren Vorteil, wenn wir mit der Tasse flott unterwegs sind: Wie Essing ergänzt, gleichen wir bei der schwunghaften Bewegung das Schwappen des Kaffees noch aus, indem wir die Tasse heben und ankippen. "Auf diese Weise wird der Kaffee in die Tasse gedrückt", erläutert der Experte. Im Fachjargon – das erwähnt er nebenbei – spricht man hier von "Drehimpulserhaltung".

"Diese lässt sich sehr gut mit einem Tablett studieren, das an drei Fäden aufgehängt ist und auf dem zum Beispiel ein gefülltes Teegläschen steht", sagt Essing. Das Tablett lässt sich schaukeln. Es lässt sich stärker schaukeln. Und noch stärker schaukeln. Und immer noch bleibt der Tee im Glas. "Mit ein wenig Übung", so der Experte, "lässt sich das Tablett immer weiter aufschaukeln, bis man es schließlich mitsamt Gläschen und der darin befindlichen Flüssigkeit einmal herumgeschleudert hat. Wie bei einem Looping in der Achterbahn." - Das klingt nach einem verlockenden Experiment für die nächste Kaffeepause, oder? Aber vielleicht warten Sie doch besser bis zum Feierabend.

Quelle: n-tv.de