Unterhaltung

Kein Wettsingen in der Ukraine Der ESC 2023 findet in Großbritannien statt

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Kalush Orchestra haben zwar den ESC gewonnen, in ihrer Heimat findet er 2023 aber dennoch nicht statt.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Eigentlich richtet stets der Gewinner des Eurovision Song Contests den Wettbewerb im Folgejahr aus. Eigentlich. Denn nach dem Sieg der Ukraine in diesem Jahr muss erstmals seit über vier Jahrzehnten mit dieser goldenen Regel gebrochen werden. Großbritannien springt nun ein.

Dank des Votums der Zuschauerinnen und Zuschauer feierte die Ukraine beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) in Turin einen phänomenalen Sieg. Der Triumph der Formation Kalush Orchestra mit ihrem Song "Stefania" war dabei vor allem ein eindrucksvolles Zeichen der Solidarität mit dem vom Krieg erschütterten Land.

Doch die symbolträchtige Entscheidung brachte auch ein handfestes Problem mit sich: Wo bitte soll der ESC im kommenden Jahr denn nun stattfinden? Seit 1958 ist es mit wenigen Ausnahmen Tradition, dass der Gewinner im Folgejahr den Wettbewerb austragen darf. Letztmals wurde von dieser Regel 1980 abgewichen, als der ESC im niederländischen Den Haag über die Bühne ging, obwohl im Jahr zuvor Israel die Gesangskrone erobert hatte.

Damals waren allerdings nicht etwa Sicherheitsbedenken der Grund, weshalb Israel freiwillig auf die Austragung verzichtete. Vielmehr ging es ums Geld. Israel gewann den ESC 1979 nämlich bereits zum zweiten Mal in Folge - vor heimischem Publikum in Jerusalem. Das Land sah sich jedoch außerstande, die Veranstaltung direkt im Anschluss noch ein weiteres Mal finanziell zu stemmen.

Zuschlag für den Zweitplatzierten

Im Falle der Ukraine spielt unterdessen natürlich die Gefährdungslage die entscheidende Rolle. Niemand kann aktuell schließlich vorhersagen, ob die Gefechte in dem Land im kommenden Jahr vorbei sein werden. Den ESC in einem Kriegsgebiet abzuhalten, ist jedoch unvorstellbar.

Zwar betonte die Ukraine zuletzt demonstrativ, den Umständen zum Trotz eine Austragung im eigenen Land anzuvisieren. Doch nach dem ESC ist vor dem ESC. Und so beginnen alsbald auch schon wieder die Vorbereitungen auf die Veranstaltung im kommenden Jahr. Da die Zeit drängt, wurde nun eine endgültige Entscheidung getroffen. Und die lautet: Der ESC 2023 findet in Großbritannien statt. In dem Land also, dessen Vertreter Sam Ryder mit "Space Man" in Turin den zweiten Platz ergattert hatte.

Dies gaben die Europäische Rundfunkunion (EBU) als Veranstalter und die BBC als ausrichtender Sender des Contests im kommenden Jahr bekannt. Doch auch die ukrainische Rundfunkanstalt UA:PBC sei in die Entscheidung einbezogen gewesen und habe der Verlegung der Veranstaltung nach Großbritannien letztlich zugestimmt, heißt es.

Gemeinsames Konzept

"Wir sind außerordentlich dankbar, dass die BBC eingewilligt hat, den Eurovision Song Contest 2023 in Großbritannien durchzuführen", zeigt sich der ESC-Chef der EBU, Martin Österdahl, erleichtert. Dabei solle auch sichergestellt werden, dass die Ukraine im Zuge der Veranstaltung angemessen gefeiert und gewürdigt werde.

"Der Eurovision Song Contest findet 2023 zwar nicht in der Ukraine statt, aber in Solidarität mit ihr", erklärt wiederum Mykola Chernotytskyi von UA:PBC. "Ich bin zuversichtlich, dass wir zusammen den ukrainischen Spirit zu der Veranstaltung bringen und einmal mehr ganz Europa rund um unsere gemeinsamen Werte vereinen können: Frieden, gegenseitige Unterstützung und die Freude an Diversität und Talent", fügt er hinzu.

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Für die BBC wiederum äußert Tim Davie sein Bedauern, dass die Kolleginnen und Kollegen aus der Ukraine den Wettbewerb nicht im eigenen Land austragen könnten. Darum gebeten zu werden, "den größten und aufwendigsten Musikwettbewerb der Welt zu veranstalten", sei jedoch "ein großes Privileg", ergänzt er. In Zusammenarbeit mit Vertretern von UA:PBC solle nun ein gemeinsames Konzept für die Show erarbeitet werden.

Neben den sogenannten "Big Five" - Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien - sei auch die Ukraine als Vorjahressieger selbstverständlich für das ESC-Finale gesetzt, heißt es. In welcher britischen Stadt die Veranstaltung letztlich über die Bühne gehen wird, stehe dagegen noch nicht fest. Ab sofort könnten sich potenzielle Austragungsorte bewerben. Die Entscheidung werde in den kommenden Monaten getroffen.

Quelle: ntv.de, vpr

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