Wissen
Montag, 18. Januar 2010

Fundsache, Nr. 777: Wrack eines Kriegsschiffs von 1715

Ein Taucher bei dem gesunkenen Wrack.
Ein Taucher bei dem gesunkenen Wrack.(Foto: picture alliance / dpa)

Archäologen haben bei Strande am Eingang der Kieler Bucht ein schwedisches Kriegsschiff entdeckt, das vor 295 Jahren gesunken ist. Taucher hatten das große Wrack bereits 2008 gefunden, jetzt konnten Wissenschaftler des Archäologischen Landesamtes in Schleswig nachweisen, dass es sich um das 1715 versenkte Schiff "Prinsessan Hedvig Sophia" handelt. "Das war ein Volltreffer", sagte Martin Segschneider vom Archäologischen Landesamt.

Das 47 Meter lange Kriegsschiff sank im Großen Nordischen Krieg nach einer Schlacht zwischen Dänen und Schweden am 25. April 1715. Der dänische Verband war überlegen, der schwedische Admiral befahl, die eigenen Schiffe zu zerstören, damit sie den Dänen nicht in die Hände fielen. Den Dänen gelang es jedoch durch eine Kriegslist, die meisten schwedischen Schiffe vor ihrer endgültigen Zerstörung zu erobern. Nur das schwedische Flaggschiff, die "Prinsessan Hedvig Sophia", war so schwer beschädigt, dass alle Versuche scheiterten, es zu retten. Der Großsegler wurde daher aufgegeben und die Reste dem Meer überlassen. Viele Forscher hatten vergeblich nach ihm gesucht.

Nach und nach freigelegt

Der Degengriff wurde aus dem schwedischen Kriegsschiff geborgen.
Der Degengriff wurde aus dem schwedischen Kriegsschiff geborgen.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem Fund mussten zunächst Bug und Heck des Schiffes, das unter den eigenen Ballaststeinen begraben war, freigelegt werden. Immer mehr Indizien wie die Größe und das Alter des Holzes hätten dafür gesprochen, dass es sich um die "Prinsessan Hedvig Sophia" handelte, sagte Segschneider. "Dann haben wir Teile eines vergoldeten Offiziers-Degengriffs gefunden und eine Schuhsohle aus Birkenrinde, wie sie in Schweden benutzt wurde. Es passte alles zusammen." Geborgen werden konnten zudem Musketenkugeln aus Blei, Kanonenkugeln aus Eisen sowie Glas von Laternen, Fenstern und Flaschen. "Auch Kerzenhalter, Spielsteine und andere Holzgeräte geben Auskunft über das Leben an Bord."

Wrack bleibt im Wasser

Gehoben wird das in acht Metern Tiefe liegende Wrack nicht, das Seegebiet vor Bülk bei Strande ist inzwischen unter Denkmalschutz gestellt. Im Sommer soll es Exkursionen mit Studenten aus Deutschland, Dänemark und Schweden geben, die das Schiff weiter untersuchen. "Die Arbeit ist noch lange nicht zu Ende", betonte Segschneider.

Das bekannteste schedische Kriegsschiff, das Jahrhunderte nach seinem Untergang geborgen wurde, ist sicher die "Wasa". Das Kriegsschiff sank am 10. August 1628 mitten im Dreißigjährigen Krieg auf seiner Jungfernfahrt. 1956 wurde das Wrack wiedergefunden und 1961 geborgen. Nach seiner gründlichen Restaurierung ist das Schiff heute im Vasa-Museum in Stockholm zu besichtigen.

Quelle: n-tv.de