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Nasa-Aufnahme von MACS0647-JD, der bisher fernsten erspähten Galaxie (markierter Bereich).
Nasa-Aufnahme von MACS0647-JD, der bisher fernsten erspähten Galaxie (markierter Bereich).(Foto: dpa)

Mit Hilfe einer gigantischen Lupe: Bisher fernste Galaxie erspäht

Die Weltraumteleskope "Hubble" und "Spitzer" haben einen Kandidaten für die bislang fernste Galaxie erspäht. Die Sterneninsel ist vermutlich 13,3 Milliarden Lichtjahre entfernt, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa in Washington berichtete. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt - knapp zehn Billionen Kilometer. Das Licht der fernen Galaxie wäre damit 13,3 Milliarden Jahre zu uns unterwegs und zeigt das Himmelsobjekt rund 420 Millionen Jahre nach dem Urknall. Damals hatte das Universum erst drei Prozent seines heutigen Alters.

Die Galaxie sei möglicherweise zu weit entfernt, um mit einem existierenden Teleskop ihre Entfernung exakt zu bestimmen, erläuterte die Nasa. Erst der "Hubble"-Nachfolger, das im Bau befindliche "James Webb"-Weltraumteleskop, werde voraussichtlich dazu in der Lage sein. Es soll 2018 ins All geschossen werden. Die Astronomen hatten das Himmelsobjekt nur mit Hilfe einer gigantischen natürlichen Lupe aufspüren können: Zwischen der Galaxie und uns befindet sich ein Galaxienhaufen, der mit seiner enormen Schwerkraft das Licht der fernen Sterneninsel beugt.

Durch diese sogenannte Gravitationslinse entstehen drei Abbilder der fernen Galaxie, die rund acht-, sieben- und zweimal heller sind, als die Sterninsel sonst am Himmel erscheinen würde. "Dieser Galaxienhaufen schafft, was kein von Menschen gemachtes Teleskop erreicht", betonte der Leiter des Forscherteams, Marc Postman, vom Space Telescope Science Institute in Baltimore. "Ohne die Vergrößerung wäre die Beobachtung dieser Galaxie eine Herkulesaufgabe."

"Nur" Ausdehnung von 600 Lichtjahren

Aus ihren Beobachtungen schließen die Astronomen, dass die Galaxie nur eine Ausdehnung von 600 Lichtjahren hat. Zum Vergleich: Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, besitzt einen Durchmesser von rund 150.000 Lichtjahren. Selbst die Große Magellansche Wolke, eine kleine Satellitengalaxie der Milchstraße, ist noch 14 000 Lichtjahre groß. Vermutlich handele es sich um einen jungen Baustein der ersten Galaxien, schreiben die Wissenschaftler, die ihre Entdeckung im Fachblatt "The Astrophysical Journal" vorstellen. "In den kommenden 13 Milliarden Jahren wird sie möglicherweise Dutzende, Hunderte oder sogar Tausende Male mit anderen Galaxien und Galaxiefragmenten verschmelzen", meint Erstautor Dan Coe.

Die Astronomen hatten das Himmelsobjekt, das die Katalognummer MACS0647-JD bekam, durch insgesamt 17 Farbfilter beobachtet, von Ultraviolett bis Infrarot. Nur in den beiden Rötesten tauchte es überhaupt auf. Die Forscher schließen daraus auf seine enorme Entfernung. Denn die Ausdehnung des Universums dehnt auch die Wellenlänge des Lichts ferner Himmelsobjekte und verschiebt es umso stärker ins Rote, je weiter das Objekt entfernt ist. Würde es sich nur um ein näher gelegenes, schwach leuchtendes rotes Objekt handeln, müsste es in den Aufnahmen des Infrarotteleskops "Spitzer" hell strahlen, erläuterten die Forscher. Mit "Spitzer" sei die Galaxie jedoch kaum nachzuweisen. Das spreche dafür, dass es sich um ein enorm weit entferntes Objekt mit sehr großer Rotverschiebung handele.

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Quelle: n-tv.de

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