Unterhaltung

Totentanz beim "Tatort" Boerne und Thiel im Wechselschritt

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Thiel und Boerne - manchmal ist des Guten auch zu viel.

(Foto: dpa)

Tyrannische Tanzlehrer, schrullige Schnurrbart-Träger, Boerne tanzt sich um Kopf und Kragen und Thiel senior kotzt ins Auto - die Gags Marke Münster erleben diesmal ihre Inflation im Dreivierteltakt.

Links das Bein und rechts das Bein, die Herren machen Haufen und die Damen treten rein! Zugegeben - so eine Tanztruppe ist für das Boerne-Thiel-Tandem der ideale Schauplatz, bieten die Gecken und die Girls mit ihren steifen Hälsen, der Kunstbräune in den starren Gesichtern und den Motivations-Mantras des Schleifers am Tanzboden-Rand allein schon genug Stoff für das übliche Gag-Gezeter. Der Fall um das Wald-Skelett ist jedoch mit so grobem Dramaturgie-Keil geschnitzt, die Pointen derart Legion, als würde Autor Jan Hinter nach Stückzahl entlohnt. Die plot-säumenden Nebenschauplätze so zerfranst, zudem in weiten Teilen derart aneinandergebappt, dass das bloße Auge kaum folgen kann.

Selten wohl ist ein "Tatort"-Angestellter dabei so "zufällig" in den potenziellen Täterkreis hineingetänzelt wie Boerne (Jan Josef Liefers), dessen Manierismen zeitnah dann vielleicht doch mal vom psychologischen Dienst untersucht werden sollten. Damit Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) nach dem Verdienstorden für Alberich (ChrisTine Urspruch) auch den futterneidischen Boerne für so ein staatliches Ehren-Aluminium vorschlägt, muss der einen hohen Preis bezahlen. Sechs Doppelstunden Tangoschwof mit der Reibeisen-Diva - kein Spaß.

Allgemeinplätze von Joachim Llambi

Ort des Geschehens ist die Tanzsportgemeinschaft Münster, wo nicht nur der geheimnisumwitterte Schnurrenträger, Tanzpräsident und Orthopädie-Koryphäe Dr. Steul (Thomas Heinze) den Takt vorgibt, sondern auch das im Wald gefundene Skelett zu besseren Zeiten das Tanzbein geschwungen hat. Und dann gibt es da noch den übermotivierten Drill Instructor Andreas Roth (Max von Pufendorf), der mit Allgemeinplätzen aus dem geheimen Tagebuch von Joachim Llambi nur so um sich wirft. Ausdruck. Strahlen. Auf die Pirouetten achten. Schon vom bloßen Zuschauen bekommt man blutige Zehen.

Abseits davon flirtet Steul fremd, fahren sich Motorrad-Gangster die Beine ab, muss Alberich auch noch Tango tanzen, sammelt Vaddern bewusstseinserweiternde Fliegenpilze, die er post-halluzinogen ins Autopolster erbricht, bekommen einfüßige Mörder den Hammer in die Prothese geschlagen - das alles zu den Klängen von, natürlich, "Footloose". Und dann saturdaynightfevert Boerne auch noch im Paillettengewand durchs Hinterzimmer.

Nonstop Nonsens ohne Rhythmus

All das liest sich lustiger, als es zusammenpasst. Thiel (Axel Prahl) gibt den gönnerhaften Pommes-Vernichter, der sich mehr ins Fäustchen lacht als tatsächlich ermittelt, Vaddern gehört der Taxischein entzogen, Steul die Probation, Max von Pufendorf hätte eine Zweitmimik oder -geste ganz gut getan, dafür hätte man gern auf ein Dutzend oder zwei der wie von Stichwortkarten abgelesenen, ja, wie soll man das nennen, Gags, Pointen, was auch immer verzichten können.

An kaum einer Stelle gerät dieser Nonstop Nonsens in einen Rhythmus. Selbst das schwer erziehbare Hupfdohlen-Kombinat, in dessen Reihen sich, wenn schon nicht der Mörder, dann doch Vergewaltiger, K.O.-Tropfen-Verabreicher und weitere Mordopfer befinden, schafft irgendwann seine Choreografie. Das Münsteraner Ballett aber kommt diesmal nicht so richtig in den Tritt. Und wer sagt denn allen Ernstes noch "Emil" statt E-Mail?

Quelle: n-tv.de

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