Leben

Flaute im Bett? So kommt Ihr Liebesleben wieder in Schwung

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Was tun, wenn im Bett nach Jahren die Luft raus ist?

(Foto: imago/blickwinkel)

Viele Paare leben in langjährigen Beziehungen. Durch Kinder und Alltag bleibt die Leidenschaft oft auf der Strecke, der Sex wird zur Routine und man arrangiert sich mit seinem eingerosteten Sexleben. Haben Sie Mut, das Feuer neu zu entfachen!

"Seit ich mit Martin zusammen bin, habe ich den besten Sex meines Lebens. Ich will ja nicht übertreiben, aber letztes Wochenende sind wir kaum aus dem Bett rausgekommen", schwärmte meine Freundin Ina - damals vor fast zehn Jahren - als sie mit Martin gerade frisch zusammen war. Inzwischen sind die beiden verheiratet und haben zwei Kinder, zwei Katzen, einen Hund, Fulltime-Jobs und ein Haus, dessen Instandhaltung ihnen seit Jahren finanzielle Sorgen bereitet. Kurzum, Sie ahnen es vielleicht: Wenn Ina heute über den Sex mit Martin berichtet, klingt es nicht mehr so schwärmerisch wie damals.

Dass sich der Sex in langjährigen Beziehungen verändert, ist natürlich vollkommen normal. Daran hat weder der eine noch der andere Schuld. Was ich aus Inas Schilderungen heute heraushöre, ist die große Sehnsucht nach der Leidenschaft und dem sexuellen Feuer, das früher zwischen ihr und Martin gelodert hat. "Ich glaube, dass unser Sexleben nie wieder so werden kann wie am Anfang. Es ist nicht so, dass wir nicht mehr miteinander schlafen. Aber dass aus unseren heißen Nächten mal eine solche vor sich hin plätschernde Routine werden würde … hach! Der Rausch ist vorbei, das Feuer erloschen." Ina klingt wie eine Trauernde.

"Heute nicht Schatz, ich bin müde!"

So wie meiner Freundin und ihrem Mann ergeht es sehr vielen Paaren in langjährigen Beziehungen. Den Zahn, den man in diesem Zusammenhang meist zuerst ziehen muss, ist, von Schuld zu sprechen. Auf der Suche nach dem Moment, an dem das Ende der Leidenschaft seinen Anfang nahm, fühlen sich viele PartnerInnen schuldig und grübeln. Wann war das erste Mal, als man sagte: "Heute nicht, Schatz, ich bin müde." Oder: "Heute Abend würde ich mit meinen Kumpels gern das Spiel anschauen."

Ina und Martin lieben sich sehr, aber die schönste Nebensache der Welt findet heute nur noch höchstens einmal im Monat statt. Dabei können die Funken auch in einer Beziehung, die reich an Jahren ist, wieder fliegen. Eine Möglichkeit: Polygamie. Schließlich sind nicht nur Sexualtherapeuten der Meinung, dass unsere Vorstellungen von der sexuell erfüllten Monogamie realitätsfremd sind. Der Psychologe Christopher Ryan rät in "Sex: Die wahre Geschichte" grundsätzlich zu einem entspannteren sexuellen Miteinander, obschon Polygamie für viele Paare doch eher eine der letzteren Optionen ist.

Das Problem ist oft, dass vor allem Frauen vieles zerdenken. Guter Sex wird noch immer sehr oft über den Sex der Anfangszeit definiert. Viele rennen hierbei einer Idealvorstellung hinterher, als gäbe es nur zwei Sorten von Sex - guten und schlechten. Dabei hat Sex so viele Facetten, er kann langsam, schnell, zärtlich, hart oder mit sich selbst sein. Und ja, manchmal sogar dröge. Niemand soll natürlich von seinen Ansprüchen an erfüllenden Sex abrücken, aber kann zum Beispiel stinknormaler, unaufgeregter Sex nicht auch guter Sex sein. In unseren Köpfen herrscht noch immer sehr oft ein absolutes Denken, wir setzen uns in vielerlei Hinsicht selbst unter Druck.

Sex ist keine Olympiade

Eine Flaute im Bett oder Lustlosigkeit bedeuten noch lange nicht, dass nur der Gang zum Sexualtherapeuten Rettung für das gemeinsame, eingeschlafene Intimleben bringen kann oder gar der Sprung in fremde Laken - tatsächlich helfen schon ein paar kleine Tricks und Kniffe, um in der Koje wieder für frischen Wind zu sorgen. Zuerst einmal: Befreien Sie sich von dem Druck, abliefern zu müssen! Sex ist keine Olympiade, bei der Medaillen verteilt werden.

Bleiben wir beim Beispiel von Ina und Martin: Ina sagt, sie hätte mit Martin gern öfter, aber dafür kürzeren Sex. Dass Martin sich ständig so viel Zeit lasse, nerve sie. Einfach mal ein Quickie, das wäre schön. Martin hingegen ist ein "Genießer" und möchte Ina verwöhnen. Für ihn hat der reine Akt nicht unbedingt nur etwas mit dem Höhepunkt zu tun, sondern vielmehr damit, seiner Frau nah zu sein, ihrem Atem zu lauschen und ihre Haut auf seiner zu fühlen. Ina hingegen glaubt, wenn Martin "ewig" keinen Orgasmus beim Sex bekommt, ist sie "schlecht im Bett" und turne ihren Mann eben nicht mehr so an wie früher. Martin hingegen zögert den Orgasmus hinaus, um Ina länger zu spüren.

Beide reden aneinander vorbei beziehungsweise kommunizieren über Dritte. Ina vertraut sich einer Freundin an, Martin einem Kumpel - mit dem Ende vom Lied: Beide sind frustriert. Der Schlüssel: nicht übereinander reden, sondern miteinander! Dem Partner sagen, was man sich wünscht! Man vertraut sich, kennt sich eine gefühlte Ewigkeit, aber wenn man einander seine intimsten Wünsche offenbaren soll, überkommt einen plötzlich die Scham. Und die wiederum führt dazu, dass wir lieber schweigen. Merke: Scham sollte keine Macht über uns haben! Aus Angst darüber, wie der Partner reagieren könnte, sollten wir nicht unsere Wünsche verschweigen.

Erotische Erfrischungskur verlangt Mut

Scham und Bequemlichkeit killen jeden leidenschaftlichen Funken. Und wer will schon, dass auch die letzte Glut erlischt? So sagt beispielsweise Ulrich Clement, einer der führenden deutschen Paar- und Sexualtherapeuten, in "Guter Sex trotz Liebe", nicht die neue, komplizierte Bett-Gymnastik sorge für eine erotische Erfrischungskur, sondern viel mehr die Selbstoffenbarung, zu der - ganz klar - natürlich auch ein wenig Mut gehört.

Vielleicht haben Sie durch diese kleine Kolumne neuen Mut geschöpft und suchen das klärende Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin, um ihrer eingerosteten Zweisamkeit neues Leben einzuhauchen. Aber Vorsicht, sollten Sie zuvor nicht oder nur sehr wenig über Ihre Vorlieben geredet haben, nicht gleich in die Vollen gehen! Damit könnten Sie ihn oder sie überfordern! Machen Sie kleine Schritte. Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Vielleicht fällt es dem anderen ja sogar leichter, sich zu offenbaren, wenn Sie gezielt, aber liebevoll fragen, was er sich wünscht. Der richtige Zeitpunkt will natürlich gut gewählt sein, also nicht, wenn sie gestresst von der Arbeit kommt oder er gerade mit seinen Kumpels online zockt, sagen: "Du, Schatz, könntest du mich vielleicht etwas weiter oben lecken?"

Offenheit und Ehrlichkeit mit einer großen Portion Einfühlungsvermögen für den anderen, gepaart mit dem richtigen Timing: Das sind die besten Voraussetzungen für einen ersten Austausch über Ihr Liebesleben. Aller Anfang ist schwer, aber wagen Sie ruhig den ersten Schritt! Den Weg auf neues erotisches Terrain in Ihrem alten, neuen Liebesleben beschreiten Sie dann gemeinsam.

Quelle: ntv.de