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Christliche Tradition hatte kaum Einfluss auf die Namen unserer Wochentage.
Christliche Tradition hatte kaum Einfluss auf die Namen unserer Wochentage.(Foto: imago stock&people)
Dienstag, 23. Mai 2017

Frage & Antwort, Nr. 483: Woher haben Wochentage ihre Namen?

Von Kai Stoppel

Täglich nennen wir ihre Namen, die so vertraut klingen: die Wochentage. Aber wieso heißen sie eigentlich, wie sie heißen? Hat der Dienstag etwa mit Dienst zu tun oder der Donnerstag etwas mit Donner?

Wenn man jemand fragt, woher der Samstag seinen Namen hat, wird meist im Scherz geantwortet: "Weil dann das Sams kommt". Die Passage aus einem deutschen Kinderbuchklassiker ist bei vielen Menschen hängen geblieben. Doch wenige wissen, warum unsere Wochentage heißen, wie sie heißen.

Die Namen der Tage haben eine bewegte Geschichte. Die heute gebräuchliche Sieben-Tage-Woche stammte ursprünglich aus dem alten Babylon, wurde von den Juden übernommen und gelangte über diese zu den Römern. Diese wiederum benannten die sieben Tage schließlich nach ihren Planetengöttern: Mars, Merkur, Saturn, Venus, Jupiter sowie Luna als Göttin des Mondes und Apoll, der als Gott des Lichts mit der Sonne gleichgesetzt wurde.

Naheliegend: Der Mond gibt dem Montag seinen Namen. Aber warum?
Naheliegend: Der Mond gibt dem Montag seinen Namen. Aber warum?(Foto: imago/Christian Grube)

Diese Praxis verbreitete sich im ersten Jahrtausend nach Christus im Römischen Reich und wurde schließlich auch von den Germanen, den Vorfahren der Deutschen, übernommen. Allerdings waren Letztere doch etwas eigen und zogen die Namen ihrer Götter denen der römischen vor. Weitere Einflüsse aus christlicher und jüdischer Tradition brachten schließlich jene Namen hervor, die wir heute noch für die Wochentage gebrauchen. Eine Übersicht:

Montag. Beim ersten Tag der Woche kann man schon erahnen, woher sein Name stammt. Und in der Tat: Der Name geht auf die römische Göttin des Mondes zurück. Diese hieß jedoch Luna und der Tag ursprünglich Dies Lunae (Tag des Mondes), woraus die Franzosen ihren Lundi gemacht haben und die Spanier ihren Lunes. Die Germanen jedoch bevorzugten das Wort "Mond" und erfanden so den Mon(d)tagt. Bei den Engländern und US-Amerikanern heißt der Tag nach dem englischen Wort "Moon" entsprechen Monday.

Dienstag. Auch hier lehnt sich die Namensgebung an den römischen Kalender an. Dieser Tag war ursprünglich Mars, dem römischen Kriegsgott, gewidmet. Wieder gut zu erkennen am französischen Mardi und am spanischen Martes. Vorbild ist der lateinische Dies Martis (Tag des Mars).

Der germanische Gott Odin, auch als Wodan bekannt, ist heute noch im Englischen der Namensgeber des Mittwoch.
Der germanische Gott Odin, auch als Wodan bekannt, ist heute noch im Englischen der Namensgeber des Mittwoch.(Foto: imago/UIG)

Hierzulande wurde Mars jedoch durch das germanische Götter-Pendant ersetzt, den Gott Tyr. Dementsprechend müsste der Dienstag also Tyrstag heißen. Jedoch wurde eine andere Namensvariante des Gottes gewählt: Mars Thingsus. Dieser war der Schutzherr des Thinges, einer Volks- und Gerichtsversammlung bei germanischen Stämmen. Das "Thing" blieb schließlich übrig und wurde zum "Dien" in Dienstag. Im Englischen hat sich wiederum eine weitere Namensvariante dieses Gottes durchgesetzt: Ziu. Daher heißt es dort Tuesday.

Mittwoch. Bei den Römern war der Mittwoch dem Gott Merkur gewidmet, dem Gott des Handels und der Reise, also Dies Mercurii. Dies ist gut erkennbar im französischen Namen für den Mittwoch: Mercredi und auch im spanischen Miercoles. In der Antike wurde Merkur mit dem germanischen Wodan oder Odin gleichgesetzt. Aus dem Merkur-Tag machten die Germanen also den Wodans-Tag. Dies ist heute noch im Englischen und Niederländischen erhalten, wo der Mittwoch Wednesday und Woensdag heißt. In Deutschland wurde dieser heidnische Name von der katholischen Kirche abgeschafft und bereits ab dem 10. Jahrhundert vom heutigen Mittwoch abgelöst.

Bei der Germanen galt die Göttin Freya als Pendant zur römischen Liebesgöttin Venus. Nach ihr wurde der Freitag benannt.
Bei der Germanen galt die Göttin Freya als Pendant zur römischen Liebesgöttin Venus. Nach ihr wurde der Freitag benannt.(Foto: imago/United Archives International)

Donnerstag. In der Tat hat der Donnerstag etwas mit Gewitter zu tun, aber nur indirekt. Denn auch hier gilt wieder das bekannte Muster: Ein römischer Gott legt vor, ein germanischer Gott übernimmt schließlich. Bei den Römern war es Jupiter höchstpersönlich, der Göttervater und oberste Gottheit bei den Römern, nachdem der Tag zunächst benannt wurde: Dies Iovis. Im Französischen hat er sich als Jeudi zum Teil erhalten, im Spanischen als Jueves. Die Germanen wählten als Namensgeber Thor, der wie Jupiter als Gewitter- und Wettergott fungierte. Im englischsprachigen Raum blieb Thor in Thursday verewigt. Die Vorfahren der Deutschen wählten jedoch die westgermanische Variante Donar als Namensgeber. Daher Donnerstag, der also doch ein bisschen mit Gewitter zu tun hat.

Freitag. Viele Menschen würden sich wünschen, dass das Wochenende einen Tag früher anfängt und man am Freitag tatsächlich frei hat. Doch der Name leitet sich von der germanischen Göttin Freya ab, die für Liebe und Ehe zuständig war. Bei den Engländern – ebenfalls germanischen Ursprungs- ist es entsprechend der Friday. Den Anstoß dafür gab aber die römische Bezeichnung Dies Veneris, der Tag der Liebesgöttin Venus. Diese hatte eine ähnliche Funktion wie die germanische Freya und diente damit als Vorbild. In Frankreich heißt der Tag dementsprechend Vendredi, in Spanien Viernes.

Samstag/Sonnabend. Wenn man der bisherigen Regel folgt, müsste der Samstag eigentlich nach der germanischen Entsprechung des römischen Gottes des Ackerbaus, Saturn, benannt sein. Doch es kam anders: Hier setzte sich der jüdische Sabbat als Namensgeber durch. Vermutlich, weil die jüdische Sieben-Tage-Woche von diesem Tag dominiert wird. Der Sabbat wurde zu Samstag – besser zu erkennen im Italienischen, wo der Tag Sabato heißt, und im Spanischen: Sabado. Nur im Englischen ist es ganz anders: Hier wurde die römische Bezeichnung adaptiert und der Saturday heißt bis heute so. Ähnlich ist es im Plattdeutschen, wo der Satertag überlebt hat.

Und warum Sonnabend? Dieser ist ein Bezug auf den folgenden Sonntag und meinte ursprünglich nur den Abend vor dem Sonntag. Mit der Zeit wurde der ganze Tag so bezeichnet. In Nord- und Mitteldeutschland wird übrigens häufiger Sonnabend verwendet, in Süddeutschland fast ausschließlich Samstag.

Sonntag. Sein Ursprung liegt ebenfalls in der römischen Namensgebung, wo es ursprünglich bereits der "Tag der Sonne" war: dies Solis. Da wohl auch die Germanen sich mit der Sonne identifizieren konnten, blieb es beim Sonntag. In den Ländern mit romanischer Sprache wie Frankreich, Italien und Spanien heißt der Tag allerdings Dimanche, Domenica und Domingo. Dies leitet sich von der spätantiken lateinischen Bezeichnung Dies Domenica ab, was "Tag der Herrn" bedeutet.

Übrigens: Ursprünglich galt der Sonntag in Deutschland als erster Wochentag - was auch der jüdischen Zählweise entspricht. Erst seit 1976 wurde dies hierzulande zugunsten des Montags geändert. Daher hat nach neuer Zählweise der Mittwoch seinen Namen zu Unrecht – er liegt als dritter Tag nicht mehr in der Mitte der Woche.

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Quelle: n-tv.de