Unterhaltung

Undercover in die Langeweile Der Franken-"Tatort" im Schnellcheck

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Kommissar Voss (Fabian Hinrichs, 2.v.r.) schmuggelt sich in die Flüchtlingsunterkunft.

(Foto: BR)

Ein brennendes Flüchtlingsheim, ein radebrechender Kommissar im Trainingsanzug und ein junger syrischer Flüchtling sind die Hauptzutaten des neuen "Tatorts". Dass in Bamberg vor allem Langeweile statt Krimispannung herrscht, liegt allerdings vor allem daran, dass dieser Fall auf zu vielen Hochzeiten tanzen möchte.

Das Szenario

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Basem (Mohamed Issa) hat gerade herausgefunden, wer Voss eigentlich wirklich ist.

(Foto: BR)

Ein Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft erschüttert das pittoreske Bamberg: Die Gemeinschaftsküche brennt fast bis auf die Grundmauern nieder, in den Flammen stirbt eine junge Afrikanerin. Weil der Tod der Frau mehr als rätselhaft erscheint, will Kommissarin Ringelhahn (Dagmar Manzel) nicht nur den Absender des Molotowcocktails ausfindig machen, sondern muss gleichzeitig nach einem zweiten Täter im Heim suchen. Gut, dass ihr Kollege Voss (Fabian Hinrichs) gerade aus dem Tschetschenien-Urlaub zurückgekommen ist und - quod erat expectandum - den perfekten Undercover-Flüchtling abgibt.

Mit Trainingsanzug und gruselig schlechtem Akzent bewaffnet macht sich Voss an die Arbeit und muss schnell erkennen, dass im Flüchtlingsheim Freud und Leid sehr dicht beieinander liegen: Schnell wird er zum Ersatzvater des jungen Syrers Basem, trinkt Bier mit seinen neuen Freunden, lässt sich von Neonazis verprügeln und putzt schwarz für 6,50 Euro die Stunde. Einen Mörder findet Voss im Heim zwar nicht, draußen aber bekennt sich ebenjener Neonazi, mit dem er sich tags zuvor noch angelegt hat, zum Anschlag auf die Unterkunft.

Die eigentliche Botschaft

"Am Ende geht man nackt" beschränkt sich nicht nur auf eine Botschaft, sondern schöpft so ziemlich alles ab, was das Flüchtlingsmotiv momentan so zu bieten hat: Alltagsrassismus, Behördenwahnsinn, kriminelle Flüchtlinge, und, und, und. Das Problem dabei: Regisseur Markus Imboden hakt die Themen in so rascher Folge ab, dass kaum mehr als ein oberflächlicher Klischeebrei übrigbleibt.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Dieser "Tatort" bleibt so blass, worüber sollte man da schon reden?

Der Plausibilitätsfaktor

Durchwachsen. Klar, jedes einzelne der angeschnittenen Probleme existiert so wirklich und auch der Alltag in einer Flüchtlingsunterkunft wird halbwegs glaubwürdig dargestellt. Die alles durchdringende Oberflächlichkeit raubt dem Streifen aber viel von seiner Glaubwürdigkeit.

Die Bewertung

4 von 10 Punkten. Oder in Worten: viel gewollt, wenig geschafft. Das ist vor allem deshalb schade, weil das fränkische Ermittlungsteam in den ersten beiden Fällen so vielversprechend gestartet ist. Bleibt nur zu hoffen, dass die Macher in der nächsten Folge wieder zu ihrem ursprünglichen Ansatz zurückkehren: einer behutsamen und glaubwürdigen Charakterentwicklung.

Quelle: n-tv.de

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