Praxistest

Die Qual der (Modell-) Wahl Renault Clio Benziner, Hybrid und Zoé im Vergleich

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Renault bietet die geballte Antriebsvielfalt im Kleinwagen-Bereich.

(Foto: Patrick Broich)

Bei der Transformation vom Verbrenner zum E-Antrieb gibt es die Zwischenstufe Hybrid. Für die Käufer ein Spannungsfeld zwischen Emotionen, Kosten und Praxistauglichkeit - auch bei den Renault-Kleinwagen Clio und Zoé. Während der Zoé immer rein elektrisch fährt, gibts den Clio mit reinem Verbrenner und Hybrid.

Bevor wir beim Vergleich von Benziner, E-Antrieb und Hybrid beim Renault Clio und Zoé ans Eingemachte gehen, sei noch eine kleine Anmerkung gestattet, die eigentlich eine Sensation ist: Der aktuelle Renault Clio steht sogar noch mit einem Dieselmotor in der Preisliste des Juli 2022. Das ist insofern fast schon verrückt, weil der Diesel nicht nur generell auf dem Rückzug ist, sondern vor allem im Kleinwagen-Segment fast nicht mehr antritt.

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Der Zoé ist etwas schmaler als seine Clio-Brüder.

(Foto: Patrick Broich)

Die Kosten auf der Entwicklungsseite machen ihn teuer, bedingt durch eine aufwendige Abgasreinigung. Und ein Kleinwagen wird in der Regel nicht auf der Langstrecke eingesetzt, so dass der Selbstzünder hier wenig bis gar keinen Sinn hat. Er amortisierte sich schließlich nur bei hoher Kilometerleistung. Grund genug für ntv.de, den Kleinwagen-Konzeptvergleich mit einem Benziner, einer Elektrovariante (hier der Zoé) und eben dem Benzin-Hybrid anzugehen.

Und wer jetzt die Preisliste in die Hand nimmt, kommt natürlich ins Grübeln. Schon bei den Grundpreisen gibt es eklatante Unterschiede: Der Clio TCe90 mit 91 PS ist bereits ab 19.000 Euro zu haben, während der 143 PS starke E-Tech Hybrid mit mindestens 23.950 Euro zu Buche schlägt. Auch den Benziner gibt es mit Automatik - dann werden immer noch günstigere 21.850 Euro fällig, macht einen Unterschied von rund 2000 Euro. Klar, der Hybrid ist stärker, aber das spielt im preissensiblen Bereich nicht immer eine Rolle - schon gar nicht, wenn der Nutzer ohnehin eher im Stadtverkehr unterwegs ist. Doch dazu später mehr.

Hybrid trinkt moderat

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Iron-Blau nennt sich diese Farbe.

(Foto: Patrick Broich)

Renault weist für den Clio mit Hybridantrieb einen Verbrauchsvorteil von 1,3 Litern je 100 Kilometer gegenüber dem Benziner aus. Dieser würde beim aktuellen Spritpreis und 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung eine Ersparnis von etwa 350 Euro jährlich ausmachen. So kann sich jeder Interessent selbst ausrechnen, wie lange er fahren muss, bis sich der Hybrid rechnet. Wer mit den Offerten liebäugelt, sollte vielleicht noch eine kurze Teststrecke definieren und eine Probefahrt absolvieren, um den realen Kraftstoffverbrauch auf der "eigenen" Route zu ermitteln, der schließlich abweichen kann.

Eine ganz andere Hausnummer ist der Zoé E-Tech - sein Grundpreis liegt bei mindestens 36.840 Euro ohne Förderung. Zieht man den aktuellen, also bis Ende 2022 noch geltenden staatlichen Zuschuss ab, bleibt ein effektiver Basispreis von 27.840 Euro übrig. Noch immer happig im Vergleich zu sämtlichen Clio-Varianten. Allerdings sind viele Kunden eben keine Barkäufer - also bitte unbedingt auch ein Leasingangebot unterbreiten lassen! Hier kann das Bild dann ganz anders aussehen.

Der Stromer ist teuer

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Renault Zoe: Zero Emissions natürlich nur mit grünem Strom.

(Foto: Patrick Broich)

Allerdings muss man sich nichts vormachen - der Zoé ist der teuerste Kandidat im Trio. Daran ändern auch die bessere Ausstattung (darunter Leichtmetallräder, Navigation, Parkpiepser und schlüsselloses Schließsystem) sowie die Tatsache, dass Elektroautokunden etwa 300 bis 400 Euro THG-Quote jährlich einstreichen, nichts. Bleibt der Blick auf den Energieverbrauch. Knapp über 17 kWh je 100 Kilometer verspricht Renault, damit hat man erst einmal eine Richtschnur.

Allerdings ist das Preisgefüge hier nicht so einfach auszumachen wie bei Benzin, wo ein Blick auf die Preistafel an der Tankstelle genügt. Denn die Strompreise variieren stark in Abhängigkeit von der Ladeart. Haushaltsstrom kostet aktuell um 30 Cent je kWh - er ist aber im Steigen begriffen. Strom im öffentlichen Ladenetz kann zwischen 39 Cent (an relativ langsamen Wechselstromladesäulen) und 79 Cent an sogenannten Hyperchargern kosten. Wer also zu Hause laden kann, ist bereits ab rund fünf Euro je 100 Kilometer im Rennen und fährt damit günstiger als Interessenten, die auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen sind.

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Renault Clio TCE90: Warum nicht mal Valencia-Orange wagen?

(Foto: Patrick Broich)

Mit dem Verbrenner liegt man schon eher bei neun Euro. Da kann der Energiekostenpart bei den 15.000 Kilometern Beispiel-Fahrleistung schon für 600 Euro Ersparnis gegenüber dem reinen Verbrenner sorgen. Vergleicht man Hybrid mit BEV (batterieelektrisches Vehikel), liegt die Kostenersparnis im Bereich Energie bei 15.000 jährlichen Kilometern immer noch bei rund 200 Euro. Und das ist ja noch nicht alles, denn auch die Inspektionskosten fallen bei BEV deutlich geringer aus als bei Verbrennern. Klar, Dinge wie Öl- oder Zündkerzenwechsel entfallen schlicht.

BEV genießen Privilegien

Der Entfall der konventionellen Kraftfahrzeugsteuer ist ein eher zu vernachlässigender Posten. Bei der Nutzung des BEV als Dienstwagen wird das Steuerthema allerdings wieder relevant. Denn bei der pauschalen Versteuerung privater Fahrten bildet die Grundlage nicht 1 Prozent des Bruttolistenpreises, sondern lediglich 0,25. Man könnte jetzt anmerken, dass es auch noch einen stärkeren Benziner gibt (140 PS, ab 23.200 Euro) - allerdings ist auch noch die Perspektive des günstigen Einstiegs zu berücksichtigen. Beim Hybrid gibt es schließlich nur eine Leistungsstufe. Und der Unterhalt beim stärkeren Benziner wird natürlich auch nicht günstiger, hier würde die Ottovariante also stärker unter Druck geraten.

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Der Renault Clio hat etwas Coupéhaftes.

(Foto: Patrick Broich)

Der versierte Interessent weiß außerdem, dass die unterschiedlichen Antriebe verschiedene Stärken haben. Stromer laufen in städtischen Gefilden besonders effizient, ausgerechnet hier avanciert der Benziner zum Schluckspecht. Gleichförmige Fahrt bis 90 bis 120 km/h goutiert der Benziner wiederum mit zurückhaltenden Trinksitten, während der Stromer hier hungrig an der Batterie saugt.

Getankt ist schneller als geladen

Soweit das Kostenthema. Doch welche Gründe sprechen für Verbrenner und welche für das Elektroauto? Die "Reichweitenangst" ist immer noch ein großes Thema und die ist durchaus nicht unberechtigt. Wenngleich man sagen muss, dass der Renault Zoé innerhalb Deutschlands und auch über die Grenzen hinaus nirgends strandet. Die Franzosen verbauen standardmäßig eine 52 kWh große Batterie, die selbst bei niedrigen Temperaturen mindestens 240 Kilometer Reichweite im Mischbetrieb verspricht, bei milden Temperaturen auch knapp 400.

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Den Clio Hybrid gibt es nur mit Automatik.

(Foto: Patrick Broich)

Man darf außerdem nicht vergessen, dass Deutschland gut aufgestellt ist mit seiner Schnelllade-Infrastruktur, die nun wirklich selbst im ländlichen Raum alle 40 bis 70 Kilometer Ladepunkte mit mindestens 50 kW Ladeleistung bereithält. Zur Wahrheit gehört indes auch, dass der Zoé kein "Ladeperformer" ist - sein Akku kann nicht so schnell aufgeladen werden, wie das heute mit der teuersten Ladetechnik schon möglich wäre. Einen Zacken bricht er sich damit nicht aus seiner Krone - er ist immerhin ein Kleinwagen und rangiert mit diesen Werten an der Spitze seines Segments.

Also, Butter bei die Fische: Im ungünstigsten Fall muss man eine Stunde an der Gleichstrom-Ladesäule zubringen, um die Batterie von 10 auf 80 Prozent Ladestand zu bringen. Mit der Zwangspause dieser Größenordnung ist man allerdings auch schon von Köln nach Berlin gelangt, das geht in Ordnung.

Nicht jeder Verbrenner ist emotional

Und so sehr Verbrenner die Herzen von Autofans zu erobern in der Lage sind - diese Disziplin ist beim Clio TCe90 jetzt wirklich nicht allzu stark ausgeprägt. Das Brot- und Butter-Motörchen tut natürlich brav seinen Dienst, zerrt hinreichend kräftig an dem 1,2-Tonner. Für die Stadt reicht es allemal und auch am Berg mal einen Lastwagen überholen, gelingt ganz gut. Wer hastig zurückschaltet (ja, muss hier manchmal sein), erlebt zwar ein leichtgängiges, aber kein sonderlich präzise rastendes Sechsganggetriebe. Und dass der Einspunktnull mit drei Zylindern bei vollem Ausdrehen mitunter brummig wird, ist kein Wunder.

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Mit umgeklappter Lehne wird der Renault Clio zum Ladeprofi.

(Foto: Patrick Broich)

Ganz interessant mutet der Hybrid an, der übrigens keine externe Auflademöglichkeit bietet - es handelt sich demnach um einen Vollhybrid. Unter dem Blech des Renault Clio E-Tech steckt ein 1,6 Liter großer und 94 PS kräftiger Vierzylinder-Benziner, der mit einer 49 PS leistenden E-Maschine (Traktionsmotor) nebst Startergenerator mit 20 PS Output zu einer insgesamt 143 PS starken Einheit verschmitzt. Ziel ist es, mithilfe eines komplexen Getriebes das Ottotriebwerk möglichst lange in einem effizienten Betriebszustand zu halten. Zwei Gänge für die elektrische Unit sowie vier Gänge für den Benziner bürgen für dieses Unterfangen. Dem Startergenerator kommt die Aufgabe zu, die Zahnräder des Getriebes zu synchronisieren.

Welcher Motor in der Praxis mit welchem Anteil antreibt, kann der Fahrer auf dem Display ablesen, aber wirklich viel mit bekommt er davon nicht. Aufmerksame Menschen bekommen jedoch mit, dass immer elektrisch angefahren wird.

Zoé ist souverän

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Leicht spacig kommt der Renault Zoé daher.

(Foto: Patrick Broich)

Mit einem Standardsprint von 9,3 Sekunden ist der Hybrid-Clio nominal der spurtstärkste im Trio (Zoé 9,5 und Clio TCe90 gar 12,2 Sekunden), und in der Tat wirkt er auch subjektiv kräftig. Da es keinerlei Zugkraftunterbrechungen gibt, verstärkt sich der Eindruck. Tatsächlich sind nicht immer die Papierwerte entscheidend - so fühlt sich der leise Zoé im realen Fahrbetrieb quirliger an, weil einfach spontan mehr Drehmoment zur Verfügung steht. Allerdings darf an dieser Stelle einmal das Vorurteil ausgeräumt werden, eine E-Maschine stelle schon ab der ersten Umdrehung die volle Zugkraft zur Verfügung. Stimmt nicht, denn die 245 Newtonmeter des hier eingesetzten Zoé-Testwagens in der 135-PS-Version liegen zwischen 1500 und 3600 Touren an. Die Höchstdrehzahl der E-Maschine rangiert jedoch bei über 11.000 Umdrehungen.

Was können Kleinwagen darüber hinaus? Jedenfalls nicht mehr wirklich klein sein angesichts ihrer Außenabmessungen. Clio und Zoé sind mit 4,05 respektive 4,09 Metern Länge gestandene Allrounder, die auch innen so luftig sind, dass man mit ihnen in den Urlaub fahren kann, ohne beengte Platzverhältnisse erleben zu müssen. Eine BEV-typische Disziplin lässt der Stromer übrigens vermissen: Mit einem Radstand von 2,58 Metern rangiert er fast auf den Millimeter genau auf Clio-Level. Wirklich besser sortieren können die Hinterbänkler ihre Knie im Zoé also nicht, aber das Gebotene geht ohnehin in Ordnung in diesem Segment.

Infotainment können die Kleinen

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Der Fleece-Stoff macht den Renault Zoé wohnlich.

(Foto: Patrick Broich)

Beeindruckend auch, dass Renault mit sämtlichen Offerten an die Infotainment-Generation denkt. Wer jetzt nicht gerade auf ein Head-up-Display besteht, wird mit dem Elektronikequipment durchaus glücklich. Die Smartphone-Integration ist durchweg serienmäßig. Demnach kann der User die Oberfläche seines Mobiltelefons auf das sieben Zoll große Display in der Mittelkonsole spiegeln. Der Zoé bietet noch mehr TFT-Fläche frei Haus - nämlich das Kombiinstrument mit zehn Zoll. Dieses gibt es auch beim Clio, allerdings erst ab der Ausstattungslinie "Techno" und dann gegen 650 Euro Aufpreis. Vorbildlicherweise verfügen sämtliche Clio- und Zoé-Ausführungen aufpreisfrei über autonome Notbremsung inklusive Fußgängererkennung, LED-Scheinwerfer, Tempomat und Verkehrszeichen-Erkennung.


Renault Clio TCe90Renault Clio E-Tech HybridRenault Zoé R135
Sitzplätze555
Ladevolumen340 / 1096 Liter246 / 1096 Liter338 / 1225 Liter
Motorart1,0-Liter-Dreizylinder mit Turboaufladung1,6-Liter-Vierzylinder-SaugerSynchron-Elektromotor, fremderregt
Getriebe6-Gang-Schaltgetriebe6-Gang-Automatik (Multimode)1-Gang-Getriebe
Leistung Verbrenner91 PS (67 kW)94 PS (69 kW)-
Leistung E-Maschine-49 PS (36 kW)135 PS (100 kW)
Leistung Startergenerator-20 PS (15 kW)
Systemleistung-140 PS (103 kW)
max. Drehmoment160 Nm / 2000 U/min149 Nm (B) / 205 Nm (E)245 Nm / 1500 bis 3600 U/min
KraftstoffartSuperSuperStrom
AntriebVorderradantriebVorderradantriebVorderradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h11,2 Sekunden9,3 Sekunden9,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit180 km/h180 km/h (75 km/h elektr.)140 km/h
Tankvolumen / Akkukapazität42 Liter39 Liter52 kWh
Verbrauch (kombiniert)5,1 Liter (NEFZ)3,6 Liter (NEFZ)17,4 kWh (WLTP)
CO₂-Emission kombiniert117 g/km90 g/km0 g/km
AbgasnormEuro 6dEuro 6d-
Grundpreis19.000 Euro23.950 Euro36.840 Euro (ohne Förderung)

Fazit: Renault Clio als Benziner oder Hybrid? Oder gar der vollelektrische Zoé? Interessenten sollten genau auf ihre Bedürfnisse schauen und auf die anfallenden Kosten. Im Infotainment- und Komfort-Kapitel schneiden Kleinwagen heute durchaus ordentlich ab. Sowohl der Clio wie auch der Zoé sind solide Allrounder. Mehr Auto braucht der Mensch nicht zwingend.

Quelle: ntv.de

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