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"Bin ein belastbares Mädchen" Barbara Schöneberger kommt auf Tour

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Für jeden Spaß zu haben: Barbara Schöneberger.

(Foto: Benno Kraehahn/Charlotte Eis Manufaktur)

Mit Barbara Schöneberger zu sprechen, ist immer inspirierend. Dass sie mehr als eine Vokabeldusche ist, dürften auch ihre Kritiker wissen. Momentan kommt man an ihr eh nicht vorbei - warum also sollten wir? Mit n-tv.de redet sie über ihre Tour, die zwar erst im Herbst 2020 beginnt, aber besser zu früh als zu spät.

Natürlich reden wir erstmal noch ein bisschen über diesen "Ausrutscher" und den folgenden Shitstorm, den Barbara Schöneberger vor ein paar Wochen auf Instagram ausgelöst hat: Was sie sagen wollte, war, dass sie auf Typen steht, die nicht länger im Bad brauchen als sie. Was rauskam, war, dass sie in eine Schublade gesteckt wurde, die schon fast zur Homophobie wurde. Das ist natürlich absoluter Blödsinn, sie hat sich entschuldigt, fand sich selbst "fast schon zu militant, das bin ich doch gar nicht" und wundert sich über die Reaktionen, die in ihr nicht das Gute, sondern das Böse vermuten. Merkwürdig, wie schnell das gehen kann, wie schnell man missverstanden und in eine andere Ecke gesteckt wird. Naja, sie wird es verkraften, ihre Fans auch, und deswegen kommen wir auch geschwind zu anderen Themen: Kinder, Konzerte und Kälte. Denn Eis macht sie nun auch.

n-tv.de: Was hast du mitgenommen aus diesem "Skandal", der vor ein paar Wochen über dich hineingebrochen ist und so wirkte, als wolle man dich auch gar nicht verstehen?

Barbara Schöneberger: Was ich gelernt habe, ist, dass Instagram kein "Nebenbei"-Medium ist, sondern für viele das Evangelium bedeutet. Und das muss man dann zur Kenntnis nehmen. 

n-tv.de: Es ist schon erschütternd, was für ein Schrott im Netz landen kann, was für Post man bekommt und wie schnell man verurteilt wird. Das ist aber wohl der Gang der Dinge …

Anscheinend ist dies eben der Weg, sich momentan mitzuteilen, sich auszutauschen. Das ist vielleicht eine Zeiterscheinung. Ich bin mir aber sicher, dass es früher genauso viele gab, die einen doof fanden, nur haben jetzt eben alle die Möglichkeit, das relativ anonym rauszulassen. Also, wenn ich was gelernt habe in meinem Kommunikations-Studium, dann, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung.

Meine Kern-Erkenntnis war immer dieses Bild vom "Sender-Empfänger-Problem".

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Tausendsassa: Nach eigenem Magazin und eigener Radioshow jetzt auch noch eigenes Eis. Schöneberger ist an der "Charlotte Eismanufaktur" beteiligt.

(Foto: Benno Kraehahn)

Es ist das, was ganz groß gehypt wird, auch wenn der überwiegende Teil der Menschheit das wohl nicht mitkriegt, was auf meinem Instagram-Account so los ist. Ich hatte aber auch den Eindruck, dass es Menschen gibt, die mir folgen und die ihre Arbeit für mehrere Tage niedergelegt haben müssen, um sich erstens von dem, was ich gesagt habe, zu erholen, und zweitens, um permanent posten zu können. Da kommt bei diesen Themen so eine politische Message rein, die mir eher fern liegt.

Weil du eigentlich denkst …

… dass jeder machen kann, was er oder sie will! Natürlich! Das könnte man auch wissen, wenn man sich so intensiv mit meinem Instagram-Dasein beschäftigen würde. Ich war erstaunt, wie jung die Leute sind, die mir folgen! Was ich wirklich gelernt habe, ist, dass da eine Generation nachwächst, die sehr offen ist und "alles ist möglich" denkt - und das wäre nun wieder toll, wenn das so wäre. Wenn die jungen Leute sagen, jeder kann alles machen! Und wenn die das dann auch durchziehen dauerhaft, dann freue ich mich auf die Zukunft!

Wenn wir tatsächlich alle so leben können, wie wir wollen, ist das natürlich toll. Wie verklemmt man doch früher war …

Genau! Ich bin nun wirklich schon immer dafür, dass jeder sein Leben so lebt, wie er es möchte! Und ich finde nach wie vor, dass der Normalo-Mann - in meinen Augen! - sich nicht die Pickel abdecken oder sich Highlighter ins Gesicht schmieren sollte, wenn es in der Nacht vorher spät wurde. Wenn sich aber ein Mann durch Make-up ausdrücken und seine Individualität herausstellen möchte, dann kann er sich natürlich auf jeden Fall schminken. Und dass Kai Pflaume in seiner Sendung abgepudert wird, ist mir durchaus bewusst! Ich hatte wirklich ein bisschen Angst, dass ich auf so eine "Ja, aber …"-mäßige Schiene abrutschen könnte, aber das ist ja zum Glück nicht passiert. 

Hattest du so einen "Shitstorm" schon einmal zuvor?

Nein. In meiner tatsächlich schon 20 Jahre währenden Karriere ist mir so ein Gegenwind noch nie ins Gesicht geblasen, ich dachte nur: "Ach Mensch, so fühlt sich das also an". Bei mir sind ja eigentlich alle immer nur nett, denn ich tue ja niemandem wirklich weh.

Meckern ist ja auch erstmal einfacher, das können die meisten ganz gut. Aber jetzt mal Schwamm drüber. Worüber wollten wir eigentlich reden?

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Immer gut gelaunt? Tatsächlich ja.

(Foto: Benno Kraehahn)

Ja, wenn ich das wüsste! Es geht wohl um meine Tour, die allerdings erst im nächsten Herbst beginnen wird. Ich gucke in meinem Kalender ja immer bloß bis zur nächsten Woche! Mich interessiert nur, wann ich meine Kinder wo hinbringe oder abhole.

Du wirkst immer irre gut vorbereitet und gut gelaunt - bist du nie nervös?

Doch. Ich bin grundsätzlich nicht nervös, aber bei einer Tour schon. Da haben die Leute Geld bezahlt, sie können nicht umschalten, da sind sie extra hingekommen. Die Menschen geben mir ihre Zeit, da stelle ich mich nicht hin und sage: "Hach, mir ist heute nicht so …" Jetzt inzwischen hab' ich die Songs auch wirklich drauf, du kannst mich nachts um drei wecken und ich singe dreistimmig sofort los! Ich war mit den Songs inzwischen auch schon auf Tour, aber tatsächlich - jetzt halt dich fest - konnten wird nicht alle Fans bedienen. Die Nachfrage war größer als das Angebot!

Der beste Fall!

Ja, wir gehen jetzt mehr in den Süden. Aber wir sind auch in Berlin. In der Verti Music Hall, da war ich noch nie. In Berlin bin ich übrigens immer sehr aufgeregt …

… weil du Leute im Publikum kennst?

Ja, es kommen mein Mann, die Familie und Freunde. Und das sage ich jetzt nur, weil es eh alle wissen. Sie kaufen sich sogar Karten. Für mich ein schönes und schreckliches Gefühl gleichzeitig.

Was war denn ein wirklich schlimmer Moment bei einem Konzert?

Wie es so meine Art ist, rede ich auch gerne über körperliche Makel, zum Beispiel habe ich den Bleistift-Test erwähnt, den kennst du?

Den kennt jede Frau …

Genau, aber nicht jeder Mann und auch nicht die Schwiegereltern. Meine Schwiegermutter hat sehr gelacht, als ich erwähnte, dass ich ein komplettes Federmäppchen unter meine Brust klemmen kann, aber ich dachte schon hinterher, dass sie sich das vielleicht ganz anders für ihren Sohn vorgestellt hat!

Sagt dein Mann denn manchmal was? Du lässt ja vieles raus …

Ich glaube, ich habe im Laufe der Jahre gelernt, Privates so neutral zu formulieren, dass man auf keinen Fall sein Gesicht vor Augen hat. Ich sage zum Beispiel nie: "Ich mag bei meinem Mann besonders, dass … " sondern ich sage: "Ich mag Männer, die …" Aber natürlich ist er da irgendwie mit drin. Ich mag es übrigens überhaupt nicht, wenn es total emotional wird. Ich bin lieber ironisch distanziert. Ich habe ernsthaft mal versucht, mit Peter Plate ein Liebeslied zu schreiben und er hat zu mir gesagt, dass er immer lachen muss. Er meinte, das passt nicht zu mir. Bei mir muss Ironie drin sein. Aber das passt nicht so gut zur Liebe, finde ich.

Humor passt gut zur Liebe …

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Wird nicht täglich bewundert - warum eigentlich nicht?

(Foto: Louis Buerk)

Total! Das ist wahnsinnig wichtig. Zum Glück hat meine Familie Humor und kann meine Ironie aushalten.  

Dein Mann wusste ja, was du machst, oder?

Als er mich noch so richtig gut fand, war ich gar nicht bekannt. Er ist trotz meines Bekanntsein mit mir zusammen und nicht deswegen. Das ist sicher eines der großen Geheimnisse einer Beziehung im Showgeschäft: Jeder macht seins und abends redet man zu Hause über etwas anderes. Ich werde nicht ständig bewundert.

Schade eigentlich … Wenn du zurückblickst auf dieses Jahr, woran denkst du?

Ich habe ein paar Frauengesichter vor meinem Auge: Das Gesicht von Greta Thunberg zum Beispiel, die es geschafft hat, dass jeder über Dinge nachdenkt, die auch unbequem sein können. Oder das Gesicht von Jacinda Ardern, die es in meinen Augen geschafft hat wie keine Zweite, nach dem Massaker in Neuseeland alles richtig zu machen. Wie sie danach aufgetreten ist, ist ein Muster an Beispiel, wie man mit Menschen umgehen sollte. Wie man mit einem ganzen Land umgehen sollte.

Nimmst du dir für 2020 etwas vor?

Ja, weniger arbeiten zum Beispiel. Ich habe zu oft gesagt: "Komm schnell, wir müssen los" oder: "Jetzt aber schnell Schuhe anziehen" - ich hatte überhaupt kein Laissez-faire mehr. Das nehme ich mir jedes Jahr vor, aber dieses Mal muss es so passieren! Ich bin dermaßen Effizienz-getaktet und getrieben, da wird man irgendwann ja bekloppt! Ich liebe meinen Beruf aber nunmal.

Verspürst du Druck, gut aussehen zu müssen?

Ach, das habe ich outgesourct. Früher, als ich es noch nicht einmal nötig hatte, habe ich an Abenden vor Shootings literweise Ingwertee getrunken und 'ne Maske aufgelegt - so was mache ich gar nicht mehr. Ich denk' mir, wenn ich doof aussehe, dann sollen die das doch bitte verpixeln.

Es kann ja nicht immer rund laufen!

Das stimmt, aber ich selbst habe ein Bild von mir im Kopf, das wohl aus der Zeit kurz nach dem Abitur aufgenommen wurde. Und ich denke heute noch, dass ich so aussehe! Mit diesem Glauben geh' ich vor die Tür. Auch wenn es tausendfach belegt wurde, dass meine Selbstwahrnehmung nicht stimmt, habe ich in mir dieses Gefühl, dass es so ist.

Kannst du schlecht nein sagen?

Es ist eine Abwägung zwischen "Will ich das machen?" oder "Ergibt das wirklich Sinn?" Wenn mich jemand um Hilfe bittet, dann sage ich zu, bei Herzensprojekten sowieso. Nein sagt meine Managerin für mich. Privat mache ich immer alles gern, ich lade ein, ich koche, auch zu Weihnachten oder Silvester, denn die - das hat meine kluge Schwiegermutter gesagt - die viel zu tun haben, die sagen auch zu weiteren Angeboten Ja, während die die nichts zu tun haben, sich oft raushalten aus allem Weiteren. Ich bin gerne ein belastbares Mädchen.

Mit Barbara Schöneberger sprach Sabine Oelmann

Tourdaten 2020:

27. Oktober Halle/Saale - Steintor Varieté
28. Oktober Stuttgart - Hegelsaal
29. Oktober Bremen - Metropol Theater
30. Oktober Nürnberg - Meistersingerhalle
2. November Weimar - Weimarhalle
3. November München - Philharmonie
4. November Düsseldorf - Tonhalle
9. November Hamburg - Laeiszhalle
10. November Mannheim - Rosengarten Mozartsaal
11. November Hannover - Kuppelsaal
12. November Berlin - Verti Music Hall

Quelle: ntv.de