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Mehr Gewicht, mehr Umweltbelastung Naturschützer: Autos sollen abspecken

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SUVs werden bei den Deutschen immer beliebter. Hier ein Foto von dem Hyundai Tucson.

(Foto: AP)

Die Deutschen wollen mehr Komfort und deswegen werden Autos in ihrer Ausstattung immer üppiger. Umweltschützer bemängeln jedoch, dass dadurch auch der Schadstoffausstoß zunimmt. Stimmt das?

Am Auto scheiden sich die Geister: Für die einen haben die Modelle deutscher Hersteller unnötigen "Speck" angesetzt, die anderen sprechen von "Premium-Ausstattung". Welche Modelle sind wirklich zu groß und zu schwer und belasten damit unnötig das Weltklima? Vor der weltgrößten Automesse IAA (17.-27. September) setzen Umweltschützer die Frage wieder auf die Agenda. Die Hersteller jedoch wehren ab: "Ein Auto muss auch sexy sein."

Welche Autos kaufen die Deutschen?

Drei Millionen Autos werden pro Jahr neu zugelassen. Im ersten Halbjahr 2015 zählte jeder vierte zur Kompaktklasse, der Golf-Liga. Jede siebte Neuzulassung zählte das Kraftfahrtbundesamt in der Mittelklasse, wo etwa der Mazda 6 und die C-Klasse von Mercedes beheimatet sind. Besonders große Wachstumsraten gab es zuletzt bei Sport Utility Vehicles (SUV), einem Geländewagen-Limousine-Mix.

Was haben Umweltschützer an der Modellpalette auszusetzen?

Die Autos sind ihnen zu groß geraten. "Sie setzen immer mehr Speck an und sollen gleichzeitig immer sportlicher bewegt werden", kritisiert Jens Hilgenberg, der Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Zum Beispiel der VW Golf: 1978 wog er 805 Kilogramm, heute seien es 1375. Um dieses Gewicht über 100 Kilometer zu bewegen, seien 5,4 Liter Benzin nötig, heißt es in der Studie, die der BUND mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) nun vorlegte. Bei 800 Kilogramm Gewicht wären es mit heutiger Technik gut zwei Liter weniger.

Warum sind deutsche Autos für das Weltklima so entscheidend?

Jedes fünfte Auto gelangt aus Fabriken deutscher Konzerne auf den Weltmarkt, rechnet Studienautor Eckard Helmers vor. Damit bestimmten die Deutschen, welche Autos Menschen auf der ganzen Welt fahren. Sie brächten aber am liebsten schwere und komplexe Wagen auf den Markt - weil sich damit am meisten verdienen lasse. Für Spritspartechniken oder alternative Antriebe verlangten sie anders als etwa Japaner zu hohe Preise. Im sogenannten Premiumsegment beherrschen die Deutschen nach eigenen Angaben 80 Prozent des Weltmarktes.

Warum kommt Elektro nicht aus den Startlöchern?

Elektro kommt voran, aber viel langsamer als erhofft. Zu Jahresbeginn waren 19.000 reine Elektroautos zugelassen, geplant hatte die Bundesregierung mit der fünffachen Menge. Ihr 2020er-Ziel von einer Millionen E-Autos auf deutschen Straßen nannte Daimler-Chef Dieter Zetsche kürzlich unerreichbar und forderte Steuervergünstigungen. E-Autos zu bauen, sei immer noch deutlich teurer und bringe den Autobauern bisher keine Gewinne. Der Autoexperte Stefan Bratzel sprach unlängst vom "R.I.P."-Problem. Solange Reichweite, Infrastruktur und Preis nicht besser würden, ruhe die E-Mobilität in Frieden.

Quelle: n-tv.de, Burkhard Fraune, dpa