Unterhaltung

Odenthal-"Tatort" Bizeps frisst Drehbuch

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Finden sich super: Odenthal und Lu.

(Foto: SWR)

Lena Odenthal ist ungefähr so charmant wie eine Sirene auf Steroiden - hat dafür aber tolle Oberarme. Das reicht Jürgen Vogel, um sich in die Kommissarin zu vergucken. Aber reicht es auch für einen guten Krimi?

Da sitzt er vor ihr, der vom Leben gezeichnete Geldeintreiber mit den dicken Muckis - und in Lena Odenthal kochen die Hormone hoch. "Tut es noch weh?", fragt die Hauptkommissarin den dringend Mordverdächtigen und streicht ihm sanft über eine schlecht verheilte Narbe im Gesicht. Wahrscheinlich eher nicht, denn der alte Silberrücken ist selbst ganz hin und weg von der Ermittlerin: "Sie haben aber einen gut definierten Bizeps!" Willkommen beim Ludwigshafener "Tatort", der sichersten Anlaufstelle für alle, die ihren Sonntagabend damit verbringen wollen, Dialogen aus der Drehbuchhölle zu lauschen und erstaunlich uninspiriertes Balzverhalten zu beobachten.

Aber von vorn: Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) muss den Mord an einem Killer aufklären, die Spur führt zu einem großen Chemiekonzern und einem weiteren Mord aus dem Jahr 1999. Der Mann, in dessen Armen der Ermordete damals sein Leben aushauchte, ist mittlerweile auf dem Sprung in die Vorstandsetage und packt bereitwillig über seinen ehemaligen besten Freund aus, der "damals offenbar immer tiefer in diese Drogengeschichte reingerutscht ist". Ein Saubermann, wie er im Buche steht - viel zu sauber für Odenthals Begriffe, die beschließt, ihn zu observieren.

Der Zahn der Zeit

Bis hierhin schleppt sich die Story enorm schwerfällig durch Ludwigshafen. Gut, dass kurz vor dem Griff zur Fernbedienung endlich Jürgen Vogel als Lu Wolff auftritt und Odenthal den Kopf verdreht. Vogel ist der Lichtblick in diesem sonst so mittelmäßigen "Tatort": Wie er melancholisch durch die Straßen seines "Lumpenhafen" flaniert und über die 15 Jahre grübelt, in denen er weg war, erzeugt mehr Stimmung als der Rest des Plots zusammen. Eine enorm körperbetonte Rolle, die Vogel wie auf den Leib geschneidert ist.

Leider bleibt Vogel so ziemlich das einzig Gute an "Lu": Die nervtötende Fahrstuhlmusik erinnert entfernt an einen schlechten Nick-Cave-Abklatsch und düdelt fast ununterbrochen, während über vielen Szenen ein merkwürdiger Grisselfilter liegt. Beides soll Ludwigshafen wahrscheinlich einen großstädtischen Charakter verleihen, führt aber lediglich dazu, dass der "Tatort" so aussieht, als wäre er zum Zeitpunkt des ersten Mordes in den späten 90ern gedreht worden. Übel auch das Finale, das dramatisch sein möchte, aber einfach nur dämlich ist.

Tja, und dann wäre da ja auch noch die Kommissarin, die wie eine Sirene auf Steroiden durch die Szenen rennt und fast pausenlos keift. Das ist nicht erst seit heute Odenthals anstrengendes Markenzeichen, gerade neben ihrer nicht mehr so neuen Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) und vor allem dem exzellenten Vogel reift aber immer stärker die Erkenntnis, dass Odenthal so langsam aufs Ermittleraltenteil gehört. Oder wie die auch nicht mehr ganz taufrische Ingrid van Bergen als verrentete Puffmutter bemerkt: "Mon dieu, Frau Kommissarin: An Ihnen hat der Zahn der Zeit aber auch genagt!"

Quelle: ntv.de