Leben

Ausprobieren, bis es passt Eine Morgenroutine macht den Tag besser

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Jeder beginnt den Tag etwas anders.

(Foto: imago images/Westend61)

Für viele ist schon das Aufstehen schwer genug, da klingt eine tägliche Morgenroutine nach einer fast unlösbaren Aufgabe. Meditieren, ein Fitness-Programm, lesen und auch noch einen Smoothie mixen - wer soll das schaffen? Jeder, es muss nur die richtige Morgenroutine sein, lautet die Antwort.

Raus aus dem Bett, Kaffee aufsetzen, Zähneputzen, Schulbrote für die Kinder schmieren, duschen, los zur Arbeit. Irgendwie haben die meisten Menschen morgens ihre festen Abläufe. Lina Jachmann begann ihren Morgen jahrelang damit, nach dem Handy zu greifen und Arbeitsmails zu bearbeiten. "Das war meine Routine, aber das fand ich nicht schön, weil ich gar nicht bei mir war, sondern gleich mit der Arbeit begonnen habe."

Inzwischen folgt sie einer Morgenroutine und hat über den Trend, einfach immer mit dem richtigen Bein aufzustehen, ein Buch geschrieben. Schon länger ist bekannt, dass viele erfolgreiche Unternehmer und Führungskräfte ziemlich früh aufstehen und dann bewusst ihren eigenen festen Abläufen folgen. "Das Konzept der ausdrücklich so benannten Morgenroutine ist ein kuratierter Ablauf", sagt Jachmann n-tv.de. "Man setzt sich hin und macht sich Gedanken darüber, wie man in den Tag starten will. In welche Stimmung will ich mich versetzen, mit welchem Gefühl will ich in den Tag starten?" Dafür werden dann gezielt Elemente ausgewählt und in die schon bestehende Routine integriert.

Denn den einen Ablauf, der für jeden passt, gibt es nicht. Der frühere US-Präsident Barack Obama beispielsweise startet mit einem Fitnessprogramm, wobei er zwischen Kraft- und Cardiotraining wechselt. Früher trank er Kaffee, inzwischen nimmt er lieber Wasser, Orangensaft oder grünen Tee zu sich. Apple-Gründer Steve Jobs schaute jeden Morgen in den Spiegel und fragte sich: "Wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre, würde ich tun wollen, was ich heute tue?" Wenn die Antwort an vielen Tagen Nein war, wusste er, dass er etwas ändern musste. Madonna macht eine Stunde lang Yoga und meditiert.

Gutes auf der Habenseite

Jachmann hat lange gedacht, Morgenroutinen seien vor allem etwas für Kinderlose, Freischaffende oder Frühaufsteher. Dann sprach sie aber mit immer mehr Menschen und merkte: Jeder und jede hat andere Morgenrituale, manche nehmen sich viel Zeit dafür, andere wenig. Unternehmer Matze Hielscher steht beispielsweise bewusst eine Stunde vor seiner Familie auf. "Er sagt sich, er ist den ganzen Tag fremdbestimmt, durch die Firma, die Familie", erzählt Jachmann. "Deswegen nimmt er sich ganz bewusst diese eine Stunde für sich. Da kann er sich ganz in Ruhe um sich kümmern und diese Stunde kann ihm auch keiner mehr nehmen, egal, wie der Tag dann weitergeht." Das ist eines der stärksten Argumente für eine Morgenroutine. Wer morgens bereits Sport macht oder liest, hat das für den Rest des Tages schon auf der Habenseite. Wer es hingegen immer weiter aufschiebt, läuft Gefahr, es einfach nicht mehr zu machen. 

Um sich nicht zu sehr an anderen zu orientieren, empfiehlt Jachmann eine Art Baukastenprinzip. Denn einige Bestandteile finden sich immer wieder. Im englischen Sprachraum hat sich das Modell S.A.V.E.R.S. etabliert. S steht für Silence, also Stille. "Viele mögen Meditation, andere setzen auf eine bewusste Atempraxis", sagt Jachmann. A stammt von Affirmations, also Bekräftigungen. Das sind positiv formulierte Ermutigungen, um Ängste zu überwinden und bestimmte Ziele zu erreichen. Die Schritte dazu führt man sich bei der Visualisierung (V wie Visualization) vor Augen.

"Damit man mobilisiert wird und mit einem guten Körpergefühl in den Tag starten kann, gibt es irgendeine Form von Bewegung, Yoga, Joggen oder Stretching", erzählt Jachmann. Dafür steht das E, Exercise. Die letzten beiden Punkte sind Lesen (Reading) und Schreiben (Scribing). Beim Lesen geht es darum, Input oder Inspiration aus einem Sachbuch oder auch einem Podcast zu ziehen. "So hat man das Gefühl, gleich morgens etwas zu lernen." Beim Schreiben notieren viele einfach alle Gedanken auf sogenannten Morgenseiten. So lassen sich Grübeleien eingrenzen, außerdem kristallisieren sich bestimmte Themen heraus, die einen immer wieder beschäftigen und die man dann bewusst angehen kann. Manche planen ihren Tag. Andere konzentrieren sich einfach darauf, zu formulieren, wofür sie dankbar sind. "Dankbarkeit verändert den Blick auf die Welt und das eigene Leben grundsätzlich", meint Jachmann. "Es ist regelrecht magisch, weil man den Meckermodus verlässt und sich der Blick auf den ganzen Tag verändert. Man geht mit anderen Augen durch die Welt, wenn man immer etwas haben will, für das man dankbar ist."

Mehr als Selbstoptimierung

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Für sich fügt Jachmann noch den Aspekt Ernährung hinzu, wobei damit nicht unbedingt ein aufwendiges Frühstück gemeint ist. "In jeder Nacht verliert man jede Menge Wasser über die Atmung", sagt die Autorin. "Allein das wieder aufzufüllen, bringt eine große Veränderung mit sich."

In der magischen Morgenzeit geht es für Jachmann sowieso nicht um Selbstoptimierung oder Geschäftigkeit, sondern vor allem um das persönliche Wohlbefinden. Sie sage sich immer: "Wir sind schon gut, wie wir sind." Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass sich mit der Morgenroutine auch die Persönlichkeit verändern wird. "Die Morgenroutine ist für mich ein Geschenk an uns selbst, Zeit, die wir uns im stressigen Alltag nehmen." Wer denkt, er sei unvollständig und brauche deshalb eine Morgenroutine, tappt ihrer Ansicht nach in die Diät-Falle und provoziere einen Jo-Jo-Effekt. In diesem Fall also eher mehr Stress als mehr Erleuchtung. "Aber wenn ich denke, ich schenke mir eine Morgenroutine, weil ich mir das wert bin und das verdiene, dann ist das ein ganz anderer Ansatz und man wird das auch langfristig durchhalten."

Jachmann hat viel herumexperimentiert, bis sie ihre Morgenroutine gefunden hatte. "Es hat mir Spaß gemacht, Dinge auszuprobieren. Aber Joggen, 100 Atemzüge oder lange Meditationen passen nicht zu mir, das war stressig für mich." Schließlich blieben wenige Elemente, die sie sich aufgeschrieben und immer wiederholt hat. Inzwischen verläuft ihr eigener Morgen kurz und knackig: Dankbarkeitsritual, Ölziehen, das macht sie oft unter der Dusche, Zitronen- oder Ingwer-Wasser trinken, Porridge oder Smoothie frühstücken. "Das Ziel ist, das nicht mehr mit sich selbst zu diskutieren, sondern es einfach zu machen. Das Ausführen des einen Elements führt automatisch zum nächsten und schwupps ist man fertig."

Quelle: n-tv.de

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