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Build your dreams in Europe BYD will mit E-SUV Kontinent erobern

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Der Tang EV600 ist eine Eigenentwicklung von BYD und sieht richtig gut aus.

(Foto: BYD)

Nachdem die Aufschläge chinesischer Autobauer hierzulande bis dato fast immer in einem Desaster endeten, will BYD jetzt alles besser machen. Die Chinesen planen den Marktstart in Europa mit einem Elektro-SUV noch für dieses Jahr.

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Der Denza 500 war das Prestige-Projekt zwischen BYD und Mercedes. Im Jahr 2018 wurde das E-Auto vorgestellt.

(Foto: BYD)

Die Geschichte von BYD (Build Your Dreams) ist noch jung. Im Jahr 2003 kauft der Akkuhersteller den einstigen chinesischen Staatsbetrieb Xi'an Tsinchuan Auto Co., Ltd. Im Zuge der Regierungsvorgaben stürzt sich BYD sofort auf die Elektromobilität und vor allem auf Eigenentwicklungen. Bereits sieben Jahre später hat das Unternehmen ein Produktionsvolumen von 500.000 Fahrzeugen im Jahr. Heute zählt der Konzern zu den größten Autobauern Chinas.

Genau diese Umstände dürften der Grund gewesen sein, warum Daimler mit BYD eine Kooperation eingeht. Denn neben der Tatsache, dass die chinesische Regierung für den Markteinstieg landesfremder Konzerne zwingend die Zusammenarbeit mit einem hiesigen Unternehmen verlangt, ist das, was BYD mit Blick auf die E-Mobilität zu bieten hat, das, was Daimler fehlt. Und so soll sich der Handschlag für beide Unternehmen zu einem Gewinn entwickeln. Daimler verspricht sich Know-how im E-Auto-Bau und natürlich die Chance, den größten und dynamischsten Automarkt der Welt weiter zu besetzen und die Chinesen sehen in der deutschen Marke nicht zu Unrecht eines der Leitunternehmen des internationalen Automobilbaus, von dem es technisch einiges zu lernen gibt.

Der Denza 500

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Auf den europäischen Markt haben es die Zutaten des Denza 500 auch nicht in Form einer B-Klasse geschafft.

(Foto: BYD)

Im Jahr 2018 präsentieren beide Unternehmen ihre gemeinsame Kreation: den Denza 500, eine auf chinesische Maßstäbe umgekrempelte B-Klasse mit E-Antrieb. Das Spannende: Der Treibsatz in Form der Akkus benutzt nicht die herkömmlichen Lithium-Ionen-Zellen, sondern Lithium-Eisen-Phosphat-Zellen, die von BYD hergestellt werden. Und genau das dürfte auch der Grund gewesen sein, warum es diese Form des Antriebs nicht in eine deutsche B-Klasse Electric geschafft hat.

Die Energiedichte dieser Zutatenkombination ist einfach nicht groß genug und das Paket an sich ist mit knapp 1000 Kilogramm deutlich zu schwer. Hinzu kommt, dass ein Ladezyklus an der Haushaltssteckdose mehr als 30 Stunden dauern würde. Erst eine 22 kW-Wallbox würde die Zeit auf drei Stunden senken, die Genehmigung für solche Powerlader ist in Deutschland aber nicht für jeden Haushalt zu bekommen. Da hilft es auch nicht, dass die Reichweite mit 451 Kilometern angegeben und Landstraßentempo in nur vier Sekunden erreicht wird.

Büchsenöffner für den chinesischen Markt

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Vor allem wertig sollte der Denza 500 sein. Damit wurde er aber auch sündhaft teuer.

(Foto: BYD)

Letztlich ist Daimler das Projekt auch nicht so wichtig. Für die Stuttgarter gilt es, mit dem Nimbus der Luxusmarke und unter dem Stern aus dieser Zusammenarbeit heraus den chinesischen Markt weiter zu erobern. Mit Verbrennern, versteht sich. Und das geht gut. Denn anders als es die Geschichten aus dem Reich der Mitte glauben machen wollen, fahren auch dort noch mehr Autos mit fossilen Brennstoffen als E-Mobile. Wer in den letzten Jahren durch Peking gefahren ist, wird das bestätigen.

So findet auch der Denza 500 in der chinesischen Zulassungsstatistik kaum statt. 80 Prozent der E-Autos in China sind Billigfahrzeuge mit wenig Reichweite und noch geringerer Qualität. Der Denza 500 sollte sich davon abheben und mit dem so begehrten Qualitätsstandard aus Stuttgart punkten. Leider machte genau dieses Verlangen den Wagen mit 40.000 Euro für die breite Masse unerschwinglich.

Der Weg nach Europa

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Der Tang EV600 wird vorerst nur als Elektroauto in Norwegen an den Start gehen.

(Foto: BYD)

Doch während Daimler BYD für seinen verschärften Einsatz in China benutzt, gehen die Chinesen still und heimlich nach Europa. Mit elektrisch angetriebenen Linien- und Reisebussen ist das Unternehmen seit einiger Zeit auf dem Kontinent aktiv. Im Pkw-Geschäft gibt es mit dem Elektro-Van e6 einen ersten Gehversuch. Der scheitert aber daran, dass die Lust auf Familienkutschen sich in die Lust auf SUV gewandelt hat und dass auch das Verlangen nach Elektroautos eher überschaubar ist. In China ist der e6 übrigens als Taxi ein Renner.

Nun will es das chinesische Unternehmen erneut versuchen. Noch in diesem Jahr soll, gesteuert durch die Europaabteilung in den Niederlanden, der zentrale Markteintritt erfolgen. Diesmal mit einem Elektro-SUV. Tang EV600 heiß das gute Stück, verfügt über zwei E-Motoren an beiden Achsen, die zusammen 490 PS leisten. Dank eines Akkupakets mit 82,8 kWh werden bis zu 520 Kilometer Reichweite garantiert. Keine Angaben macht BYD zur Zusammensetzung des Batteriepakets. Da aber die Rede davon ist, dass es sich an einer Schnellladestation innerhalb von 30 Minuten vollständig befüllen lässt, ist davon auszugehen, dass es sich um einen ähnlichen Energiespeicher wie im Denza 500 handelt.

Start in Norwegen

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Etwas anders als der 2.6 Ton Panel Van wird der Kastenwagen im Format eines VW T6 Transporters hoffentlich aussehen.

(Foto: BYD)

Die ersten Käufer für den EV600 wollen die Chinesen in Norwegen finden. "Norwegen ist in Europa der am meisten fortgeschrittene Markt, wenn es um das Thema Elektroauto und die Ladeinfrastruktur geht. Wir werden sehen, wie wir dort Fuß fassen", erklärt BYD-Europa-Chef Isbrand Ho. "Auf längere Sicht wollen wir den Verkauf von Pkw auch in europäischen Märkten außerhalb Norwegens in Angriff nehmen." Damit ist aber erst zu rechnen, wenn es eine Marktsichtung gegeben hat und sicher ist, dass eine geschlossene Ladeinfrastruktur das Interesse der Europäer an E-Autos beflügelt.

Dann sollen auch Nutzfahrzeuge mit E-Antrieb angeboten werden. So hat BYD zum Beispiel einen Kastenwagen im Format eines VW T6 Transporters in Aussicht gestellt. Zudem sind Lkw mit einem Gesamtgewicht von 7,5 und 19 Tonnen sowie ein emissionsfreier Traktor für die Landwirtschaft geplant. Allerdings gibt es hier noch keine konkreten Einstiegstermine. Wer jetzt aber glaubt, diese Fahrzeuge gäbe es nicht, der irrt. BYD ist für seine Expansion in Europa gerüstet.

Quelle: ntv.de