Fundsache

Fundsache, Nr. 1016 Schwert, Stein und Glöckchen

In einer 2000 Jahre alten antiken Kanalisation im Jerusalem wird ein römisches Schwert aus der Zeit des zweiten Tempels entdeckt. Ebenfalls gefunden wird ein Stein mit der Gravur einer Menorah. Zwar fehlen dem Leuchter zwei Arme, doch die Wissenschaftler sind begeistert. Darüber hinaus dokumentiert n-tv.de den Ton eines Glöckchens, das ein Hoher Priester auf dem Weg zum Tempel verloren haben dürfte.

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Das Schwert in der Lederscheide.

(Foto: Vladimir Naykhin, Israel Antiquities Authority)

Der Abwasserkanal unter der Straße von der "Stadt Davids" südlich des Jerusalemer Tempelbergs hinauf zu den Eingangstoren des im Jahr 70 von den Römern zerstörten jüdischen Tempels birgt historische Sensationen. Bei Ausgrabungen der Antikenbehörde unter der Leitung von Eli Shukrun und Professor Ronni Reich von der Universität von Haifa wurde dieser Tage das Schwert eines römischen Legionärs entdeckt, der offenbar an der Niederschlagung des ersten großen jüdischen Aufstandes gegen die römischen Besatzer im Jahr 66 beteiligt war.

Ganz ungewöhnlich ist der Erhaltungszustand des 60 Zentimeter langen Schwerts, das noch in seiner dekorierten ledernen Scheide steckte. Ein Teil des Gürtels, an dem das Schwert mit Ösen hing, wurde ebenfalls in dem Abwasserkanal gefunden. "Das ist ein seltener Fund, weil Leder normalerweise schnell vergeht und nicht erhalten bleibt", sagt Reich.

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Das Menorah-Bild.

(Foto: Clara Amit, Israel Antiquities Authority)

Ebenfalls in dem Kanal wurde eine Kritzelei auf einem Stein gefunden. Abgebildet ist der Siebenarmige Leuchter im Tempel. Doch der Künstler, der das Steinchen mit der Kritzelei wohl vor etwa 2000 Jahren achtlos auf die Straße geworfen hatte, gab den Leuchter mit nur fünf Armen wieder. Für die Archäologen ist dieser Fund von besonderer Bedeutung. Noch nie ist eine Abbildung des biblischen Leuchters, der als Vorlage für das moderne Staatswappen Israels dient, so nahe am Tempel in Jerusalem gefunden worden, wo das Original stand.

Fünf statt sieben Arme

Auch wenn nur fünf statt sieben Arme des Leuchters wiedergegeben wurden, weist Reich auf die Abbildung des dreieckigen Fußes des Leuchters hin. Das sei ein wichtiger Hinweis auf die Form des Originals, das von den Römern geplündert und nach Rom verschleppt wurde. Die Menora und andere Tempelgeräte sind auf dem Titusbogen in Rom abgebildet. Eli Shukrun sagte auf Anfrage, dass der handtellergroße Sandstein etwa 10 Zentimeter hoch und 5 Zentimeter breit sei. Der Künstler habe die Menorah wohl im Tempel gesehen und tief beeindruckt mit einem Nagel in den weichen Stein geritzt. Seinen "Brief" habe er dann aber weggeworfen. Jetzt, nach 2000 Jahren, "ist sein Brief angekommen", wie Schukrun sagte.

Knapp zwei Wochen zuvor war Shukrun auf eine weitere archäologische Sensation gestoßen: ein Glöckchen, wie es möglicherweise am Saum des Rockes eines Hohen Priesters angenäht war. Auf dem Weg zum Tempel dürfte der Träger des Rockes eine Schelle verloren haben.

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Das Glöckchen.

(Foto: Vladimir Naykhin, Israel Antiquities Authority)

In der Bibel wird berichtet, dass die Hohen Priester des Tempels an Ihren Kleidern kleine goldene Glocken befestigt hatten. Im Zweiten Buch des Moses, dem "Exodus", wird das Gewand des ersten Hohen Priesters, des Aaron, beschrieben, der auch der "Sprecher" des stotternden Moses war. In Exodus 28,33 übersetzt Martin Luther: "Und unten an seinen Saum sollst du Granatäpfel machen von blauem und rotem Purpur und Scharlach um und um und zwischen dieselben goldene Schellen auch um und um." Auf Anfrage schüttelten die Entdecker die winzige Glocke, sodass nach 2000 Jahren Klänge rekonstruiert werden konnten, die so manche berühmte zeitgenössische Besucher des Tempels auf der gleichen Straße gehört haben könnten, zum Beispiel ein gewisser Jesus von Nazareth oder der Priester Kaiaphas. Das Tondokument finden Sie hier.

Während des Aufstandes, der im Jahr 70 mit der Zerstörung des Tempels und großer Teile der Stadt endete, diente jener Abwasserkanal den Juden als Versteck vor den Römern. Vier römische Legionen waren an dem Kampf gegen die Juden in Jerusalem beteiligt. Unter den Legionären waren auch Germanen und Gallier, also Deutsche und Franzosen, wie aus dem Bericht des zeitgenössischen römisch-jüdischen Historikers Josephus Flavius über das feierliche Staatsbegräbnis des Königs Herodes hervor geht.

Quelle: n-tv.de

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