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Nachgeschärfte Studie Eine Runde mit dem Skoda Vision E

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Die Front des Vision E war vielen Betrachtern zu bieder. Deshalb hat Skoda hier nachgeschärft.

(Foto: Michael Gebhardt)

Auf der Autoschau in Shanghai konnte Skoda mit dem Vision E das Publikum noch nicht überzeugen. Vor der IAA haben die Tschechen das Konzeptauto nachgeschärft und sogar zu einer ersten Proberunde eingeladen.

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Echtes eingeschliffenes Glas für die Heckleuchten wird es für das Serienmodell des Skoda Vision E nicht geben.

(Foto: Michael Gebhardt)

Gleich im Dreierpack hatte der Volkswagen-Konzern auf der diesjährigen Autoschau in Shanghai im Frühjahr seine Elektro-Visionen gezeigt: Am VW-Stand debütierte der I.D. Crozz, bei Audi der E-Tron Sportback und Skoda enthüllte den Vision E. Für die IAA in Frankfurt haben die Tschechen den Ausblick auf ihr erstes Elektro-Auto, das wohl 2019 für rund dreißig- bis vierzigtausend Euro auf den Markt kommen wird, nochmal überarbeitet. Doch bevor die Studie für ihr Europa-Debüt an den Main verschifft wird, durfte ein ausgewählter Kreis von Autojournalisten an der Moldau noch eine Runde damit drehen.

Der Begriff Runde trifft es dabei recht gut, denn weiter als ein paar Mal in einer Messehalle im Kreis ging die erste Testfahrt nicht. Zu groß sitzt bei Skoda die Angst, dass beim lautlosen Stromern auf öffentlichen Straßen Regen oder andere Verkehrsteilnehmer dem Vision E Schaden könnten. Schließlich gibt es aktuell nur dieses eine von Hand zusammengebaute Exemplar des blassgoldfarbenen Concept Cars.

Markanteres Gesicht

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Die vier Einzelsitze im Skoda Vision E scheinen zu schweben.

Den Transport von Shanghai nach Prag hatte die Studie zwar unbeschadet überstanden, doch Designer Marko Jevtic musste trotzdem nochmal Hand anlegen – schließlich waren die Reaktionen auf das in China vorgestellte Auto eher durchwachsen. "Wir haben dem Vision E jetzt ein etwas markanteres Gesicht geben und den vorher nur angedeuteten Kühlergrill etwas stärker ausgearbeitet", erklärt Jevtic. Die Kunden seien nun mal seit über einhundert Jahren daran gewöhnt, dass das Auto vorne einen Lufteinlass hat, so der Kreative. Statt eines radikalen Schnitts gibt es in Frankfurt jetzt also erstmal das "Elektroauto 1.0", wie es Jevtic nennt.

Wirklich notwendig ist die Kühlluft für die Vision E allerdings nicht. Den Antrieb des 4,67 Meter langen Crossovers übernehmen zwei E-Motoren mit einer Systemleistung von 306 PS, die an alle vier Räder abgegeben wird. Auch wenn bei der ersten Erprobungsrunde nur Geschwindigkeiten um die 20 km/h erreicht wurden, verspricht Skoda eine Vmax von Tempo 180 – und 500 Kilometer Reichweite für die Zukunft. Aufgeladen – so sieht es die Vision von Skoda vor - werden die Akkus in der Serie per Induktion, damit entfällt das lästige an- und abstöpseln das Kabels.

Echt-Glas nur im Interieur?

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Auch den Kofferraum wird es in dieser Form bei einem Serienauto nicht geben.

Während sich die Techniker aber mit weiteren Details zurückhalten, zeigt sich Jevtic gesprächig. Besonders stolz ist der Designer auf die Kristall-Einsätze: Scheinwerfer, Rückleuchten, die Bänder unterhalb des Kühlers und in den gegenläufigen Türen sowie zahlreiche Elemente im Innenraum wurden von der tschechischen Firma Lasvit aus filigran geschliffenem Glas gefertigt – und sind dementsprechend schwer. Allein die Leuchtstreifen an den Flanken wiegen mehrere Kilogramm, was die Chancen auf Serienfertigung gegen Null tendieren lässt. Obgleich der Vision E in ein paar Jahren wahrscheinlich auch in einem SUV-Gewand an den Start gehen wird. Die Glasteile sind einfach zu teuer und zu empfindlich. Nachbildungen aus Acryl seien aber durchaus machbar, so Jevtic, und vielleicht findet sich irgendwann mal das ein oder andere Highlight aus Echt-Glas im Interieur.

Vorerst aber muss die Digitalabteilung für die Hingucker im Innenraum sorgen: Vor Fahrer und Beifahrer erstreckt sich ein riesiger Bildschirm mit Kombiinstrument und einer extra Anzeige für den Copiloten. Zusätzlich thront ein weiteres Display davor auf der Mittelkonsole. Ansonsten ist der großzügig geschnittene Vision E aufgeräumt: Tasten gibt es im Armaturenbrett kaum, gesteuert wird das System über einen zusätzlichen Touchscreen und ein paar wenige Schalter von der Mittelarmlehne aus. In allen vier Türen hat Skoda außerdem eine Phone-Box integriert: Die Passagiere können ihre Telefone darüber während der Fahrt kabellos laden und das Smartphone wird direkt mit dem Vision E gekoppelt.

Lenkrad wirkt fast fehl am Platz

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Das Lenkrad wirkt in dieser futuristischen Kulisse fast deplatziert.

(Foto: Michael Gebhardt)

Persönliche Daten und Informationen des Handys können so problemlos auf den individuellen Displays abgerufen werden – auch in der zweiten Reihe, denn für die beiden Fondgäste haben die Tschechen jeweils einen eigenen Touchscreen vorgesehen. Wie in der ersten Reihe, sitzt man auch hinten auf filigranen Sitzen, die den luftigen Eindruck unterstreichen. Die vier dünnen, bequemen Einzelschalen sind drehbar und scheinen förmlich im Raum zu schweben. Erstaunlich ist, dass das abgeflachte Lenkrad in dieser futuristischen Atmosphäre fast schon fehl am Platz wirkt.

Auf das Volant verzichten kann der Vision E allerdings noch nicht. Zwar gibt das Showar Ausblick auf ein teilautonom fahrendes Auto, doch über Level 3 reichen die Fahrkünste bislang nicht hinaus. Das heißt: Auf der Autobahn kann der Skoda das Steuer übernehmen, ansonsten ist aber nach wie vor der Fahrer gefragt. Außer beim Einparken: Mit dem Car Park Autopilot soll der Vision selbsttätig Parklücken aufspüren und diese ansteuern. Und auch bei einem medizinischen Notfall übernimmt die Technik das Steuer. Der Skoda hat nicht nur Fitness und Müdigkeit des Fahrers im Blick, sondern überwacht mit dem Heart Rate Monitor auch kontinuierlich die Herzfrequenz. Erkennt das System dabei gesundheitliche Probleme, wird der Vision E selbsttätig abgebremst. Eine Funktion, die wie der Airbag am besten nie zum Einsatz kommen muss.

Quelle: n-tv.de, Michael Gebhardt, sp-x