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Hinter den Kulissen Der VW Sharan und sein geheimes Facelift

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Mit der neuen Lackierung Crimson Red fährt das Sondermodell Beach des gelifteten VW Sharan vor.

(Foto: Holger Preiss)

Nach fünf Jahren liften die Wolfsburger den Sharan und nichts ist zu sehen? Ja und nein. Auf den ersten Blick hat sich tatsächlich kaum etwas geändert. Beim neuen Familien-Van von VW muss man tiefer blicken, um seinen wahren Charakter zu entdecken.

Den VW Sharan gibt es nun schon seit 20 Jahren. 1995 reihten sich die Wolfsburger mit ihm in die Phalanx der großen Familien-Vans ein. Vier Jahre vor einem Opel Zafira, aber fast elf Jahre nach dem Renault Espace. Während der Franzose mit seiner Neuauflage in Richtung Familien-SUV abschwenkte, ist sich der Sharan auch im Jahr 2015 treu geblieben. Und so verkehrt kann das nicht sein, wo sogar BMW mit seinem 2er Gran Tourer in dieses Segment vorgestoßen ist.

Bestseller im Reich der Mitte

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LED-Leuchten am Heck verändern die Rückseite des Sharan dezent.

(Foto: Holger Preiss)

Aber um den Bayern geht es nicht. Hier liegt der Fokus ganz auf dem Familienauto aus Wolfsburg, das eben nicht allein gegen den demografischen Trend der Einkindfamilie in Deutschland anfährt. Natürlich muss bedacht werden, dass Volkswagen den Sharan nicht nur hierzulande und in Europa verkauft. Vor allem in China macht der Van ein Drittel des Absatzes aus. Sei es tatsächlich als Familienauto oder eben als, ja auch das, Chauffeurs-Wagen. Seit seiner Markteinführung hat sich der Sharan weltweit immerhin 800.000 Mal verkauft.

Und da der Sharan in den letzten fünf Jahren mit insgesamt 200.000 Einheiten nicht schlecht abgesetzt wurde, hält man in Wolfsburg an den bekannten Linien fest. Da gibt es keine Experimente wie in Frankreich oder einen deutlich anderen Strich wie in Rüsselsheim. Nein: Beim Sharan gibt es lediglich eine markantere Lichtsignatur an der Front und LED-Leuchten am Heck. Hinzu kommen neue Leichtmetallfelgen und zwei neue Farben für die Außenhaut, die beim Neustart die Sondermodelle Ocean und Beach zieren. Das hört sich nicht nach viel an? Ist es auch nicht, denn die eigentlichen Veränderungen stecken wie so oft unter dem Blech.

In der Mitte liegt die Kraft

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Auch beim Interieur bleibt sich der Sharan nach fünf Jahren treu.

(Foto: Holger Preiss)

Und wo muss an dieser Stelle der Blick zuerst hingelenkt werden? Richtig, unter die Motorhaube. Da gibt es nämlich ausnahmslos neue Triebwerke. Fünf sind es an der Zahl, zwei Benziner und drei Diesel. Alle erfüllen selbstredend die Euro-6-Abgasnorm und sollen, nach den Aussagen der VW-Ingenieure 14,3 Prozent weniger verbrauchen als noch die Vorgänger-Aggregate. Ob das tatsächlich für alle Motoren zutrifft, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden. Aber für den wohl in Zukunft beliebtesten Diesel, den 2.0 Liter mit 150 PS, darf nach einer ersten Probefahrt schon ein kurzes Resümee gezogen werden.

Der Selbstzünder übernimmt im Sharan die Rolle des einstig 140 PS starken Motors und wird übrigens als Einziger auch mit Allrad angeboten. Verglichen mit dem Vorgänger und selbst mit dem ebenfalls neuen und 185 PS starken großen Bruder, gibt sich der Kleine, gekoppelt mit einer 6-Gang-Automatik wesentlich harmonischer im Ansprechverhalten. Die 340 Newtonmeter werden ohne große Aufregung an die Vorderräder weitergereicht und in 10,6 Sekunden ist die 100 km/h-Marke überwunden. Das alles geschieht bei einer angenehm unaufdringlichen Geräuschkulisse des Triebwerkes.

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Drei separate Sitze gibt es in der zweiten Reihe. Wer will kann weitere zwei im Kofferraum verstauen und bei Bedarf ausklappen.

(Foto: Holger Preiss)

Hier wird nicht unwillig geknurrt, sondern eher launig gebrummt. Aber wie gesagt, dezent im Hintergrund. In der Spitze reicht es für 198 km/h. Klar, da hat der 185-PS-Diesel anderes zu bieten. Da werden 40 Newtonmeter mehr auf die Achse gelegt und die Endgeschwindigkeit von 213 km/h ist ebenfalls nicht zu verachten. Allerdings sollte hier der Unterschied im Verbrauch in die Rechnung einbezogen werden. Das kleinere Aggregat konsumierte bei der Überlandfahrt 6,7 Liter, VW spricht im Datenblatt von 5,2 und der Große genehmigte sich statt der 5,3 Liter ordentliche 7,8 Liter.

Wem der Verbrauch egal ist und wer seine Familie sozusagen mit einem fliegenden Start in den Urlaub oder zu anderen Freizeitaktivitäten katapultieren will, der greift auf das Spitzen-Triebwerk zu, den 2.0-Liter TSI mit Turboaufladung. Der Benziner leistet 220 PS und beschleunigt die Fuhre aus dem Stand in 7,8 Sekunden auf Landstraßentempo. Die Nadel in den VW-typischen Rundinstrumenten, die insgesamt in ein pfiffiges Ambiente gebettet wurden, findet hier erst an der 225 ihre Ruhe. Der Verbrauch des serienmäßig an die 6-Gang-Automatik gekoppelten Familienflitzers, soll nach Datenblatt bei 7,1 Liter Super liegen.

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955 Liter Kofferraumvolumen sind nach wie vor eine Ansage im Sharan.

(Foto: Holger Preiss)

Wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass zum Diesel- und Benzinsparen auch die "Segelfunktion" beiträgt. Hier wird beim Gaswegnehmen der Motor abgekoppelt und ausgestellt und damit für einen Augenblick auf eine Null-Diät gesetzt. Das funktioniert leider nur, wenn das eben erwähnte DSG für stolze 2225 Euro mit an Bord ist. Neben dem Kraftprotz gibt es noch einen 110 PS starken Benziner und einen Diesel mit 115 PS, die beide ausschließlich mit 6-Gang-Handschalter zu bekommen sind. Beide Kandidaten dürfte aber bei 1,8 Tonnen Lebendgewicht des Sharan nur etwas für Leute sein, die bei jeder Fahrt den nötigen Langmut an den Tag legen.

App oder Navi?

Doch egal, für welche Motorisierung sich der Familienrat entscheidet, das Fahrwerk ist super und wer will, kann mit der adaptiven Fahrwerksregelung für zusätzliche 1150 Euro noch einen drauflegen. Hie kann man davon ausgehen, dass wenn Papa oder Mama über Kopfsteinpflasterwege pflügen, die Unebenheiten im Comfort-Modus so sanft ausgebügelt werden, dass die kleinen in der zweiten und womöglich dritten Reihe des Sharan nicht aus ihren Träumen geweckt werden und das ältere Semester nicht stöhnt, weil das Bild des Youtube-Videos wackelt. Ist der Familienvorstand dann allein unterwegs, darf gerne auch mal auf Sport gesetzt werden. Allerdings bleibt es hier auf Tastendruck bei der Fahrwerksmodifizierung. Lenkung und Gaskennlinie bleiben von den Modi unberührt. Das gilt auch, wenn sich der Renn-Vater von vornherein ein Sportfahrwerk für zusätzlich 315 Euro unter den dann 15 Millimeter tiefer liegenden Pampersbomber schmieden lässt.

Natürlich hat der neue Sharan auch in Punkto Sicherheitsausstattung zugelegt. Elektronische Helfer wie Spurhalte- und Toter-Winkel-Assistent sind für 985 Euro nun ebenso zu haben wie Abstandsradar mit Umfeldbeobachtung und City-Notbremsfunktion für 680 Euro. Da kann man dann auch gleich noch die 905 Euro für den Parkassistenten drauflegen. Dann schiebt sich der Sharan nämlich automatisch in alle passenden Parklücken, je nach Bedarf, quer oder längs hinein. Und noch etwas ist neu. Smartphone-Nutzer können sich über die jetzt mögliche Vernetzung des Sharan mit iPhone und Android nutzenden Mobilgeräten freuen.

Während das Handy über USB gekoppelt in der Mittelkonsole ruht, können die wichtigsten Funktionen auf dem farbigen TFT-Display mit Android Auto oder CarPlay gespiegelt werden. Dazu gehört natürlich auch Google Maps oder Karten von Apple. Ein Navi braucht es also nicht mehr, aber die Funktion App-Connect. Und die kostet 204 Euro. Zusammen mit dem Touchscreen, der sich in einer Radio-Kombination mit Lautsprechern, MP3-Wiedergabe und CD-Player für 325 Euro wiederfindet, kommt man letztlich auf fast die selbe Summe wie für die Kombi mit Navi. Die gibt’s nämlich für 555 Euro. Dafür kann man sich hier aber nicht die SMS vorlesen lassen, Daten übertragen oder Streaming-Dienste nutzen. Die Preispanne für den Einstieg in eine VW Sharan liegt im Übrigen zwischen 32.000 und 43.950 Euro. Bei entsprechender Ausstattung ist der Weg nach oben natürlich offen.

Quelle: ntv.de

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