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"Echolot" Der Bremer "Tatort" im Schnellcheck

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Können sie den Horror des digitalen Fortschritts noch stoppen?

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Was passiert, wenn das digitale Alter Ego plötzlich das Kommando übernimmt - und zum Mörder wird? Postel und Stedefreund reisen in die virtuelle Realität und müssen sich mit störrischen Avataren und Start-up-Nerds auseinandersetzen.

Das Szenario

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Weit weg davon, eine Maschine zu sein: Lürsen und Stedefreund.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vanessa Arnold (Adina Vetter) kommt bei einem Autounfall ums Leben, doch als Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) der Mutter die Nachricht vom Tode ihrer Tochter überbringen, meldet die sich am Telefon. Des Rätsels Lösung: Vanessas Avatar - kurz Nessa genannt - ist, ganz im Gegensatz zum analogen Original, putzmunter und erstaunlich eigenständig. Die Ermittlungen führen das Team zur IT-Enklave "Golden Bird Systems", deren männliches Personal Nessa erfunden hat und die so gar nicht begeistert waren von Vanessas Ambitionen, dem kostpieligen Projekt den Rücken zu kehren. Hat einer der leidlich unsympathischen Nerds Vanessa auf dem Gewissen?

Die eigentliche Botschaft

Die Geister, die ich rief: Was passiert, wenn die Maschinen das Kommando übernehmen? Die Festplatten sich selbst löschen, die Autos, die selbststeuernden, sich nicht nur verfahren, sondern zur tödlichen Falle werden. "Echolot" proklamiert die Auswirkungen des digitalen Zeitalters und thematisiert die verheerenden Fußangeln, die den Entwicklungsmöglichkeiten der Computertechnologie innewohnen. "O du Ausgeburt der Hölle! Soll das ganze Haus ersaufen? Seh' ich über jede Schwelle doch schon Wasserströme laufen. Ein verruchter Besen, der nicht hören will! Stock, der du gewesen, steh' doch wieder still!" heißt es in Goethes Zauberlehrling. Die digitale Besen-Variante namens Nessa erweist sich als ähnlich störrisch und ungleich konsequenter in ihrem Handeln. Die bösen, bösen Computer …

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Wieder so ein Fall mit merkwürdigem Ausgang: Hatten die Münchner in der Vorwoche einen Mörder entwischen lassen, können auch die Bremer diesmal am Ende keine Verhaftung verbuchen. Den Fall gelöst haben sie dennoch - Vanessa Arnold wurde von ihrer eigenen Digitalversion in den Tod kutschiert. Ein Killer aus dem Computer - eine Pointe, die sicher noch mehr geknallt hätte, gäbe es da nicht den Stuttgarter "Tatort" namens "HAL", der vor nur zwei Monaten ein sehr ähnliches Thema bediente.

Der Plausibilitätsfaktor

Das Thema ist nicht neu. Schon in den 80er Jahren versuchten sich Filme wie "Tron" oder "L.I.S.A. - der helle Wahnsinn" mal mehr, mal weniger ernsthaft am Thema "Eigenwillige Computer". Eine Dekade zuvor hatte Stanley Kubrick das Betriebssystem "HAL 9000" zum Quasi-Chef in "2001 - Odysee im Weltraum" gemacht und allein beim Namen des Bordcomputers des Klassikers "Alien" gruselt es einen immer noch: "Mutter" hatte hier das Kommando. Der Unterschied anno 2016: Die Grenzen zwischen Science-Fiction und Realität sind zunehmend aufgehoben. Sprachsteuerung, mitdenkende Handy-Assistentinnen und nichtzuletzt selbstfahrende Autos - längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern der Soundtrack des Hier und Jetzt, fatale Softwarefehler inklusive. So ist der Plausibilitätsfaktor, was den aktuellen Kontext angeht, durchaus hoch. Wie jedoch diese Start-up-Kaschemme, die aussieht wie eine Mischung aus Waldorfschule-Spielzimmer und Wohnaccessoires-Outlet, zur Spielwiese für das gemacht wird, was der Laie sich so unter Computerfreaks vorstellt (das Brain, der Boss und der unvermeidliche Rolli-Fahrer), ist ein Script mit zu vielen Nullen.

Die Bewertung

3 von 10 Punkten. Bremen im Cyberspace verhält sich zu den großen Originalen (siehe oben) wie "Pacman" zu "Call of Duty". In Teilen unterhaltsam, auf Länge ein Wimmelbild voller Allgemeinplätze und Klischees.

Quelle: n-tv.de

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