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Innovationen gibt's etwas später Nissan hat den Qashqai verschärft

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Mit frischer Optik fährt der Nissan Qashqai ab August bei den Händlern vor. Die echten Innovationen gibt es aber erst im kommenden Jahr.

Einst erfand Nissan mit dem Qashqai das Segment der Crossover. Heute müssen sich die Japaner einer ganzen Reihe von Konkurrenten stellen. Zeit also, dem Bestseller eine Frischzellenkur zu verpassen. Doch noch sind nicht alle Features verfügbar.

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Einst war der Nissan Qashqai in seinem Segment allein, jetzt hat er sich einer ganzen Armee an Konkurrenten zu erwehren.

Mit dem Qashqai hatte Nissan vor gut zehn Jahren das Segment des Crossovers begründet. Seit dieser Zeit haben sich etliche Hersteller mit ihren Fahrzeugen an gleicher Stelle platziert und der Qashqai muss sich gegen eine ganze Armada von Gleichgesinnten zur Wehr setzen. Dass das nicht einfach ist, beweist der Umstand, dass der vor fünf Jahren meistverkaufte Crossover inzwischen das Feld für die Konkurrenz räumen musste. Das ist zwar nur eine Momentaufnahme, denn europaweit verkauft sich der Wagen immer noch wie geschnitten Brot, verlangt aber mit Blick auf die Konkurrenz mittlerweile auch nach einer Auffrischung.

Trick aus der Luftfahrt

Die hat Nissan seinem Bestseller jetzt in feinen Zügen an der Außenhaut angedeihen lassen. Dazu gehört ein neuer Kühlergrill ebenso wie gestreckte Nebelscheinwerfer und eine verschärfte Lichtgrafik in Bumerang-Optik für das Tagfahrlicht an der Front. Apropos Licht: In Verbindung mit den LED-Scheinwerfern kommt erstmals ein adaptives Lichtsystem mit dynamischem Kurvenlicht zum Einsatz. Auch die Motorhaube des Quashqai hat einen neuen Zug erhalten. Am Heck geben nunmehr zwei mattsilberne Einsätze in der unteren Schürze des neuen Stoßfängers den angedeuteten Unterfahrschutz. Die Rückleuchten sind deutlich dunkler als beim Vorgänger und nehmen das Bumerang-Motiv aus der Front wieder auf.

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Die Heckleuchten des Qashqai sind schärfer gezeichnet und etwas dunkler.

In Summe haben die Verschönerungen zu einer Verschlechterung der Aerodynamik geführt. Um die wieder in den Griff zu bekommen, haben die Japaner einen Trick aus der Luftfahrt angewandt: Mit sogenannten Vortex-Generatoren an der Unterseite des vorderen Stoßfängers können die Luftströme durch erhabene Bereiche so geleitet werden, dass der Luftwiderstandswert stimmt und auch die Geräuschkulisse minimiert wird. Nissan spricht hier von "Premium Dynamism".

Ein Hauch von Premium

Dynamischer als der Vorgänger wirkt der Quashqai auf jeden Fall. Wenn man Premium sucht, muss man sich schon in den Innenraum begeben. Hier fällt als Erstes das neue Lenkrad auf, das auch im überarbeiteten X-Trail und im Micra zum Einsatz kommt. Unten sportlich abfgeflacht erleichtert es den Einstieg, liegt aber auch deutlich besser in den Händen. Zudem wurde der Lenkradtopf kleiner und die drei Speichen schmaler, was den Blick auf die Instrumententafel deutlich verbessert. Die Druckpunkte der Vier-Wege-Tasten sind angenehm und die Funktionsbelegung ist intuitiv. Wer Neuerungen bei der Multimediaeinheit sucht, wird sie nur in Form der Icons finden, die jetzt die Menüführung vereinfachen sollen. Die Einheit selbst und ihre Umgebung hat sich nicht verändert

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Mit überarbeiteter Lenkung fährt sich der Nissan Qashqai recht leichtfüßig.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Zum neuen "Luxus" im Innenraum gehören auch die neuen Lüftungsdüsen und Türgriffe, Ziernähte in der Mittelarmlehne, ein dunkler Dachhimmel und die Ledermanschette am Gangwahlhebel. Ebenfalls zum neuen Komfort gehören ab der Ausstattungslinie N-Connect Vordersitze im sogenannten Monoform-Design. Das an sportliche Integralsitze angelehnte Gestühl soll mit einer höheren, aber schmalen Rückenlehne für besseren Sitzkomfort und eine gute Sicht der Fondpassagiere nach vorne sorgen.

Neues Fahrgefühl im Monoform-Sitz

Allerdings muss angemerkt werden, dass die hohen Seitenwangen dynamisch aussehen, aber wenig Halt bei Seitenneigung bieten und auch die etwas weiche Bespannung im Lendenwirbelbereich nicht jedermanns Sache sein dürfte. Wem eine sportliche Optik reicht und wer eher gemütlich reist, der wird hingegen seine Freude an den Polstern haben. Familien, die Kleinkinder im Quashqai befördern, dürfte freuen, dass auch die Rückseite der Monoform-Sitze überarbeitet wurde. Die besteht jetzt aus kratzfestem Kunststoff. Dadurch, dass die Sitze insgesamt flacher sind, hat nicht nur der Nachwuchs mehr Beinfreiheit in der zweiten Reihe. Das Platzangebot im Kofferraum bleibt mit 430 Litern zum Vorgänger identisch. Ebenso die 1585 Liter bei komplett umgelegter Rücksitzlehne.

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Die Motoren im Nissan Qashqai sind aus den Vorgängermodellen bekannt.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Für den Vortrieb sorgen im überarbeiteten Nissan die bekannten Motoren. Die Dieselpalette startet mit dem 1,5-Liter-Triebwerk, das 110 PS leistet und eher etwas für Sparfüchse denn für Dynamiker ist. Darüber rangiert der 1,6-Liter-Selbstzünder, der 130 PS zur Verfügung stellt. Auch der ist kein Sportfreund, schiebt aber mit 320 Newtonmetern die etwa 1,5 Tonne schon deutlich fröhlicher über Autobahnen und Landstraßen. Das Einstiegstriebwerk bildet der 1,2-Liter-Benziner mit 115 PS. Mit einem manuellen Sechsganggetriebe werden hier 20.495 Euro für den Quashqai aufgerufen. Wer die sechsstufige Xtronic oder Allrad haben möchte, muss selbstredend tiefer in die Tasche greifen. Für die Topmotorisierung, die der 1,6-Liter-Benziner mit 163 PS bildet und der seine Kraft ausschließlich über sechs handgeschaltete Stufen verteilt, verlangt Nissan knapp 27.000 Euro.

Assistenten-Offensive erst 2018

Richtig ins Geld geht es, wenn der Kunde sich für die neu eingeführte Ausstattungslinie Tekna + entscheidet. Mit ihr wollen die Japaner den Quashqai ein wenig in Richtung Premium schieben. Ab 32.000 Euro gibt es dann zum Beispiel auch ein Bose-Soundsystem mit acht Lautsprechern. Darunter zwei Subwoofer in einem 7,7-Liter-Gehäuse, das in der Reserveradmulde untergebracht ist und für ordentlich Druck sorgt. Ebenfalls zur Premium-Ausstattung beim Tekna + gehört der ProPilot. Leider war Nissan bei der Präsentation des neuen Qashqai nicht in der Lage, das System, das laut Marketingchef Ryan Gains "ein erster Schritt zum autonomen Fahren der Marke ist", zu präsentieren.

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Neue Polster gibt es im neuen Qashqai auf Wunsch, ausreichend Platz ist in allen Ausstattungsvarianten da.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Erst ab Frühjahr 2018 werden also ein adaptiver Spurhalteassistent, eine intelligente Geschwindigkeitsregelanlage und ein Staupilot verfügbar sein. Versprochen ist für das System eine intuitive Bedienung über das Lenkrad und eine Darstellung der Funktionen in der Matrix zwischen den Rundinstrumenten. Für die Zukunft verspricht Nissan seinen Quashqai-Käufern dann auch eine Querverkehrswarner. Und auf noch etwas müssen Nissan-Kunden auch in Zukunft verzichten: die Smartphoneanbindung über Apple Carplay oder Google Auto. Wann dieses Feature, das fast schon zum guten Ton zählt, Einzug halten wird, konnten die Verantwortlichen noch nicht sagen. Nur, dass man daran arbeitet.

Nicht warten müssen Qashqai-Fahrer auf den erweiterten Notbrems-Assistenten, der jetzt auch Fußgänger erkennt und bei Gefahren für diese in die Eisen steigt. Zudem ist die Auto-Hold-Funktion neu im Crossover. Das System erlaubt es dem Fahrer, bei abschüssiger Fahrbahn den Fuß von der Bremse zu nehmen. Die Bremsen halten dann den Wagen bis zu drei Minuten fest, was vor allem an Ampeln sehr hilfreich sein kann. Neu ist das Feature nicht und bei anderen Herstellern schon länger zu finden. Zu den weiteren verfügbaren Assistenten im Qashqai gehören die Verkehrszeichenerkennung, ein Müdigkeitswarner, ein Einparkassistent, ein Spurhalte-Warner und die schon bekannte 360 Grad-Kamera, die in einigen Situationen gerne etwas schärfere Bilder auf den ebenfalls unveränderten, 7 Zoll großem Monitor projizieren dürfte. Für die allgemeine Sicherheit arbeitet jetzt auch der Totwinkel-Assistent mit Radartechnik anstelle von Kamerabildern und kann damit einen größeren Winkel abdecken.

Gute Dämmung und feines Fahrwerk

Wirklich gute Arbeit haben die Ingenieure bei der Überarbeitung des Fahrwerks geleistet. Beim schnellen Kurvenlauf neigt sich der Qashqai gutmütig, niemals übermütig in die Kurve. Er vermittelt auch durch eine verbesserte und deutlich direktere Lenkung das Gefühl der stetigen Beherrschberkeit. Die neue Dämpferabstimmung reduziert wiederum die Federraten und modifizierte Gummikomponenten tragen dazu bei, weil er weder über- noch untersteuert, sich vielmehr trotz spürbarer Seitenneigung neutral verhält. Auch die Gemeinheiten der Straße, die in Form von Schlaglöchern auf die Insassen lauern, verstehen Fahrwerk und Federung weit weg zu halten. Das Gleiche gilt für die Fahrgeräusche. Dank verbesserter Dämmung, optimierten Dichtungen an der vorderen Türen und dickeren Scheiben in den hinteren Türen werden auch die von den Insassen ferngehalten.

Alles in allem ist der Qashqai schicker, solider und in Details auch komfortabler geworden. Nach wie vor fährt er sich unaufgeregt und fordert dem Fahrer nicht viel ab. Das ist gut. Noch schöner wäre es natürlich, wenn die vielen kleinen elektronischen Helfer nicht erst im Frühjahr 2018 verfügbar wären, sondern bereits mit dem Markstart im August zu ordern wären. Denn der Japaner tritt unter anderen gegen Konkurrenten wie den Skoda Karoq oder Seat Ateca an, die auf Wunsch das Vollprogramm bis hin zu einem digitalen Tacho anbieten.

Quelle: ntv.de