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Unter der Ägide von Chefdesigner Peter Schreyer ist der Hyundai i20 ein schnittiger KLeinwagen geworden, der sich nicht zu verstecken braucht.
Unter der Ägide von Chefdesigner Peter Schreyer ist der Hyundai i20 ein schnittiger KLeinwagen geworden, der sich nicht zu verstecken braucht.(Foto: Holger Preiss)
Montag, 18. Mai 2015

Koreaner macht nicht den Harten: Hyundai i20 - Etwas viel Butter auf dem Brot

Von Holger Preiss

Der Hyundai i20 hat es nicht leicht. Schließlich tritt der Koreaner in einer der am härtesten umkämpften Klassen an, die in Deutschland von Größen wie VW Polo und Opel Corsa dominiert werden. Doch der i20 hat hier seine Chancen, wenn er die auch an einigen Stellen recht soft überspielt.

Hyundai ist im Rausch. Bis 2017 will der koreanische Autobauer 22 neue Modelle auf den Markt bringen. Und nimmt man die Sache genau, dann hat der Sturmlauf bereits begonnen. Eine der Neuerungen nämlich ist der i20. Der koreanische Polo ist nicht nur optisch von Designchef Peter Schreyer in Form gebracht worden, sondern hat auch was Technik und vor allem Assistenz- und Sicherheitssysteme betrifft, deutlich dazu gewonnen. Bereits in der Serienausstattung eines jeden i20 gibt es sechs Airbags, höhenverstellbare Kopfstützen auf allen Plätzen, eine Berganfahrhilfe, ABS mit Bremsassistent, die elektronische Stabilitätskontrolle ESC und das fahrdynamische Stabilitäts-Management.

Klare Richtung wäre schön

Die C-Säule ist mit schwarzen Plastikkappen überzogen und vermittelt im Zusammenspiel mit den abgedunkelten Scheiben das Gefühl einer geschlossenen Fläche.
Die C-Säule ist mit schwarzen Plastikkappen überzogen und vermittelt im Zusammenspiel mit den abgedunkelten Scheiben das Gefühl einer geschlossenen Fläche.(Foto: Holger Preiss)

Und tatsächlich ist es gut, dass es diese Helferlein gibt, denn die Ingenieure, die für das Fahrwerk verantwortlich zeichnen, müssen sich etwas unsicher gewesen sein, wie wohl die ideale Abstimmung aussehen könnte, damit sie allen Fahrertypen gerecht wird. Entstanden ist etwas, das etwas indifferent wirkt. Zum einen geht der kleine i20 mit seinen knapp 1,2 Tonnen recht hart über Querfugen, zum anderen neigt er sich in schnell gefahrenen Kurven deutlich zur Seite. Nichts davon führt zu ernsthaften Verwerfungen, denn die Helferlein sind ja da, aber schöner wäre es schon, wenn sich die Koreaner hier für eine klare Richtung entschieden hätten.

Klarer sind da schon die Einstellungen, was Lenkung, Pedalerie und Schaltung betrifft. Hier galt klar die Ansage: Der i20 ist ein Brot-und-Butter-Auto! Allerdings hatten die Techniker wohl mehr die Butter oder ein weibliches Klientel im Auge, denn es wirkt alles etwas sehr weich. Bei der Lenkung wünschte man sich gerade bei der Kurvenfahrt etwas mehr an Rückmeldung und die Druckpunkte der Pedalen sind so, als hätte Oma ihr Lieblingskissen als Muster zur Verfügung gestellt.

Für 1200 Euro extra gibt es Leder auf allen Plätzen.
Für 1200 Euro extra gibt es Leder auf allen Plätzen.(Foto: Holger Preiss)

Das gilt vor allem für das Bremspedal, dessen Kraftentfaltung hier etwas plötzlich kommt, weil einfach ein entsprechender Widerstand fehlt. Für die Schaltung ist der Soft-Gedanke hingegen ein Traum. Da müssen die fünf Gänge nicht kraftvoll durch die Gassen gedrückt werden und da hakelt auch nichts, wie man es mitunter aus europäischen Konkurrenzmodellen dieser Klasse kennt. Vielmehr rutscht die Schaltung geschmeidig über die einzelnen Stufen und bereitet selbst mit dem im Testwagen verbandelten 1,2 Liter Benziner, der hier 84 PS leistet, größte Freude.

Kein harter Sportler

Die braucht es aber auch, denn das Treibwerk erweist sich nicht als Kraftprotz und mit 122 Newtonmetern Drehmoment muss sich selbst der ambitionierteste Pilot irgendwann eingestehen, dass er an der Ampel nicht allzu häufig der Erste sein wird. Auch Überholmanöver sollten mit Bedacht eingeleitet werden, denn die Kraftreserven, die zur Beschleunigung nötig sind, bleiben überschaubar. Ganze 13 Sekunden muss der Fahrer warten, bis der Koreaner Tempo 100 erreicht hat. Dabei ist es wichtig, den Motor auf Drehzahl und so bei Laune zu halten. Fällt die unter 1300 Umdrehungen, ist es schwer, den 1,2-Liter-Benziner ohne Schaltvorgang wieder aus dem Keller zu holen. Zumal der Begrenzer in den ersten zwei Gängen relativ zeitig kommt und so per se schon ein schneller Lauf durch die Gassen gefordert ist.

Der Arbeitsplatz des Fahrers ist übersichtlich und so wie der gesamte Hyundai i20 ausgezeichnet verarbeitet.
Der Arbeitsplatz des Fahrers ist übersichtlich und so wie der gesamte Hyundai i20 ausgezeichnet verarbeitet.(Foto: Holger Preiss)

In der Spitze bewegt sich der Testwagen recht locker an die 150-km/h-Marke. Auch die Spitze von 170 erreicht der i20 mit einer gewissen Ausdauer. Ob das allerdings nottut, muss der Fahrer selbst entscheiden, denn wirklich dynamisch wirkt das nicht mehr. Ist auch nicht notwendig, denn der Koreaner ist keine Rennmaschine, dafür aber ein enorm alltagstaugliches Auto mit vielen Vorzügen. Einer ist der des geringen Verbrauchs. Über knapp 1000 Testkilometer liefen im Schnitt 6,8 Liter Benzin je 100 Kilometer durch die Leitungen. Im Datenblatt sind 5,1 Liter vermerkt. Auch die bei der Kurvenhatz bekrittelte Soft-Lenkung hat beim Einparken so ihre Vorzüge, denn damit lässt sich der knapp 4,0 Meter lange Kleinwagen problemlos in jede Parklücke kurbeln. Noch dazu, wenn sich der Käufer für 1200 Euro zusätzlich das Radio-Navigationssystem mit Rückfahrkamera leistet, das neben einem Kartenupdate auch über DAB+ verfügt.

Leise, leiser, i20

Was dem Hyundai an dieser Stelle auch attestiert werden muss, ist eine für diese Fahrzeugklasse extreme Laufruhe. Die Koreaner haben dem Wagen nämlich eine so ausgezeichnete Dämmung verpasst, dass auch bei hohen Geschwindigkeiten weder Wind- noch Motorgeräusche in den Innenraum dringen. Hier geht der i20 weit über einen Kleinwagen hinaus. Und da wir gerade voll des Lobes sind, soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass die gesamte Verarbeitung ausgezeichnet ist. Nicht nur, dass man vergeblich Klappergeräusche zu erlauschen sucht, auch die Kleinigkeiten wie Druckpunkte der Tasten und Drehsteller sind wunderbar eingestellt. Selbst das Brillenfach im Himmel klappt man gerne auf und zu.

Wer will, bekommt bei umgelegter Rückbank sogar ein 24er Fahrrad hinter die geschlossene Heckklappe.
Wer will, bekommt bei umgelegter Rückbank sogar ein 24er Fahrrad hinter die geschlossene Heckklappe.(Foto: Holger Preiss)

Auch auf den angenehm straff gepolsterten Sitzen nimmt man im i20 gerne Platz. Zumal die, wenn 750 Euro extra investiert werden, sogar mit Leder bespannt sind. Über das Platzangebot muss insgesamt nicht geklagt werden. Das gilt auch für die zweite Reihe. Klar - Kinder werden von ihrer Sitzerhöhung mit den Füßen an der Vorderlehne langschuffeln, aber Meckern wird man kaum hören. Höchstens vom Besitzer, der ab und zu mit einem feuchten Tuch die Spuren beseitigen muss. Auch Erwachsene finden im Fond ausreichend Bein- und Kopffreiheit. Der Kofferraum fasst 326 Liter, das sind immerhin 46 Liter mehr als im Wolfsburger Konkurrenten, im Polo. Wer die Rückbank umlegt, hat eine mit einem kleinen Absatz versehene Fläche, die 1042 Liter fasst. Das heißt, ein 24er Fahrrad verschwindet locker hinter der Heckklappe.

Kein Billigheimer mehr

Werfen wir noch einen kurzen Blick auf den Preis: Der Testwagen kostet 19.670 Euro. Viel Geld, meinen Sie? Nicht, wenn man es ins Verhältnis zur Ausstattung setzt. Denn bereits ohne die erwähnten zusätzlich zu bezahlenden Features sind hier Licht- und Regensensor, Einparkhilfe vorn und hinten, verdunkelte Scheiben ab der B-Säule, Klimaautomatik, ein höhenverstellbarer Fahrersitz, ein beheizbares Lederlenkrad und 16-Zoll-Alufelgen mit 195er Pneus im Preis von 17.200 Euro enthalten. Aber wie sieht es mit dem Wertverlust des i20 aus? Nach vier Jahren hat der kleine Koreaner noch 49 Prozent seines Wertes, so die Experten von Bähr& Fess Forecasts. Das ist rechnerisch weniger, als ein Opel Corsa oder ein Mazda 2 zu bieten hat. Allerdings gibt es bei denen auch keine fünf Jahre Fahrzeug- und Mobilitätsgarantie und der Japaner ist auch noch deutlich teurer in der Anschaffung.

Fazit: Der Hyundai i20 ist kein Billigheimer mehr. Der Wagen hat seinen Preis, bietet dafür aber auch einiges, was die Konkurrenz in dieser Klasse noch missen lässt. Wer auf der Suche nach einem flotten Kleinwagen ist, den man zwar nicht sportlich, aber recht sparsam und vor allem geräuscharm auch über lange Strecken fahren kann, sollte sich bei einer Probefahrt ein eigenes Bild machen und den Koreaner in die engere Wahl ziehen.

DATENBLATTHyundai i20 Style
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,03 / 1,73 / 1,47 m
Leergewicht (DIN)1055 - 1233 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen326 - 1024 Liter
MotorReihen-Vierzylinder 1248 ccm Hubraum
Getriebe5-Gang-Handschaltung
Systemleistung62 kW/ 84 PS
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit170 km/h
max. Drehmoment122 Nm bei 4000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h13,1 s
Normverbrauch (Stadt, Land, kombiniert) je 100 km6,6 / 4,2 / 5,1 l
Testverbrauch6,8 l
Tankinhalt50 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
119 g/km
EmissionsklasseEU 6
Grundpreis17.200 Euro
Preis des Testwagens19.670 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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