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Suzuki startet mit neuen Fünftürer Baleno testet die Kompakt-Maße aus

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An der Schwelle zum Kompaktsegment sucht der Suzuki Baleno neue Kunden.

(Foto: Textfabrik/Busse)

Wer sich dem Bau von Kleinwagen verschrieben hat, hat mitunter Probleme Größe zu zeigen. So geht es gerade Suzuki mit dem neuen Baleno. Fünf Millimeter Außenlänge trennen den Fünftürer von der Vier-Meter-Marke.

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Die Ladekante ist auffällig hoch, aber der Kofferraum erstaunlich geräumig.

(Foto: Textfabrik/Busse)

Wen ein Fahrzeug die Vier-Meter-Schwelle erreicht könnte man eigentlich schon von einem Kompaktwagen sprechen. Es ist genau das Spannungsfeld, auf dem der Suzuki Baleno seinen Erfolg sucht. Um ganze 13 Zentimeter überragt er den Swift, 10 Zentimeter fehlen ihm an der Länge der Classic-Variante des SX-4. Bei diesen Kalibern gilt mehr als bei anderen Segmenten, dass die Form der Funktion folgt. Vielseitig, praktisch und bei aller Bescheidenheit in den Maßen sollen diese Autos ordentlich Platz bieten. Oft ist, wenn dann extravagante und emotionale Formengebung ins Lastenheft geschrieben werden soll, die letzte Seite schon bedruckt.

Es hieße dem Baleno bitter Unrecht tun, ihn als Kandidaten für "Germanys next Flop-Model" anzusehen, aber der Gewinn von Schönheitswettbewerben hat augenscheinlich bislang nicht auf der Prioritätenliste von Suzuki-Designern gestanden. Und obwohl der neue Kleinwagen geglättet und gerundet ist, mit Weichzeichner geschniegelt und mit strenger Diät auf weniger als 900 Kilogramm herunter gehungert wurde, dürften wohl nur wenige Kunden des Aussehens wegen in spontaner Liebe entflammen.

Assistenz-Paket zum Schnäppchenpreis

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Das Cockpit ist nüchern, aber funktional.

Vielmehr ist es die pekuniäre Vernunft, die Frauen und Männer von anderen Marken weglocken könnte, beispielsweise von einem Ford Fiesta oder einem Opel Corsa, die zwar auch solide Autokost, aber keine solchen Preise wie Suzuki bieten können. Nicht einmal 13.790 Euro ruft der Hersteller für die Basisversion auf, die so Basis aber nun auch wieder nicht ist, als dass man auf eine Klimaanlage verzichten müsste. Für weniger als 15.000 Euro gibt es dieses Fahrzeug mit einem Assistenz-System, das eine radargestützte Kollisionswarn- und Notbrems-Funktion sowie einen adaptiven Abstandstempomaten umfasst. Solche Sicherheits-Einrichtungen sind längst nicht für alle Fahrzeuge lieferbar, mit denen der Baleno im Wettbewerb steht.

Als Antrieb stehen ein 1,2 Liter großer Vierzylinder oder ein Dreizylinder mit genau 999 Kubikzentimetern Hubraum zur Auswahl. Letzterer gehört zu Suzukis neuester Motorengeneration und ist technisch eng mit dem Vierzylinder verwandt, der seit dem vergangenen Jahr im Modell Vitara S angeboten wird. Ein Turbolader schaufelt Verbrennungsluft zu, so dass der Motor 111 PS von sich gibt und mit immerhin 170 Newtonmetern Drehmoment aufwarten kann. Das sind auf dem Papier keine berauschenden Werte, aber in der Realität weckt es Erstaunen, wie munter der kleine Fünftürer zu Werke geht. Nur allzu deutlich ist zu erkennen, wie nachhaltig der Faktor Gewicht das subjektive Fahrerlebnis beeinflusst. Drehfreudig entwickelt der Dreitöpfer seine Durchzugskraft, ohne dabei durch übertriebene akustische Belästigungen auf die Nerven zu gehen. Schon bei 1500 Umdrehungen kann der Motor neun Zehntel des erzielbaren Drehmoments aufbauen, so dass zügig der gefühlte Punkt zum Gangwechsel erreicht ist. Nur eines fehlt dem Motor, um alle Sympathiepunkte einzusammeln: Eine Start-Stopp-Automatik.

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Auch in der Seitenansicht ist der Suzuki Belano kein Ausbund an Dynamik.

Die Verwendung der Vokabel "sportlich" ist zwar für den Auftritt beim ersten Testlauf nicht unbedingt angebracht, jedoch liegt das weniger am Leistungswillen des Turbomotors als an der weitgehend gefühlsbefreiten Lenkung und der watte-gedämpften Wanderung des Schalthebels durch die Gangkulisse. Eine Fünfgang-Handschaltung ist dem Baleno von Hause aus mitgegeben, wer 1500 Euro extra investieren will, kann auch eine Automatik bekommen. Den mit dem Beinamen "Boosterjet" ausgestatteten Motor gibt es nur in Verbindung mit der Ausstattungslinie Comfort und als Handschalter kostet er 17.990 Euro. Eine abwechslungsreiche Teststrecke im Norden Spaniens absolvierte der Baleno mit zwei Insassen und Gepäck mit einem Verbrauch von 5,7 Litern je 100 Kilometer. Dieser Wert liegt 1,2 Liter über dem Prüfstand-Sollwert.

Gute Knie- und Kopffreiheit

Und es ist genau das Volumen, das die Kunden bekommen, die lieber vier Zylinder unter der Haube haben oder weniger bezahlen wollen. Der größere 1,2-Liter-Motor leistet jedoch nur 90 PS und bietet 120 Newtonmeter Drehmoment. Man darf also getrost davon ausgehen, dass der Sauger nicht ganz so spritzig ist und womöglich deutlich mehr als die Sollangabe verbraucht, da die natürlich beatmeten Motoren bekannt höhere Drehzahlen verlangen, um überhaupt so etwas wie Verve zu entwickeln.

Bis auf die Sitze, deren Seitenstabilität durchaus Optimierungspotenzial erkennen lässt, gibt es an der Innenausstattung wenig zu bemängeln. Im Gegenteil: Alles in funktionell, gut sichtbar und bedienungsfreundlich angebracht, auch die Gurte besitzen eine Höhenverstellung – was nicht einmal bei allen Kompaktwagen selbstverständlich ist, die sich für "Premium" halten. Knie- und Kopffreiheit im Fond haben durchaus Kompaktklasse-Niveau, was für eine kluge und praxisorientierte Raumaufteilung spricht. Wohl aus Gründen der Karosseriesteifigkeit musste die Ladekante so hoch werden, dass von einer bequemen Befüllung des Kofferraums nicht gesprochen werden kann: 80 Zentimeter. Dahinter folgt ein je nach Stellung des Zwischenbodens mindestens 18 Zentimeter tiefer Absatz. 355 Liter Grund- und 1085 Liter maximales Volumen gibt das Gepäckabteil her.

Suzuki ist zuversichtlich, dass der 4. Juni in Deutschland erhältliche Baleno seinen Weg durch den Kleinwagen-Dschungel machen wird. Das Paket ist gut geschnürt, die Vorbestellungen lassen eine zufrieden stellende Markt-Performance erwarten. Rund 3700 Exemplare will der Importeur dieses Jahr in Deutschland noch absetzen, mehr als drei Viertel davon dürften Privatkunden sein.

Quelle: ntv.de