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Kompakt und preisgünstig? Campingbus vs. Kastenwagen

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Kastenwagen oder Camper für die Urlaubsreise?

Der Urlaub auf vier Rädern boomt. Kompakte Reisemobile sind gefragt wie nie. Doch der Kunde hat die Qual der Wahl. Lieber einen Campingbus oder einen Kastenwagen. Beide Konzepte haben ihre Vor- und Nachteile.

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Der VW California steht für die kleinste Wohnmobil-Kategorie, den Campingbus.

Ob es allein die Freude am Campen ist oder die Spontanität bei der Wahl der Urlaubsziele, ob die Ungebundenheit, jederzeit die Reisepläne ändern zu können, die Nähe zur Natur oder vielleicht auch der Drang, Europa auf eigener Achse zu erkunden: Die Reiseform Caravaning boomt. Speziell bei den Reisemobilen bejubelt die Branche seit Jahren einen steten Wachstumskurs. Die Zulassungsdelle der Finanz- und Wirtschaftskrise ist mehr als glatt gebügelt. Auch 2015 gibt es einen Verkaufsrekord in Deutschland und die Absatzkurve zeigt steil nach oben.

Das heißt aber auch: Es kommen Woche für Woche eine Menge Neukunden hinzu, die sich erstmals den Traum vom eigenen Reisemobil erfüllen. Doch so einfach ist die Anschaffung eines Eigenheims auf vier Rädern nicht. Das Angebot an bewohnbaren Fahrzeugen ist riesig. Am Beispiel eines VW California und des Karmann Dexter Trend sollen an dieser Stelle die Vor- und Nachteile von zwei der fünf Reisemobil-Gattungen erläutert werden.

Der Wendige

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Das Schlafgemach in der unteren Etage des VW California ist mit 1,16 Meter Breite noch schmaler als das unter dem Aufstelldach.

Der VW California steht für die kleinste Wohnmobil-Kategorie, den Campingbus. Mit rund fünf Metern Länge bewegt er sich in den Dimensionen eines großen Pkw und zeigt sich vor allem mit seiner Höhe von 1,99 Metern anderen Reisemobil-Formaten überlegen. Denn damit sind bei einer Städtetour auch die allermeisten Tiefgaragen kein Tabu – sofern den Fahrer bei zwei Metern Einfahrtshöhe nicht der Mut verlässt.

Einsteiger werden zudem das unproblematische Fahrverhalten und den hohen Sicherheitsstandard mit vielen verfügbaren Assistenzsystemen schätzen. Allerdings müssen die in der Regel beim Erwerb eines solchen Mobil als teure Extras bezahlt werden. Das erste hier vorgestellte Modell ist der topmotorisierte California mit dem 204 PS starken 2,0-Liter-Dieselmotor ermöglicht mit bis zu 200 km/h ein flottes Reisetempo, will aber im Durchschnitt auch 8,5 bis 9,5 Litern Sprit je 100 Kilometer haben.

Eng oder gemütlich?

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Die zweite Reihe ist ebenso wie die beiden um 90 Grad gedrehten Frontsitze Bestandteil der Sitzgruppe.

Ist ein hübsches Übernachtungsplätzchen gefunden, wird - in der Ocean-Variante serienmäßig - per Knopfdruck das Aufstelldach hochgefahren. Dabei entsteht ein allerdings sehr enges Schlafgemach mit 1,20 Meter Breite und 2,03 Meter Länge. Bei Bedarf kann im Parterre die Mittelsitzbank noch zu einer weiteren Doppelbett, das mit 1,16 Meter Breite noch ein wenig enger ist, umgebaut werden. Ansonsten ist die zweite Reihe ebenso wie die beiden um 90 Grad gedrehten Frontsitze Bestandteil der Sitzgruppe.

Dass VW auf eine mehr als 60-jährige Erfahrung im Bau von Campingbussen zurückblicken kann und der seit 2004 in Eigenregie gebaute California ein Musterbeispiel in puncto Raumoptimierung darstellt, zeigt sich in den Details. So wird ein zusätzlicher, draußen nutzbarer Tisch während der Fahrt in der Verkleidung der seitlichen Schiebetür verstaut. Und zwei Campingstühle werden ebenso platzsparend in der großen Heckklappe deponiert.

Angenehmer Pkw-Komfort

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Ein zusätzlicher, draußen nutzbarer Tisch wird während der Fahrt in der Verkleidung der seitlichen Schiebetür verstaut.

Der VW-Camper garantiert mobiles Reisen mit angenehm leisem Pkw-Komfort und eignet sich wegen seiner hohen Alltagstauglichkeit durchaus auch als Erstfahrzeug im Haushalt. Er hat aber auch zwei große Nachteile. Erstens: Es besteht zwar die Möglichkeit, eine Außendusche an den 30-Liter-Frischwassertank anzuschließen, für einen separaten Waschraum mit Dusche und Chemie-Toilette mangelt es aber schlichtweg an Platz, weshalb auf der Urlaubsreise sicher Campingplätze oder mit sanitären Anlagen ausgestattete Stellplätze bevorzugte Ziele sein werden. Und zweitens: Das Fahrzeug ist geradezu sündhaft teuer. Die Top-Ausführung California Ocean mit 7-Gang-Direktschaltgetriebe (DSG) kostet als Edition-Sondermodell rund 75.000 Euro. Und das ist bei einer entsprechend langen Aufpreisliste noch längst nicht das Ende der Fahnenstange.

Die bescheidener bestückten Ausstattungslinien Beach (ab 42.120 Euro) und Coast (ab 51.277 Euro) sind allerdings auch keine Schnäppchen. Der Beliebtheit des Segment-Bestsellers schadet dies nicht. Im Gegenteil. Auch er bewegt sich auf Rekordkurs. Kunden müssen mittlerweile bis zu acht Monate auf ein Neufahrzeug warten.

Dass es auch wesentlich preisgünstiger geht, zeigt beispielsweise der bayrische Ausbau-Spezialist Poessl mit seinem für Anfang 2017 angekündigten Campster auf Citroen-Spacetourer-Basis ab 38.000 Euro. Das Modell könnte eine echte Alternative zum teuren VW werden.

Der Kastenwagen kann's auch

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Das sechs Meter lange Fahrzeug der Firma Karmann Mobil verfügt über einen klassischen Grundriss mit quer eingebautem Doppelbett im Heck.

Den Run auf kompakte Reisemobile verspüren auch die ähnlich konzipierten, ausgebauten Kastenwagen, die zusammen mit den Campingbussen die am schnellsten wachsende Bauart sind. Sie sind eine entscheidende Dimension größer als California und Co. und offerieren deshalb auch bei Außenlängen von 5,50 bis 6,40 Metern stets den Luxus einer Nasszelle mit fest installierter Cassetten-Toilette. Und ja, auch unser Karmann Dexter Trend 560 auf Basis eines nicht üppig, aber ausreichend motorisierten Ford Transit mit 130 PS. Allerdings liegt die Spitze hier lediglich bei 145 km/h.

Der Durchschnittsverbrauch liegt mit 11,2 l Diesel auf 100 km über dem des Campers. Natürlich kann man unterdessen auch mit einem Kastenwagen in Pkw-Manier über Landstraßen und Autobahnen fahren. Beim Manövrieren durch enge City-Sträßchen und beim Rangieren stößt die Alltagstauglichkeit, die diesem Fahrzeugtypus oft nachgesagt wird, freilich an ihre Grenzen. Eine Rückfahrkamera, wie sie ja derzeit in fast allen neuen Pkw-Formaten Einzug hält, wäre hier jedenfalls ein sinnvolles Investition.

Klassischer Grundriss

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Auch für die Naszelle ist im Kastenwagen Platz.

Das sechs Meter lange Fahrzeug der Firma Karmann Mobil, die einst Teil des Osnabrücker Karosseriebauers Wilhelm Karmann GmbH war, 2007 von dem Sprendlinger Reisemobil-Hersteller Eura-Mobil übernommen und in den vergangenen Jahren konsequent zu einer reinen Kastenwagen-Marke ausgebaut wurde, verfügt über einen klassischen Grundriss mit quer eingebautem Doppelbett im Heck. Vorn die Sitzgruppe mit den beiden gedrehten Frontsitzen, der Zweierbank und einem zusätzlichen Platz für eine fünfte Person. Dahinter auf der Fahrerseite die Nasszelle, gegenüber der Küchenblock mit Kühlschrank, Zwei-Flammenkocher und Waschbecken. Die Staumöglichkeiten reichen für zwei Personen voll und ganz aus.

Der über das Fußende des Betts ragende Kleiderschrank beengt etwas die Bewegungsfreiheit für den vorn Liegenden. Noch etwas enger wird’s, wenn oben drüber noch ein Kinderbettchen eingehängt wird – aber immerhin, die Möglichkeit besteht. Auch die Sitzgruppe kann bei Bedarf noch zu einem weiteren Einzelbett umgebaut werden.

Kostengünstig oder teuer

Das Mittelstück des hinteren Doppelbettes lässt sich hochklappen und bietet somit eine Unterbringungsmöglichkeit für sperrige Gegenstände während der Fahrt. Fahrräder transportiert man aber besser auf dem entsprechenden Träger, der auf der rechten Hecktür montiert ist, beim Öffnen und Schließen der rückwärtigen Portale aber leider störend die Türbreite überragt. Ein konstruktionsbedingtes Übel, das leider auch allen Ausbauten auf dem Fiat Ducato, der absoluten Nummer 1 unter den Reisemobil-Basisfahrzeugen, zu Eigen ist.

Der Karmann Dexter bietet also wie all seine Artgenossen schon spürbar mehr Wohnkomfort als ein Camper. Erst recht, wenn der längste von drei möglichen Radständen im Heck längs eingebaute Einzelbetten zulässt. Mit dem Raumgewinn lässt sich auch der ein oder andere Regentag leichter ertragen, und es müssen nicht ständig Sachen hin- und hergeräumt werden.
 
Preislich sind die Kastenwagen sicherlich am attraktivsten. Der Dexter Trend 560 kostet inklusive zwei 5-kg-Gasflaschen und je 100 Liter Frisch- und Abwassertank 42.590 Euro. Karmann Mobil, die Nummer 3 unter den Kastenwagen-Herstellern hinter Poessl und Knaus, zählt allerdings auch zu den preisgünstigen Anbietern. Ein Fahrzeug aus der hessischen Reisemobil-Manufaktur La Strada lässt sich leicht in Preisregionen um die 80.000 Euro aufrüsten, vor allem, wenn ein Mercedes Sprinter die Basis stellt.

Fazit: Die Campingbusse sind alltagstauglich und bieten eine komfortable Übernachtungsmöglichkeit. Das wirkliche Wohnen beginnt erst mit den größeren Kastenwagen, bei denen auch die Auswahl vielfältiger ist. Vor der Anschaffung der nicht gerade billigen Eigenheime auf vier Rädern könnte so oder so ein Urlaub auf Probe mit einem entsprechenden Mietfahrzeug sinnvoll sein. Zumal es ja auch noch die teil- und vollintegrierten Fahrzeuge sowie die Alkoven-Modelle gibt. Doch das ist eine andere Geschichte.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x