Leben

Wenn alle gleich aussehen So funktioniert der Hipster-Effekt

imago87019738h.jpg

So sieht ein Hipster aus. Jedenfalls so lange, bis seinen Look alle tragen.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Eigentlich wollen sie sich dem Mainstream widersetzen, am Ende sehen sie sich doch alle wieder ähnlich. Die Rede ist von Hipstern. Ein Mathematikprofessor aus den USA hat eine Formel entwickelt, die dieses Phänomen wissenschaftlich erklärt.

Der Hipster ist zwischen 20 und 30 Jahre alt, trägt eine massive Brille, Dutt oder Undercut und einen gepflegten Vollbart. Zu seinem karierten Flanellhemd, das hochgekrempelt den Blick auf seine tätowierten Unterarme ermöglicht, kombiniert er eine Skinny-Jeans, die von Hosenträgern gehalten wird. Und wie gelangt er zu seinem Lieblings-Café, wo er wahlweise Mate oder Soja-Latte trinken wird? Natürlich mit dem hellblauen Vintage-Rennrad. So oder so ähnlich sieht der typische Hipster aus.

Im Duden ist der Begriff "Hipster" als "zu einer (urbanen) Subkultur gehörender junger Mensch mit ausgefallener, nicht der aktuellen Mode entsprechender Kleidung und extravagantem, individualistischem Lebensstil" definiert. Dieser Klischee-Hipster zeichnet sich also durch Individualität aus. Aber warum hat man den Eindruck, dass alle ähnlich aussehen?

Diese Frage hat auch einen Mathematiker von der US-amerikanischen Brandeis-Universität umgetrieben. In seinem Aufsatz mit dem Titel "The Hipster Effect: When Anticonformists All Looks The Same", der im Magazin "MIT Technology Review" veröffentlich wurde, liefert Jonathan Touboul die wissenschaftliche Erklärung dafür, warum Anti-Konformisten letztendlich doch alle gleich aussehen.

Wie Kapitalanleger

Mithilfe seitenlanger Formeln und aufwendiger Computersimulationen fand Touboul schließlich heraus: Für Hipster gilt das Gleiche wie für Vielteilchensysteme und Kapitalanleger an der Börse. Zunächst erscheint alles unorganisiert. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich alles in die gleiche Richtung bewegt.

Auch bei einer Gesellschaft gilt also: Nach einiger Zeit beginnt sich das Verhalten von Nonkonformisten zu synchronisieren. Sie beginnen, sich in eine gemeinsame Richtung zu entwickeln, ein Prozess, der zunächst schleichend passiert. Das hat damit zu tun, dass Trends nicht immer zur gleichen Zeit überall ankommen, sondern es eine Weile braucht, bis sie sich etablieren und als solche erkannt werden. Und so kann es passieren, dass ein Hipster zwar davon ausgeht, sich antikonform zu verhalten, seine Idee aber schon längst bei anderen Hipstern bekannt ist und umgesetzt wurde. Der neue Look wird allmählich zum Mainstream. Doch es kann einige Zeit dauern, bis sich ein Kleidungsstil, der irgendwann einer Uniform gleicht, auch von allen als solcher wahrgenommen wird.

Wenn sich schließlich die Mehrheit der Männer einen langen, gepflegten Bart stehen lässt und mit dem hellblauen Vintage-Rennrad zur Arbeit fährt, rasieren sich die "echten" Hipster die Bärte ab und lackieren ihr Fahrrad um. Neue Trends entstehen. Dann wird das oben beschriebene Hipster-Klischee überholt sein und von einem anderen Hipster-Klischee abgelöst - das dann vielleicht auch anders heißt.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema