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Mehr Auto für kühle Rechner Fiat Tipo - Kompakter zum Kampfpreis?

Wenn Hersteller mit Schonpreisen für ihre Fahrzeuge an den Start gehen, hat der Käufer meist die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Fiat steht mit dem Tipo in den Startlöchern und bietet ein solches Fahrzeug an. Geht die Rechnung auf?

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Mit 440 und 550 Liter Kofferraumvolumen stehen die Tipo-Modelle im Segment weit vorne.

Mit dem Tipo meldet sich Fiat nach mehr als 15 Jahren im Segment der Kompaktwagen zurück. Der Name knüpft an eine Baureihe an, die die Italiener von Ende der 1980er- bis Mitte der 1990er-Jahre unter dem gleichen Namen im Programm hatten. Der Fiat Tipo wurde 1989 sogar zum Auto des Jahres gewählt. Seit dem Auslaufen des hierzulande zuletzt wenig erfolgreichen Bravo und Brava war Fiat im wichtigen Kompakt-Segment nicht mehr vertreten.

Auf dem diesjährigen Genfer Automobilsalon zeigen die Italiener mit der Schrägheckvariante, die im Juni startet, und dem Kombi, der im September zu den Händlern rollen soll, gleich zwei Karosserievarianten, die für den deutschen Markt besonders interessant sind. Auch aufgrund der zu erwartenden Preise. Tatsächlich ist der Tipo mit fünf Türen und großer Heckklappe bereits ab 14.990 Euro zu haben. Dafür gibt es zwar nur die Standardausrüstung, aber bereits die kann sich sehen lassen.

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Die Außenhaut des Fiat Tipo kann sich sehen lassen.

(Foto: Holger Preiss)

Für das Geld stünde in Zukunft vor der Tür des Käufers ein wirklich schicker, 95 PS starker 1,4-Liter-Benziner mit Klimaanlage, Radio (MP3, USB), Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrisch verstellbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterhebern vorn, längs- und höhenverstellbarem Lenkrad, höhenverstellbarem Fahrersitz und sechs Airbags. Die Tipo Limousine kostet so ausgestattet sogar nur 13.990 Euro und soll in einer Einführungsaktion zum Start hierzulande sogar ab 11.990 Euro zu haben sein. Der Kombi, der im September auf den Markt kommt, dürfte dann nicht mehr als 15.990 Euro kosten. Ob der Sauger mit 16 Ventilen denn die richtige Motorisierung ist, besprechen wir gleich.

Ein Auto nicht nur für kühle Rechner

Wer scharf rechnet und auf die teuren Extras wie Ledersitze, Navigationssystem, adaptiven Tempomat oder City-Notbremsassistent verzichtet, bekommt mit dem Tipo in jedem Fall ein Auto, das sich sehen und fahren lassen kann. Auf 4,37 Metern Länge bringt der Fünftürer 440 Liter im Kofferraum unter, im 20 Zentimeter längeren Kombi sind es 550 Liter - im Klassenvergleich sehr gute Werte. Während das Gepäck in den Hatchback über eine nicht zu unterschätzende Kante gehievt werden muss, glänzt der Kombi dank eines doppelten Ladebodens mit einer ebenen Fläche, die sich auf eine Länge von 1,80 Meter erstreckt, wenn die Rücklehne der Bank im Fond umgelegt wird. Zu den sinnvollen Features gehört hier auch, dass der Ladeboden beim Öffnen einhakt, so dass das Transportgut mit beiden Händen entfernt oder hinzugefügt werden kann. Auch dass die Kofferraumabdeckung in zwei Stufen nach hinten rutscht, darf als angenehmes Goodie angesehen werden.

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In der zweiten Reihe ist mehr Platz als in vielen Modellen der Konkurrenz.

(Foto: Holger Preiss)

Im Innenraum verwöhnt der Fiat die Insassen vor allem mit komfortabler Bein- und Kopffreiheit auch für Großgewachsene. Letztere profitieren von dem relativ gradlinigen Zuschnitt der Dachlinie. Die Designer haben nämlich der Versuchung widerstanden, sie nach hinten stark abfallen zu lassen. Auch das Besteigen des Fonds wird durch Türen, die in einem Winkel von 80 Grad öffnen, zum Kinderspiel.

Widerstanden hat man auch jeglichem Tand im Fahrzeug. Das macht sich auch bei der Materialwahl des Interieurs bemerkbar. Die Armatur ist mit geschäumter Plastik überzogen, wobei ab der Mitte Hartplastik zum Einsatz kommt, die in ihrer Oberflächenstruktur aber kaum zu unterscheiden ist und ihr Wesen erst enttarnt, wenn man die Finger darübergleiten lässt. Das mag dem einen sauer aufstoßen, passt aber durchaus ins Gesamtkonzept.

"Skills No Frills"

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Die Optik mit aufgesetztem 7-Zoll-Touchscreen bietet nur die höchste Ausstattungsvariante Lounge.

(Foto: Holger Preiss)

Was den Tipo in jedem Fall auszeichnet, ist seine Praktikabilität. Das Motto für die Ingenieure lautete "Skills No Frills". Und so ist der Tipo mit einigen Extras gesegnet worden, die bei einer anderen Marke unter "Simply Clever" firmieren würden. So sind zum Beispiel Verzurrösen im Kofferraum bereits in der untersten Ausstattung Pop Serie. Neun Ablagerächer mit einem Volumen von 12 Litern sorgen für Ordnung an Bord, wobei die Mitnahme von größeren Flaschen in den Seitentaschen nicht vorgesehen ist. Was wiederum nicht so clever ist. Kleinkram kann aber vorn wie hinten prima verstaut werden.

Für den Vortrieb sorgt im Einstiegsmodell der schon erwähnte 1.4 16V Saugbenziner mit 95 PS. Allerdings ist das Triebwerk mit seinen zwei obenliegenden Nockenwellen und 16 Ventilen nicht mehr ganz zeitgemäß. Zumal die 127 Newtonmeter Drehmoment nicht nach ausuferndem Fahrspaß schreien. Besser ist dann schon der T-Jet, der seine 120 PS dank Turbo aus dem gleichen Hubraum schöpft und ordentliche 215 Newtonmeter ab 2500 Touren auf die Antriebsräder drückt. Wer hektisch aufs Gad tappt, mag hier ein Turboloch erahnen, im Zusammenspiel mit der angenehm leichtgängigen und präzisen manuellen Sechsgangschaltung macht der Italiener seine Sache aber wirklich gut. Auch der Verbrauch auf der ersten Testfahrt kann sich mit 7,4 Litern sehen lassen.

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Charakteristisch für den Fiat Tipo sind seine bumerangförmigen Rückleuchten.

(Foto: Holger Preiss)

Mehr Druck bei subjektiv empfundener gleicher Geräuschkulisse macht der 1,6 Liter MultiJet. Der Turbo-Diesel leistet ebenfalls 120 PS, generiert aber bereits bei 1750 Umdrehungen ein maximales Drehmoment von 320 Newtonmeter. Damit geht der Selbstzünder nicht nur kraftvoller voran, insgesamt scheint auch das Zusammenspiel aller Komponenten um Motor und Getriebe noch besser zu harmonieren als beim Benziner. Den Durchschnittsverbrauch gibt Fiat mit 3,7 Liter an, auf der Uhr standen nach dem ersten Testlauf in einem Fünftürer 5,4 Liter, was sehr ordentlich ist. Für den CO2-Ausstoß gibt das Datenblatt 98 Gramm pro Kilometer an. Das lassen wir - mit Blick auf den KBA-Bericht zu den Dieselsündern - einfach mal so stehen.

Keine Finessen, aber solide

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Verzurrösen und doppelter Ladeboden mit 40-Grad-Arettierung sind im Fiat Tipo Kombi Serie.

(Foto: Holger Preiss)

Doch zurück zum Fahrspaß. Was auf der ersten Proberunde ebenfalls positiv überraschte, war das Fahrwerk. Nicht, dass die Einzelradaufhängung nach McPherson an der Vorderachse etwas Besonderes wäre. Auch die Verbundlenkerachse hinten gehört nicht zu den technischen Finessen im Autobau. In der Abstimmung aber leisten beide Komponenten ausgezeichnete Arbeit. Der Tipo ist, egal mit welcher Motorisierung man unterwegs ist, angenehm straff abgestimmt, ohne bei größeren Bodenwellen unangenehm hart zu wirken. Hinzu kommt eine angenehm direkt arbeitende Lenkung, mit der der Pilot den Italiener auch mal flott um die Ecke steuern kann.

In der Summe aller seiner Komponenten ist der Fiat Tipo, einschließlich des Preises, ein durchaus empfehlenswertes Auto geworden. Die Hülle ist zeitgemäß schick, ja vielleicht muss man hier wirklich wieder anfangen von DEM italienischen Design zu sprechen. Die Motoren sind mit vorerst vier Triebwerken und einem Leistungsband bei Benzinern und Dieseln von 95 bis 120 PS durchaus ausreichend. Die Optionsliste ist überschaubar, weil in den Ausstattungsvarianten bereits die wesentlichen Features enthalten sind, und die Preispolitik ist fair. Jede Erweiterung, sei es bei den Motoren oder den Ausstattungslinien, wird mit etwa 1000 Euro mehr berechnet.

Wer also von der Limousine mit dem 95 PS Benziner für einen Einstiegspreis von 13.990 Euro auf den 1,4 Liter T-Jet in der höchsten Ausstattung Lounge upgradet, zahlt am Ende 18.190 Euro. Für den teuersten Diesel werden mit 120 PS dann 20.190 Euro fällig. Wobei sich dieses Rechenbeispiel auf den Fünftürer bezieht. An Bord sind dann aber auch 16 Zoll Leichtmetallräder, eine Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Tempomat, Nebelscheinwerfer mit Abbiegefunktion und das Entertainmentsystem Uconnect mit sieben Zoll großem Touchscreen.

Quelle: ntv.de