Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 270 Wie werde ich Motten wieder los?

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Eine Mehlmotte (Ephestia kuehniella).

Sarefo, wikipedia

Jedes Jahr ist es für mich ärgerlich, wenn ich meine Wintersachen auspacke und Motten wieder einmal einen teuren Pullover zerstört haben. Was kann ich tun, damit mir das im nächsten Winter nicht passiert? (fragt Hannelore P. aus Hannover)

In jedem Haushalt leben Tausende unsichtbarer und sichtbarer Tierchen, die meisten davon unbemerkt und in friedlicher Koexistenz mit den Menschen. Mit Motten allerdings kann man keinen Friedenspakt eingehen, denn sie richten große Schäden an. Hat man die Falter, die man nur selten zu Gesicht bekommt, erst einmal im Haus, halten sie sich hartnäckig. "Motten sind so schwer wieder loszuwerden, weil jede Motte zwischen 200 bis 300 Eier in ihrem Bauch trägt, die sie einzeln in jede noch so kleine Ritze oder Spalte verteilt", erklärt Yrsa Bettina Baehr, Inhaberin von Motten-shop.de.

Motten gibt's gratis dazu

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Motten bemerkt man erst, wenn sie bereits Schaden angerichtet haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Motten holt man sich zum großen Teil durch Dinge ins Haus, die bereits mit Motteneiern verseucht sind", so die Expertin weiter. Das heißt, beim Einkauf gibt es die Motten - meistens in Form von Eiern - an der Mehltüte, im Müsli, im Wollpullover oder im Schaffell gratis dazu. Die bräunlichen Eier sind sehr robust, winzig klein und mit bloßem Auge kaum sichtbar. Sie können sogar Temperaturschwankungen zwischen minus 17 und plus 50 Grad Celsius überstehen. Kleidermotten legen ihre Eier in jedem noch so kleinen Winkel ab. Lebensmittelmotten dagegen bevorzugen Orte auf oder zumindest in der Nähe von Nahrungsmitteln.

Bei Temperaturen zwischen 24 und 30 Grad Celsius, einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit und ohne Zugluft reift die Mottenlarve im Ei und schlüpft. Diese Larve ist vor allem eines: hungrig. Das Tier, das bis zu einem Zentimeter groß wird, verlässt sein Versteck und kriecht auf Futtersuche. Kleidermotten werden in Seide, Pelzen, Fellen, Wolle, Federn, Teppichen aus Naturfasern fündig. Und obwohl sie Baumwolle, Viskose und vollsynthetische Fasern gar nicht verdauen können, werden auch diese von den Larven der Kleidermotte angefressen. So entstehen die unschönen kleinen, aber meistens zahlreichen Löcher in der Kleidung.

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In vielen alten Küchenschränken waren die Behälter für trockene Lebensmittel integriert.

(Foto: R by Rike, pixelio)

Lebensmittelmotten bevorzugen zur Eiablage alle trockenen Lebensmittel wie beispielsweise Mehl, Reis oder Nudeln. Aber auch Kaffee, Kakao und sogar Gewürze sind vor den gefräßigen Mottenlarven nicht sicher. Ebenso wird oftmals Trockenfutter für Hunde und Katzen, Vogelfutter und Heu von Motten befallen. Auch auf Trockengestecken oder Dekorationen aus natürlichen Materialien legen Lebensmittelmotten ihre Eier ab. Die Larven sollen nämlich gleich nach dem Schlüpfen Nahrung vorfinden.

Natürliche Feinde im Einsatz

Nachdem sich die Larven dick und rund gefressen und sich sieben bis zehn Mal gehäutet haben, verpuppen sie sich. Dieses Stadium dauert zwischen zwei und drei Monaten. Um diese Puppenlarve herum entsteht ein helles und klebriges Gespinst, das sowohl auf Textilien als auch in Lebensmitteln gut erkennbar ist. In dieser Entwicklungsphase bleibt die Motte für drei bis vier Monate, bevor sie als Falter schlüpft und sich schließlich fortpflanzt. "Werden Mottenlarven oder –puppen in Lebensmitteln oder auf Dekorationen entdeckt, so müssen diese so schnell wie möglich aus dem Haus geschafft und mit der richtigen Mottenbekämpfung begonnen werden", betont Baehr. Aber was ist die richtige Art der Mottenbekämpfung?

"Nur der Einsatz von Schlupfwespen ist langfristig wirksam", sagt die Expertin, die die Eier von Schlupfwespen landesweit verkauft. Zedernholz, Lavendelsäckchen, Teebaumöl oder Zeitungspapier könnten einen richtigen Mottenbefall weder im Vorrats- noch im Kleiderschrank andauernd beseitigen, so die Expertin weiter.

Die Schlupfwespe (Trichogramma evanescens) ist der natürliche Feind von Motten. Aus diesem Grund ist ihr Einsatz sowohl bei Lebensmittel- als auch bei Kleidermottenbefall wirkungsvoll und nachhaltig. Schlupfwespen kann man von verschiedenen Anbietern vor allem über das Internet bestellen. In Drogerien werden Schlupfwespeneier nicht verkauft, da sie, um ein vorzeitiges Schlüpfen zu verhindern, gekühlt gelagert werden müssen.

Kein Summen im Kleiderschrank

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Eine Schlupfwespe im Wasser.

(Foto: André Karwath, aka, wikipedia)

Nicht für jedermann ist es ein schöner Gedanke, Schädlinge mit Parasiten zu bekämpfen und sich diese dafür extra ins Haus zu holen. Die Schlupfwespen sind jedoch für den Menschen völlig harmlos, zudem so klein, dass man sie kaum sehen oder hören kann. "Wer mit Schlupfwespen Motten bekämpft, arbeitet biologisch unbedenklich und wirkungsvoll", erklärt Baehr. Mit dem Verfahren wird die sogenannte Überschwemmungsmethode angewendet, die für die Landwirtschaft entwickelt worden ist, denn auf den meist farbigen Pappkärtchen zur Schädlingsbekämpfung befinden sich bis zu 3000 Schlupfwespeneier in verschiedenen Reifegraden. Diese sind mit 0,3 Millimetern genauso klein wie die Eier der Motten. Die Pappkärtchen werden direkt an die betroffenen Stellen ausgelegt, also in Kleider- und Vorratsschränke.

Bei Temperaturen ab 15 Grad Celsius schlüpfen aus den Schlupfwespeneiern die Larven der sogenannten Mikroinsekten und suchen in jedem noch so kleinen Winkel nach Motteneiern. Die ausgewachsenen Tiere legen ihre Eier direkt in den Motteneiern ab. Die Larven der Schlupfwespen ernähren sich nämlich ausschließlich durch die Motteneier. Gibt es gar keine Motteneier mehr, dann sterben auch die Schlupfwespen und zerfallen schließlich zu Staub.

Mottenbekämpfung dauert lange

Die erfolgreiche Mottenbekämpfung mit Schlupfwespen dauert in einem Haushalt mit Lebensmittelmotten 9 Wochen, bei Kleidermotten muss man mit 18 Wochen und wiederholtem Auslegen der Tricho-Karten rechnen.

Haushalte, die dann endlich mottenfrei sind, sind aber nicht vor einem erneuten Befall geschützt. Es gibt jedoch einige Verhaltensregeln, die einem neuen Befall vorbeugen können. So sollten trockene Lebens- und Genussmittel nur in luftdichten Gläsern oder Plastikbehältern gelagert werden. Saisonkleidung, Felle oder Teppiche aus Naturfasern, die längere Zeit nicht benötigt werden, können zum Lagern in speziellen Säcken luftdicht verschweißt werden. Prinzipiell sollten diese Dinge immer frisch gewaschen, gereinigt, gesaugt oder aber wenigstens kräftig geschüttelt und gelüftet werden, bevor man sie "einmottet". Zudem wird ein kühler und trockener Ort zum Lagern empfohlen. Wenn möglich, sollte Futter für Haustiere nicht in der Wohnung gelagert werden.

Übrigens: Motten im ausgewachsenen Falterstadium können keinen direkten Schaden an Textilien oder Lebensmitteln mehr anrichten. Sie haben verkümmerte Mundwerkzeuge und leben nur noch für die Fortpflanzung. Nahrung nehmen ausgewachsene Falter, weder Männchen noch Weibchen, keine mehr auf.

Quelle: n-tv.de

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