Leben

In Vino Verena Wenn Männer gern an Socken schnüffeln

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Frauen in Socken und Peeptoes: Beliebt bei Fuß-, Schuh- und Socken-Fetischisten.

(Foto: imago)

Viele Männer frönen einem Fußfetisch. Social Media ist voll von Frauenfüßen, mal in Strümpfen, mal in High Heels. Unsere Kolumnistin über ihre Erfahrungen mit Männern, die gern an ihren getragenen Socken schnüffeln würden.

"Hallo, darf ich an deinen Socken schnuppern?", lauten die Text-Nachrichten oder: "Guten Tag, verehrte Lady, es wäre mir eine große Ehre, an Ihren getragenen Strümpfen zu schnüffeln." Liebe Leser, wir müssen heute über folgendes Thema sprechen: Männer und Füße, also nicht ihre eigenen schnuffigen Käsemauken, sondern die der Damenwelt. Füße sind nämlich das sexuelle Begehr der Fußfetischisten, die Erfüllung all ihrer feuchten Träume. Aus medizinischer Sicht ist es übrigens fraglich, ob ein Körperteil überhaupt ein Fetisch sein kann.

Eins vorab: Mich interessiert nicht die Bohne, welchen Fuß-, Schuh- oder Socken-Fetisch Männer haben, erst recht nicht fremde Männer. Was mich nervt, ist, wenn es diesen Männern offensichtlich schnurz ist, vollkommen fremde Frauen ungeniert mit ihren Wünschen vollzustrullen. Machen die einfach! Keinerlei Hemmungen.

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Dieses hocherotische Socken-Bild der Autorin sorgte in der Sockenfetisch-Szene für Aufmerksamkeit.

Neulich habe ich einen Bericht gesehen, in dem sich die Moderatorin Gülcan Kamps darüber beklagte, immer wieder Anfragen von Männern bezüglich ihrer Füße und Schuhe zu erhalten. Ihr schrieben Fremde, die gern bereit seien, ihr ein ordentliches Sümmchen zu zahlen, um in den Besitz ihrer getragenen Schuhe zu gelangen. Kamps empfindet derlei Anfragen inzwischen als Belästigung, was sie auch sind.

Das sehen aber nicht alle Frauen so. Die DJane Giulia Siegel zum Beispiel findet es hingegen okay, für ihre männlichen Fans mit Fußfetisch Fotos von ihren Füßen in ihrem Instagram-Feed zu veröffentlichen. Schließlich gehören die Leute aus der Fetisch-Szene zu ihren Followern und bei denen kann man sich ja ruhig mal erkenntlich zeigen und ein bisschen zusätzlich Asche machen, indem man getragene Schuhe regelmäßig an Fußfans verhökert. Die Einnahmen spende sie für einen guten Zweck.

Schnuppern, lecken, Kartoffelbrei mit Füßchen stampfen

Okay, beide Damen sind bekannt und stehen in der Öffentlichkeit. Sie flanieren über den roten Teppich und tragen Sandalen oder Peeptoes, deren Anblick in der Fußfetisch-Szene zu unkontrolliertem Speichelfluss führt, aber: Wieso schreiben Fußfetischisten und Socken-Schnüffler mir? Ich bin weder berühmt noch gibt es Fotos von meinen nackten Füßen! Es gibt lediglich eins, zwei lustige Fotos, die meine bunt besockten Füße in ollen Latschen zeigen. Die Bilder sind ungefähr so erotisch wie Fußpilz. (Nicht, dass ich welchen hätte, aber der Vergleich passt hier einfach 1A.)

Wieso also die Frage von Männern, ob sie an meinen Socken schnüffeln dürfen? Okay, ich merke schon, es ist der falsche Ansatz, in dieser Sache mit Logik zu argumentieren. Dennoch: Diese Frage lässt mich nicht los. Was mich dabei ebenfalls nervt, ist meine verfluchte Neugier. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Fetisch-Metier nicht bewandert bin. Nicht falsch verstehen, ich habe eine blühende Fantasie. Ich denke: Klar, von mir aus, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Der eine schnuppert gern an Socken, der andere leckt gern die Gummistiefel von Tante Elsbeth ab, ein dritter liebt es, wenn seine Monika ihm den Kartoffelbrei mit ihren nackten Füßen stampft. Schuhfetischist, Fußfetischist, Zehen-Onkel. Bitteschön! Aber was habe ich damit zu tun?

Ein wenig, so glaube ich, habe ich mich in diese Bredouille selbst hineinmanövriert. Meine Social-Media-Profile sind öffentlich und unter meinen Texten steht meine E-Mail, damit Leser mir schreiben können. Klar gibt es immer mal Heinis, die einen beleidigen, aber so etwas nehme ich mir selten zu Herzen. Früher, das gebe ich zu, hat mich das manchmal getroffen. Weil ich so ein Sensibelchen bin und die Leute, die mir beleidigende Dinge schrieben, dann jedes Mal fragen wollte, ob sie, wenn sie vor mir an der Kasse bei Edeka stünden, auch "Ungebumste Bitch!" zu mir sagen würden.

Exklusiver Socken-Vertrieb aus dem Hause Dittrich

Hatte ich mal wieder eine Socken-Schnupper-Anfrage, fand ich das anfangs wirklich amüsant. Meine Murmel hat dann gleich gerattert. Denn Freiberufler wie mich plagen des Öfteren Existenzängste. Früher hatte ich, wenn ich über meine Rente und mein Leben im Alter nachdachte, manchmal Albträume. Ich träumte, wie ich, nur mit einem Flatterhemd bekleidet, auf einem langen Flur mit sehr hässlichem Linoleum entlangschlurfe. Unterm Arm trage ich eine Bettpfanne. Das war der Traum. Immer derselbe. Nur ich und die Bettpfanne. Und das Flatterhemd.

Sollte mich mal wieder eine Schreibkrise überkommen, flachste ich mit Freunden herum, orientiere ich mich beruflich einfach um und eröffne einen exklusiven Socken-Vertrieb. Hey, witzelte ich, ich werde der CEO meines eigenen Dittrich-Imperiums und verhökere Strümpfe, die sich die Schnüffler quer übers Gesicht legen - bis ich Spätzünder merkte: Ach, das gibts ja schon!

Bei meiner Recherche stieß ich auf immer schrägere Geschichten. Mir schrieben Frauen, sie würden mit dem Verschicken ihrer getragenen Socken (und ihrer Unterwäsche) ihr komplettes Studium finanzieren. Manchmal seien Extrawünsche dabei, die ich hier aus Jugendschutzgründen nicht benennen kann, denn n-tv.de ist auch bei jungem Publikum sehr beliebt, müssen'se wissen. Aber diese vielen Accounts, auf denen man nichts als Füße, mal mit Socken, mal in High Heels sieht, fand ich dennoch faszinierend.

Es ist vollkommen legitim, wenn Menschen ein Körperteil mehr erregt als ein anderer. Quentin Tarantino beispielsweise soll ein Fußfetischist sein, sogar Goethe sei süßen Quadratlatschen nicht abgeneigt gewesen. Verständlich, denn laut Wissenschaft sind Füße und sexuelle Erregung nicht unbedingt zwei verschiedene Paar Schuhe. (Sorry, der Flachwitz musste jetzt einfach sein!) Denn die Hirnareale der Füße liegen dicht neben denen der Genitalien, sodass es im Gehirn, so der Neurowissenschaftler Vilayanur S. Ramachandran, zu Stimulationen beider Areale kommen kann. Kein Wunder also, "warum es uns so viel Vergnügen bereitet, wenn man an unseren Zehen lutscht".

Lustobjekt Fuß, Socke oder Schuh: Schnuppern, lecken, lutschen ("Toe-Sucking"). Bitteschön, gerne, jeder nach seiner Fasson! Aber meine Füße wie meine Socken gehören mir, ist das klar?

Quelle: ntv.de