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Mit dem Breitbaukit von Abt steht der SQ5 extrem satt auf der Straße.
Mit dem Breitbaukit von Abt steht der SQ5 extrem satt auf der Straße.(Foto: Holger Preiss)
Sonntag, 27. Mai 2018

Mehr Pferde und Breitbau: Abt SQ5 - das dicke Ende kommt echt stark

Von Holger Preiss

Den Audi SQ5 gibt es als potenten Sechszylinder nicht mehr. Jedenfalls nicht in Deutschland. Dabei hat der Wagen in jeder Hinsicht Potenzial - vor allem dann, wenn er von Abt veredelt wurde, wie der Praxistest auf n-tv.de beweist.

Der Heckspoiler von Abt ist eigentlich ein Muss. Mit ihm wird die Rückansicht des Abt SQ5 erst rund.
Der Heckspoiler von Abt ist eigentlich ein Muss. Mit ihm wird die Rückansicht des Abt SQ5 erst rund.(Foto: Holger Preiss)

Nicht nur, dass der Dieselskandal für den schnellen Tod einer ganzen Generation von Triebwerken sorgt - mit dem neu eingeführten WLTP-Messverfahren zur Ermittlung der Verbrauchswerte von Fahrzeugen verschwinden auch potente Benzin-Aggregate vom deutschen Markt. So ist zum Beispiel der 3,0-Liter-Sechszylinder, den Audi unter anderen im SQ5 verbaut hat, still und heimlich aus dem Programm genommen worden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Verbrauchsmessungen im Vergleich zum bis dato gültigen NEFZ-Verfahren bis zu 25 Prozent höher ausfallen. Für den SQ5, dessen Datenblatt hier im Mittel einen Verbrauch von 8,4 Litern ausweist, bedeutet das, er würde nach neuem Zyklus mindestens 10,6 Liter verbrauchen. Ein durchaus akzeptabler Wert für ein Auto, das mit zwei Tonnen vorfährt und aus drei Litern Hubraum 354 PS schöpft. Audi unterdessen scheint errechnet zu haben, dass ihm das potente SUV am Ende dann doch die CO2-Bilanz verhageln könnte.

Breites Becken, steiles Heck und schicke Schuh

Wie dem auch sei: n-tv.de hatte das Glück, einen der letzten SQ5 3.0 TFSI zum Test zu bekommen. Aber nicht in der schnöden Standardversion aus Ingolstadt, sondern in einer vom Autoveredler Abt aufbereiteten Version. Mit breiten Hüften in Form von sehr gelungenen Kotflügelverbreiterungen kommt der Abt SQ5 daher. Auch die Frontschürze mit vergrößerten seitlichen Lufteinlässen und einer weiteren Belüftung unterhalb des Kühlers sorgen für eine Optik, die Vorausfahrenden absolute Klarheit über das, was da auf sie zukommt, in den Rückspiegel projiziert.

Beim Sound hat Abt den SQ5 nicht nachgeschärft. Was aus den Endrohren tönt, ist original Audi.
Beim Sound hat Abt den SQ5 nicht nachgeschärft. Was aus den Endrohren tönt, ist original Audi.(Foto: Holger Preiss)

Auch am Heck sorgt eine neue Schürze für klare Verhältnisse in Richtung Dynamik. Die schmalen Endrohrblenden in Chrome weichen dank neuem Endschalldämpfer zweiflutigen Trompeten mit Carbon-Verblendungen. Wem das noch nicht reicht, der kann sich zusätzlich noch einen Abt-Heckflügel statt des Dachkantenspoilers aufflanschen lassen. Wer einen stimmigen Abschluss am Heck sucht, der sollte diese Option für 3212 Euro ins Auge fassen. Das bedeutet allerdings auch, dass in Summe mit dem Breitbaupaket – zu dem auch neue Türaufsatzleisten gehören – gut 10.000 Euro fällig werden. Für das Geld fährt man aber einen SQ5, der – und das kann der Autor bestätigen – die Blicke auf sich zieht.

Noch dazu, wenn in den Radhäusern 22-Zoll-Felgen von Abt in Glossy Black stehen, die mit 265er Schluffen bespannt sind. Auch der Komplettradsatz hat mit 6230 Euro seinen Preis. Wer hier sparen will, bekommt den Felgensatz auch in 20 Zoll mit 255er Gummis. Das ist insofern überlegenswert, als dass Spurrinnen auf Autobahnen weniger Einfluss auf das Fahrverhalten haben. Auch 21-Zöller stehen mit der gleichen Bereifung zur Wahl, bringen aber keine Ersparnis, weil hier eine Spurverbreiterung nötig wird. Also dann doch lieber gleich die großen Pneus. Sieht auch am besten aus.

Keine Hartleibigkeit

Die "Abt Sport GR22 glossy black"-Felgen sind zwar kein Schnäppchen, sehen aber unglaublich gut am SQ5 aus.
Die "Abt Sport GR22 glossy black"-Felgen sind zwar kein Schnäppchen, sehen aber unglaublich gut am SQ5 aus.(Foto: Holger Preiss)

Was der Autor nämlich bei denen befürchtet hatte, dass sie die Insassen in allen Einzelheiten über die Beschaffenheit der Straße informieren, ist nicht eingetreten. Dank der von Audi für den SQ5 angebotene Luftfederung rollen auch die größtmöglichen Räder, die das SUV aufnehmen kann, sanft ab. Selbst im sportlichsten Fahrmodus "Dynamic" wurde der Kraftprotz im Abt-Kleid nicht hartleibig. Klar straffte sich die Federrate, ohne aber die Insassen auch nur ansatzweise zu behelligen oder gar zu malträtieren. Genauso wenig wie die von Abt angebotene Leistungssteigerung. Mithilfe eines zusätzlichen Steuergerätes bringen die Autoveredler den Serien-Dreiliter-Turbobenziner dazu, statt der 354 PS ordentlichen 425 Pferden die Sporen zu geben.

Zugegeben: Beim Sprint aus dem Stand auf Landstraßentempo gewinnt der Abt-Pilot bei 5,2 Sekunden lediglich 200 Millisekunden gegenüber dem Serienmodell. Ein für den Straßenkampf zu vernachlässigender Wert. Die zusätzlichen 50 Newtonmeter Drehmoment sind hingegen schon spürbar. Statt 500 werden nunmehr 550 Newtonmeter maximales Drehmoment bei Bedarf an alle vier Räder verteilt. Ein Umstand, der dafür sorgt, dass nach dem kurzen Atemholen der Turbolader bei einem Kickdown die Fuhre enorm kraftvoll angeschoben wird.

Abt verpasst dem SQ5 schicke Türaufsatzleisten.
Abt verpasst dem SQ5 schicke Türaufsatzleisten.(Foto: Holger Preiss)

Wer hier allerdings den Schlag ins Genick erwartet, der wird enttäuscht. Zwar schiebt der mit Steroiden aus Kempten erstarkte Bulle druckvoll voran, ohne aber den Raketenstart zu simulieren. Das ist dann auch der Punkt, an dem wir nochmal über den Verbrauch sprechen müssen. Die oben errechneten 10,6 Liter sind nicht zu erfahren gewesen. Im Schnitt konsumierte der Bolide 13,4 Liter Super Plus. Wer Leistung fordert, wird nicht unter 16 Liter über 100 Kilometer fahren. Das mag den einen oder anderen mutmaßen lassen, dass der Abt SQ5 ein oller Suffkopp wäre. Ist er nicht, wenn man sich die Leistungswerte und den Fahrspaß vor Augen hält.

Schnelle Kurve dezenter Sound

Und genau der wird auch durch eine sehr präzise Lenkung unterstützt, die dem Abt SQ5 über kurze Wege die Richtung weist. Selbst das im Testwagen verbaute große Panoramadach konnte ob des erhöhten Schwerpunktes keine größere Seitenneigung in schnell gefahrenen Kehren verursachen. Die Elektronik rechnete die Luftfederung so zurecht, dass wirklich nur dezente Bewegungen in Richtung der kurveninneren Seite zu spüren waren. So verhalten wie die Verbeugung, so dezent war der Sound. Nicht etwa, dass die Klangkulisse beim vehementen Vortrieb einem Abt nicht gerecht würde, nein, sie ist durchaus vernehmlich, ein wohliges Pumpen ist aus den Endrohren zu vernehmen und auch hörbare Zwischengasstöße lassen das Herz höher schlagen. Weit entfernt ist der Abt SQ5 von einem aufdringlichen Brüllen, Husten und Spratzen. Der eine oder andere mag hier eine Diskrepanz zwischen Optik und Klang mutmaßen. Aber manchmal ist weniger mehr.

Beim Innenraum setzt Abt beim Test-SQ5 auf das, was die Kollegen aus Ingolstadt vorgeben.
Beim Innenraum setzt Abt beim Test-SQ5 auf das, was die Kollegen aus Ingolstadt vorgeben.

Das muss sich Abt auch beim Innenraum gedacht haben. Hier haben die Tuner bis auf einen Start-Stopp-Knopf mit Logo - auf den ehrlich gesagt für 75 Euro getrost verzichtet werden kann - keine Veränderungen vorgenommen. Tut aber auch keine not. Die Sportsitze von Audi bieten einen hervorragenden Sitzkomfort, könnten aber mit den Seitenwangen etwas näher an sportlich orientierte Fahrer rücken. Ansonsten ist alles, wie man es von einem Audi kennt: aufgeräumt, klar gegliedert, die Instrumente sind gut ablesbar, ein Head-Up-Display projiziert Fahrdaten einschließlich Verkehrszeichen in die Frontscheibe. Schade, dass dem Testwagen der Spurhalteassistent fehlte, denn in Kombination mit dem sehr gut arbeitenden Abstandstempomaten wäre das auf den limitierten Abschnitten der Autobahn eine sehr entspannende Kombination gewesen.

Bei Tempo 250 ist Schluss

Auf den freien Strecken braucht man den Spurhalteassistenten wahrlich nicht. Hier wird der Fahrmodi-Schalter auf Sport gestellt und dem Abt die Sporen gegeben. Leider ist wie beim Serien-SQ5 bei Tempo 250 Schluss. Da hätte der Autor mehr erwartet. Allerdings ist der Weg dorthin ohne jeglichen Verzug erreicht. Das Doppelkupplungsgetriebe schiftet die acht Stufen sauber und unmerklich nach oben und bei Bedarf nach unten. Wer im Rundkursmodus unterwegs ist, wird mit sieben weit ausgedrehten Gängen Vorlieb nehmen müssen. Die lassen sich bei Bedarf natürlich auch über die Schaltwippen am Lenkrad einlegen. Dass die Paddles so klein ausfallen wie in einem Skoda Superb, kann nur dem Umstand der Teilegleichheit geschuldet sein. Vielleicht sollte Abt hier mal ordentlich dimensionierte Wippen anbieten?

Wie komme ich nun zu einem SQ5 mit den oben genannten Zutaten, wird sich der aufmerksame Leser fragen. Nun, es gibt momentan noch einen Bestand bei einigen Audihändlern. Zu finden sind die über die Hompage der Ingolstädter. Zugegeben: Die Fahrzeuge sind konfiguriert und Sonderwünsche wohl kaum noch zu berücksichtigen. Dafür sind die Einstiegspreise recht erfreulich. Am unteren Ende stehen unter dem Strich 77.270 Euro, am oberen gut 96.635 Euro. Wer bescheidener einsteigt, hat womöglich den größeren Spielraum für die Kemptener Veredelungen. Aber die Entscheidung kann hier niemandem abgenommen werden. Audi selbst hat auf Nachfrage bestätigt, dass der SQ5 Ende des Jahres wieder verfügbar sein werde. Allerdings - man höre und staune - als Diesel mit einer ähnlichen Leistung wie der 3.0 TFSI. Ob das Käufer in Deutschland unter den derzeitigen Umständen locken kann, darf gerne bezweifelt werden. Auch ein Benziner soll wieder als SQ vorfahren. Wann, kann Audi selbst noch nicht sagen.

Fazit: Der SQ5 mit seinem 3,0-Liter-V6 ist ein extrem gelungenes SUV für Sportfreunde. Mit den Aufwertungen durch Abt gewinnt es nicht nur an Leistung, sondern auch mit Blick auf die Optik. Das hat seinen Preis, aber dafür steht ein solches Auto auch nicht an jeder Ecke. Jetzt, da Audi die Motorisierung aus dem Programm genommen hat, ohnehin nicht mehr.

DATENBLATTAbt SQ5
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,67 / 1,89 / 1,63 m
Radstand2,82 m
Leergewicht (DIN)1945 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen550 / 1550 Liter
MotorV-Sechzylinder mit Turboaufladung und 2995 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang-Automatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor425 PS (313 kW)
KraftstoffartSuper Plus
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Tankvolumen70 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)550 Nm
Beschleunigung 0-100 km/h5,2 Sekunden
Testverbrauch (kombiniert)13,3 Liter
Grundpreis77.270 Euro

Quelle: n-tv.de