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Das Gehäuse des Nokia 6 wird aus einem Aluminiumblock gefräst.
Das Gehäuse des Nokia 6 wird aus einem Aluminiumblock gefräst.(Foto: kwe)
Montag, 24. Juli 2017

Metall-Klopper für 250 Euro: Ist das Nokia 6 ein Schnäppchen?

Von Klaus Wedekind

Das Nokia 6 im kantigen Metallkleid könnte für 250 Euro ein echtes Smartphone-Schnäppchen sein. Ob das tatsächlich so ist oder nur billige Technik in einem hochwertigen Gehäuse steckt, hat n-tv.de getestet.

Die Firma HMD Global wurde im Dezember 2016 gegründet, um ein Comeback der Nokia-Smartphones zu starten. Im Gegensatz zu vielen anderen großen alten Marken, bei denen nur der Name für billige chinesische Massenware ausgeschlachtet wurde, besorgten sich in diesem Fall ehemalige Nokia-Mitarbeiter die Marken- und Lizenzrechte, um mit Android-Smartphones einen Neustart zu wagen. Dafür taten sie sich mit dem taiwanischen Foxconn-Konzern zusammen, der die Geräte herstellt. Das Nokia 6 war im Januar dann das erste Produkt der Kooperation, aber lange Zeit war es nur in China erhältlich. Erst jetzt ist das Gerät zusammen mit dem im März vorgestellten Nokia 3 und dem Nokia 5 auf den europäischen Markt gekommen. n-tv.de hat getestet, was der Nachzügler draufhat.

Kantiges Aluminiumgehäuse

Das Nokia 6 ist für 250 Euro das teuerste und am besten ausgestattete Gerät des finnischen Trios. Es macht durch ein kantiges, aus einem Block gefrästes Aluminiumgehäuse und eine sehr gute Verarbeitung einen extrem soliden Eindruck. Allerdings wirkt es auch etwas grobschlächtig und liegt bei weitem nicht so angenehm in der Hand wie das rundliche Nokia 5.

Das Nokia 6 zeigt klare Kanten.
Das Nokia 6 zeigt klare Kanten.(Foto: kwe)

Das Display ist 5,5 Zoll groß und löst in Full-HD auf, was für eine scharfe Pixeldichte von 403 ppi reicht. Der Bildschirm kann hell genug leuchten, um an einem sonnigen Tag im Freien gut ablesbar zu sein. Allerdings lässt sich die automatische Anpassung oft etwas zu viel Zeit und das Display hat einen leichten Grünstich. Insgesamt kann sich der Bildschirm aber durchaus sehen lassen.

Wie das 5er-Modell wird auch das Nokia 6 von Qualcomms Mittelklasse-Chip Snapdragon 430 angetrieben. Allerdings stehen dem Prozessor beim größeren Gerät 3 statt 2 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung, was sich manchmal bemerkbar macht, wenn das Smartphone etwas stärker beansprucht wird. Ansonsten ist auch das Nokia 6 kein Rennpferd, kann aber den Alltag gut überstehen. Der interne Speicher ist 32 Gigabyte groß und kann durch microSD-Karten ergänzt werden. Leider gibt's dafür keinen Extra-Einschub wie beim Nokia 5, das Gerät schluckt daher keine zweite SIM-Karte.

Kamera und Ausdauer sind okay

Technische Daten
  • System: Android 7.1.1
  • Display: 5,5 Zoll, LCD, FHD (1920 x 1080 Pixel), 403 ppi
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 430
  • Arbeitsspeicher: 3 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD
  • Kamera: 16 MP
  • Frontkamera: 8 MP
  • WLAN 802.11 b/g/n, 2,4 GHz, LTE, Bluetooth 4.1, USB 2.0
  • Fingerabdruck-Sensor
  • Akku: 3000 mAh
  • Abmessungen: 154 x 75,8 x 7,85 mm
  • Gewicht: keine Angaben

Der Akku hat ein Fassungsvermögen von 3000 Milliamperestunden. Er ist nicht ganz so ausdauernd wie beim kleineren Nokia, was vermutlich auf die höhere Display-Auflösung zurückzuführen ist. Trotzdem hält er bei durchschnittlichem Gebrauch länger als einen Tag durch. Ist die Batterie leer, muss man geduldig sein, denn es gibt keine Schnelllade-Funktion. Dies vermisst man eher als einen USB-C-Anschluss, den HMD Global durch einen altbackenen - und günstigeren - Micro-USB-Eingang ersetzt hat.

Die 16-Megapixel-Kamera auf der Rückseite ist okay, bei guten Lichtverhältnissen kann sie die hohe Auflösung in detailreiche Bilder umsetzen. Auch die Farben und Kontraste sind gut. Bei schwächerem Licht stören sich die vielen Megapixel auf einem kleinen Sensor aber schneller gegenseitig als bei niedriger auflösenden Kameras, was zu einem starken Rauschen führt. Nokia versucht dies offenbar durch starkes Weichzeichnen zu kaschieren, was aber zu Lasten der Details geht. Außerdem lässt sich die Kamera manchmal etwas lange Zeit, bevor sie schussbereit ist. Alles in allem ist die Kamera für die 250-Euro-Klasse durchaus brauchbar - das gilt auch für die Selfie-Knipse auf der Vorderseite, die Bilder mit 8 Megapixeln liefert.

Pures Android macht den Unterschied

Erwähnenswert ist noch, dass das Handy zwei Lautsprecher besitzt und einen ziemlich guten Stereoklang liefert. Letztlich ist das Nokia 6 aber eigentlich nur ein gutes Mittelklasse-Smartphone mit Standard-Ausstattung in der 250-Euro-Klasse. Betrachtet man alleine die Hardware, hat unter anderem das Honor 6X die Nase vorne. Doch wie bei den anderen neuen Finnland-Smartphones macht das unverfälschte Android den Unterschied, das mit allen vorinstallierten Apps nicht mal 12 Gigabyte groß ist. Das Nokia 6 ist mit der neuesten Version 7.1.1 des Betriebssystems ausgestattet, der Sicherheitspatch stammt aus dem Juni. Und HMD Global verspricht, dass das Smartphone "dank regelmäßiger Software-Updates auf dem neuesten Stand bleibt." Das ist bei anderen günstigen Handys meistens nicht der Fall. Wer nicht aufs Kleingeld schauen muss, sollte aber vielleicht trotzdem noch etwas warten, denn schon bald dürfte HMD Global mit dem Nokia 8 sein erstes Highend-Smartphone vorstellen.

Quelle: n-tv.de

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