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Der Beau aus Wolfsburg Arteon Shooting Brake - schöner laden

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Der VW Arteon Shooting Brake ist nicht einfach nur ein Kombi.

(Foto: Holger Preiss)

Der VW Arteon ist schon ein Schmuckstück. Doch nicht nur schön, sondern auch zweckmäßig ist sein neuer Sidekick, der Shooting Brake. Nichts an der Neuauflage will an den Passat erinnern, edel geht es im Innern zu. Bleibt die Frage: Wie fährt er sich?

Als der Arteon 2017 auf den Markt kam, waren sich die Betrachter einig, dass dieses viertürige Coupé ein würdiger und vor allem optisch extrem gelungener Nachfolger für den VW CC ist. Doch bereits damals wurde bemängelt, dass sich der schönste Wolfsburger im Innenraum keinen Deut vom Liebling aller Vertreter und Familienväter abhob. In absoluter Baugleichheit präsentierte sich der in Emden produzierte Luxusliner.

Kein Arteon Kombi

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Die Plattform für den Arteon Shooting Brake liefert nach wie vor der Passat.

(Foto: Holger Preiss)

Jetzt, knapp drei Jahre später, präsentiert sich das Coupé überarbeitet und hat an seine Seite noch einen Shooting Brake bekommen. Böse Zungen würden behaupten, dass es sich hierbei schlicht um einen Arteon Kombi handelt, aber das stimmt nicht. Für einen schnöden Kombi ist auch die Arteon-Variante eines Lademeisters - und das ist er mit 565 bis 1632 Liter Ladevolumen - auf jeden Fall viel zu schick. Die Front flach und breit, die Schulterlinie hoch, und die Dachlinie mündet in einem sportlichen Heckspoiler. Ergo, kein Kombi, sondern ein echter Shooting Brake und definitiv kein Edel-Passat-Kombi.

Auch im Innenraum erinnert nichts mehr an den Plattform- und Organspender. Das Interieur ist komplett neu gestaltet. Da sind zum Beispiel die Ziernähte in echter Stickerei, die Intarsien sind wahlweise aus Eukalyptus-Holz, aus echtem Aluminium mit Kreuzschliff oder "Black Carbon". In den Armaturen und Türverkleidungen gibt es durchleuchtete Dekore, die auf Wunsch in 30 unterschiedlichen Farben leuchten können. Die Luftausströmer wurden filigraner und liegen nicht wie beispielsweise im Golf 8 unterhalb des Zentraldisplays, sondern darüber.

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Auch das Innenleben des Arteon ist neu und bildschön. Einzig das aufgepflanzte Head-up-Display stört die edle Anmutung.

(Foto: Holger Preiss)

Unter dem acht Zoll großen TFT befindet sich jetzt eine neue Klimabedieneinheit mit Touchflächen zur Temperaturregelung. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, ähnlich wie die nunmehr ebenfalls kapazitiven Bedienelemente an einem ebensolchen Lenkrad. Es braucht tatsächlich einen Moment, bis die Finger den richtigen Rutsch für Abstandsradar, -tempomat, Lautstärke oder Einstellungen des volldigitalen Displays vor dem Fahrer finden. Auch die Sitze im Arteon sind neu und glänzten bei einer ersten Probefahrt mit allen Tugenden, die es für einen festen Sitz beim schnellen Kurvenlauf und auch auf der Langstrecke braucht.

Der Schreck auf dem Dashboard

Doch während man sich so verzückt im Polster streckt und beim Rundumblick feststellt, dass hier wirklich nur noch der Gangwahlhebel und die Mittelkonsole an den Passat erinnern, stockt dem Betrachter nach dem Start des Triebwerks und dem Blick auf die Straße kurz der Atem. Was er da vor sich sieht, sind nicht die Fahrdaten und aktuellen Verkehrszeichen - über ein Head-up-Display in die Frontscheibe projiziert. Nein, vor derselben schraubt sich eine Scheibe aus dem Dashboard, auf der nämliche Daten eingeblendet werden. Das lässt den Arteon für einen Moment vom Premium-Wagen in die Kleinwagen-Ecke rutschen. Nicht nur, dass es das gesamte Bild in einer unanständigen Art und Weise zerstört, es ist auch mit Blick auf die Mitbewerber, gegen die sich der Arteon und gerade der Shooting Brake stellen möchte, unangebracht. Da hilft es auch nicht, wenn VW sagt: "Das hatten wir gerade noch da, und der Kunde mag es."

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Tolle Sitze und viel Platz in der zweiten Reihe zeichnen den Arteon Shooting Brake aus.

(Foto: Holger Preiss)

Nun gut, was weg muss, muss weg, aber für das Ding muss in der Optionsliste kein Kreuz gesetzt werden, denn alle Daten, die es dort oben im Kleinformat gibt, kann man sich viel besser und eleganter dargestellt auf den beiden Bildschirmen angucken. Doch genug gezetert, setzen wir uns zur Beruhigung mal kurz in die zweite Reihe und genießen einfach den Platz zu allen Seiten. Wichtig ist hier, dass im Vergleich zum Coupé, die Kopffreiheit um fast fünf Zentimeter wächst, was vor allem große Erwachsene freut. Aber auch an die Kinder hat man beim Shooting Brake gedacht. Die Schulterlinie ist trotz ihrer schon erwähnten Höhe von innen so gesetzt, dass der Blick nach draußen leicht fällt. Hinzu kommt, dass die C-Säule am Heck so schmal ist, dass so für eine hervorragende Rundumsicht gesorgt wurde.

Für Sportler oder Pendler?

In Deutschland wird der Arteon Shooting Brake mit fünf Motorisierungen an den Start gehen. Zwei Diesel mit 150 und 200 PS bedienen die Langläufer, ein Hybrid mit einer Systemleistung von 218 PS soll all diejenigen befrieden, die vor allem auf den täglichen Wegen rein elektrisch fahren wollen, und die zwei Benziner mit 190 und 280 PS richten sich, jedenfalls was die letzte Leistungsstufe betrifft, an die Sportfreunde. Und weil das so ist, wollen wir uns den 2.0 Liter TSI mit 280 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Newtonmeter mal etwas genauer ansehen. Ja, das Triebwerk ist aus dem Passat mit 272 PS bekannt und erfreut sich dort großer Beliebtheit, weil es mit einem Standardsprint von 5,6 Sekunden auf Tempo 100 und abgeregelten 250 km/h die Dynamiker unter den Fahrern erfreut.

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Im kommenden Jahr wird es noch eine R-Variante vom Arteon Shooting Brake mit über 300 PS geben.

(Foto: Holger Preiss)

Nun nimmt man an, dass gleiches auch für den Arteon Shooting Brake gilt, aber es fühlt sich etwas anders an. Gerade beim spontanen Antritt will der Wolfsburger nicht so recht überzeugen. Man verstehe das nicht falsch. Auch hier sind 250 km/h kein Problem, und wenn der Turbo erst mal Wind macht, geht es ebenso eilig nach vorne, nur fühlt es sich genau in diesem Moment nicht wie 280 PS an. Da spielt es auch keine Rolle, ob die Gänge über die Schaltwippe oder über den siebenstufigen Automaten eingelegt werden. Einzige Erklärung ist im Moment die Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM, die der Motor erfüllen muss. Nun, wie dem auch sei, das ist meckern auf hohem Niveau. Auf dem liegt aber auch der Verbrauch bei sportlichen Fahrten. Unter 11 Litern ist hier nichts zu machen, wer es ruhiger angehen lässt, der kann mit erfreulichen 6,8 Litern aus dem Rennen gehen. Pendler sollten sich im Drittelmix auf Werte um die 8,8 Liter einstellen.

Wer den Shooting Brake aber tatsächlich in gehörigem Maße dazu nutzt, den Weg zur Arbeit zu bewältigen, der sollte einen Blick auf den Hybrid werfen. Im Kurvengewirr der Harzer Berge erfreute er von allen getesteten Varianten mit der besten Straßenlage. Die 13 kWh große Batterie senkte den Schwerpunkt noch einmal so gut ab, dass der Schöne hier am präzisesten in und aus den Kehren zog. Hinzu kam, dass der 156 PS leistende Benziner im Wechselspiel mit dem 115 PS starken E-Motor über die 35 Kilometer lange Teststrecke Bergauf und Bergab einen ganz famosen Verbrauch zauberte. Für den Verbrenner wurden vier Liter verbucht, der Akku war am Ende noch zu 62 Prozent gefüllt, und insgesamt wurden 21 Kilometer emissionsfrei, also nur mit dem E-Antrieb zurückgelegt. Das Ergebnis unterlag jetzt aber in Gänze der Verantwortung der Elektronik, die die Wechsel zwischen den Motoren nach der Topografie und dem Gasfuß des Piloten berechnete. Mit Sicherheit kann man hier noch sparsamer unterwegs sein, kann auch größere Strecken rein elektrisch bewältigen oder den Akku für die Ortsdurchfahrten am Ende des Weges aufsparen. Wie sparsam so ein Hybrid am Ende ist, hängt selbstredend immer vom Fahrer und vor allem vom Ladeaufkommen des Akkus ab.

Auf die ganz lange Tour

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Mit 565 bis 1632 Liter Ladevolumen dürfte man im Arteon Shooting Brake keine Probleme bei der Zuladung bekommen.

(Foto: Holger Preiss)

Wer das nicht will, viel und lange unterwegs ist, dem sei nach althergebrachter Manier der Diesel ans Herz gelegt. Mit der 200-PS-Variante kann da nicht viel schiefgehen. Die 400 Newtonmeter maximales Drehmoment liegen bereits ab 1750 Kurbelwellenumdrehungen an und schieben den Shooting Brake in 7,4 Sekunden auf Landstraßentempo, in der Spitze sind 230 km/h gesetzt. Die 66 Liter Treibstoff sollten hier für gut 1400 Kilometer am Stück reichen. Lenkung und Fahrwerk, auf Wunsch auch verstellbar, sind wie bei den anderen Motorvarianten über jeden Zweifel erhaben. So oder so folgt der Shooting Brake willig den Befehlen des Fahrers, überrollt das Ungemach der Straße spürbar, aber absolut unaufgeregt und bietet sich so in jedem Fall für alle Wege an.

Die wollen natürlich bezahlt sein, und das meint hier nicht den Treibstoff, in welcher Form er auch immer antreiben mag, nein, es meint den Anschaffungspreis. Der Arteon Shooting Brake startet mit dem 150 PS starken Diesel ab 44.387 Euro. Aber da trotz einer starken Grundausstattung mit Digital Cockpit Pro, Navigationssystem Discover Media und LED-Scheinwerfern die Reifendruckkontrolle, Klimaanlage und Einparkhilfe zu den Sonderausstattungen gehören, geschweige denn all die Fahrassistenten, ist man auch hier schnell bei über 50.000 Euro angekommen. Locker über diese Summe kommt man mit den anderen hier besprochenen Modellen. Für die Sportvariante, vielleicht sogar als R-Line, voll ausgestattet, sind dann schnell mal 70.000 Euro nach Wolfsburg überwiesen, und das ist dann doch ein stattliches Sümmchen.

Quelle: ntv.de