Leben

Naturerlebnis auf den Seychellen Unterwegs mit dem Schildkrötenflüsterer

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Adrian Allison kümmert sich um die Bedürfnisse der Urlauber - und der Schildkröten.

Nadine Wenzlick

Adrian Allison hat einen der besten Jobs der Welt: Er ist "Turtle Manager" auf der Seychellen-Insel Praslin. Mit etwas Glück können Hotelgäste dort Meeresschildkröten ganz nah kommen. Strand und Spa sind da schnell vergessen.

Es ist sieben Uhr morgens, die Sonne ist gerade erst aufgegangen. Der Strand ist noch menschenleer, als Adrian Allison gemütlich am Wasser entlangspaziert. Er ist auf der Suche nach Meeresschildkröten. Von Berufs wegen. Adrian Allison hat einen der besten Jobs der Welt: Er ist Turtlemanager im Hotel Constance Lemuria auf der Seychellen-Insel Praslin. "Mein Kollege Robert und ich bezeichnen uns als 'Abteilung für alles'", lacht Allison. "Da wir uns auch um die Gartenanlagen des Hotels kümmern, sind wir die einzigen, die einen Van und einen Truck haben. Heute Nachmittag soll ich irgendwo Tische abholen." Aber der Morgen gehört den Schildkröten.

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Urlauber lieben die Traumstrände der Seychellen.

(Foto: Nadine Wenzlick)

Der Grand Anse Kerlan ist der einzige Strand auf Praslin, an dem noch Meeresschildkröten nisten, weil an allen anderen Stränden der Insel die Vegetation abgeholzt wurde und das Licht der Menschen sie fernhält. Seit 2004 betreibt das Constance Lemuria ein Projekt zum Schutz der Tiere. Während der Nistzeit, von Oktober bis Februar, absolvieren Allison und sein Kollege Robert Matombe regelmäßige Strandpatrouillen. Sie sichern Nester und sorgen dafür, dass die Schildkröten bei der Eiablage ungestört sind.

Achtung, Babyschildkröten

Die beiden retten auch Babyschildkröten, die sich nach dem Schlüpfen in der Hotelanlage verlaufen haben - und pflegen zu Forschungszwecken eine Datenbank. "Zu Beginn des Projekts kamen pro Saison etwa ein Dutzend Schildkröten zur Eiablage an den Strand, inzwischen sind es 85 pro Saison", so Allison. "Das ist ein großer Fortschritt." In diesem Moment klingelt Allisons Telefon. Ein paar Hotelgäste haben eine Echte Karettschildkröte entdeckt.

"Viele Leute sagen, dass es ein Nachteil sei, dass an dieser Stelle ein Hotel gebaut wurde", erzählt Allison auf dem Weg. "Aber ich sehe das anders. Wir können die Schildkröten so viel besser beobachten und schützen." Zum Beispiel vor Wilderern. Die beiden auf den Seychellen nistenden Meeresschildkrötenarten sind zwar seit 1994 geschützt, doch einige Fischer machen nach wie vor Jagd auf sie und verkaufen das im Übrigen eher ungesunde Fleisch nach Asien. Vor allem Weibchen, die zur Eiablage an Land kommen müssen, werden gefangen.

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Im Hotel Constance Lemuria laufen die Gäste zuweilen auch Schildkröten über den Weg.

(Foto: Nadine Wenzlick)

Die Echte Karettschildkröte hat bereits mit der Eiablage begonnen. Das bedeutet, sie ist wie in Trance und lässt sich von nichts mehr unterbrechen. Es ist ein echter David-Attenborough-Moment, der sich nur schwer in Worte fassen lässt. Ihr Kopf hat etwas Prähistorisches. Und auch, wenn sie eigentlich ausdruckslos scheint: Die Anstrengung sieht man ihr an. Ein Gelege ist bis zu 150 Eier groß. Der gesamte Vorgang kann bis zu zwei Stunden dauern. Und das bis zu fünf Mal pro Saison.

Der Turtlemanager hat zu tun

Allison ist währenddessen schwer beschäftigt. Er hantiert mit einem Zentimetermaß herum, misst die Breite und Höhe der Schildkröte und notiert die Nestposition. Normalerweise würde er auch die Eier zählen, aber dafür ist er heute zu spät. "Die Schildkröte ist bereits markiert, das heißt, sie ist nicht zum ersten Mal hier", sagt er. "Meeresschildkröten kehren zur Eiablage immer wieder an den gleichen Strand zurück." Für ihr Nest hat sich die Schildkröte einen guten Platz ausgesucht: Keine Wurzeln im Erdreich, die ihre Buddelarbeiten behindert hätten, aber auch nicht zu nah am Meer.

Dann bestünde die Gefahr, dass das Gelege bei Flut weggespült wird. In solchen Fällen buddelt Allison die Eier hinterher wieder aus und brütet sie sicher in seinem Büro aus. "Wenn die Jungtiere geschlüpft sind und wir sie ins Meer lassen, ist das ein echtes Ereignis", strahlt er. "Die Gesichter der Leute -  ich sage immer, das ist, als wäre ein Hollywoodstar am Strand. Alle machen sie Fotos, wie die Paparazzi. Da will dann plötzlich niemand mehr Golf spielen oder im Spa sitzen." An den drei traumhaften Stränden auf Praslin kann man Kajaken, Tretboot fahren und Schnorcheln.

Doch zurück zur Karettschildkröte. Sie hat inzwischen alle Eier abgelegt und beginnt, das Nest zu tarnen. Sand fliegt in alle Himmelsrichtungen. Danach schlägt sie sich wie ein Panzer durch den Busch in Richtung Strand und verschwindet im Meer. "Ein unvergesslicher Anblick, nicht wahr?", will Allison wissen. Und ob. "Ich hätte nie gedacht, dass es mal mein Beruf sein würde, mich um Schildkröten zu kümmern. Aber ich sage immer: Jeder von uns hat eine Aufgabe zu erfüllen und etwas Gutes in der Welt zu tun. Vielleicht ist das hier der Job, für den ich bestimmt bin." Mach's gut, kleine Karettschildkröte.

Quelle: n-tv.de

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