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"Mad Men" haben ausgedient Die Niederlage des Alpha-Manns

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Der "Mad Men"-Cast spielte sich durch ein Jahrzehnt amerikanische Geschichte.

(Foto: Twitter/MadMen_AMC)

Es ist das Ende einer Ära. So jedenfalls haben die "Mad Men"-Macher ihr großes Finale beworben. Auf dem harten Pflaster des US-amerikanischen Kapitalismus suchen Don Draper und seine Kollegen verzweifelt nach ihrem Happy End.

Nach Einbruch der Dunkelheit betritt Don Draper sein New Yorker Apartment, knipst das Licht an - und wieder aus. Nach sieben Staffeln der Serie "Mad Men" kann auch er seiner Einsamkeit nicht länger entfliehen. Weil er die Leere in seinem Leben nicht sehen will, sitzt er im Dunkeln. Don Draper fürchtet weder Sieg noch Niederlage. Klienten, Kontrahenten und Gespielinnen hat er routiniert um den Finger gewickelt, um ihnen schließlich zu erliegen. Doch Don Drapers größte Angst ist es, nicht geliebt zu werden.

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(Foto: Twitter/MadMen_AMC)

Ein letztes Mal entführte der Fernsehsender AMC seine Zuschauer in der vergangenen Nacht in das Amerika des trinkenden Mannes, der unterwürfigen Frauen und der vollen Aschenbecher. "Mad Men" war mit einem immer aufrichtig: Statt die Welt der Werbung in den 60er Jahren zu romantisieren oder zu veredeln, zeigte die Show ein Jahrzehnt, wie es war. In einer Zeit, in der Kapitalismus Werte gänzlich zu verdrängen droht, trösten findige Werber wie Don und seine Kollegen ihre Zeitgenossen mit billigen Konsumgütern.

Zerstörung und Neuanfang

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(Foto: Twitter/MadMen_AMC)

Don ist durch Zufall zum Wunderkind der Werbeindustrie geworden. Das Geschäft hat ihn zynisch gemacht und ihm alle Hoffnung geraubt. Über die Staffeln hinweg konnten die Zuschauer dabei zusehen, wie er wirklich jeden Karren gegen die Wand setzt, die Ruinen seiner Rücksichtslosigkeit niederbrennt und ein paar Flaschen Whiskey leert, nur um irgendwo anders mit irgendwem anders neu anzufangen. Was er hat, sind Konzepte: eine Kampagne, eine Ehe, ja, selbst seine eigene Identität. Doch im Erfundenen kann er sich nicht geborgen fühlen. Don Draper ist ein Mann, der den Neuanfang liebt und nun sein Ende finden muss.

"Mich interessiert, wie Menschen mit Veränderungen umgehen", erklärte Matthew Weiner, der Macher des Formats, einmal seinen Antrieb. "Blicken sie der Veränderung freudig entgegen oder fürchten sie, alles zu verlieren, was sie kennen? Realisieren Menschen Veränderung überhaupt?" Während Don im Kreislauf von frischem Glück und alter Depression gefangen zu bleiben scheint, haben sich andere Protagonisten bei "Mad Men" deutlicher weiterentwickelt. Insbesondere die Frauen, die im Handlungszeitraum dramatisch schlechtergestellt waren als Männer, haben sich als charakter- wie willensstarke Individuen hervorgetan.

! Achtung Spoiler !

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(Foto: Twitter/MadMen_AMC)

Die einstige Ober-Sekretärin Joan Harris schießt den megareichen Charmeur in den Wind. Nicht, weil er sie nicht glücklich macht und auch in Zukunft machen könnte, sondern weil sie nicht bereit ist, ihre Karriere und damit ihre hart erkämpfte Freiheit aufzugeben. Auch als Partnerin einer Werbeagentur ist sie beruflich noch nicht angekommen. Sie will ihre eigene Firma gründen. Peggy Olsen hingegen, die sich als Ex-Sekretärin seit Beginn der Serie als unabhängige Karrierefrau etabliert hat, bekommt von den "Mad Men"-Machern ein überraschend romantisches Happy End zugeschnitten, während Dons Ex-Frau Betty mit Blick auf ihren nahen Tod nach Jahren der Unbelehrbarkeit zu Vernunft zu finden scheint.

Vielleicht sind die eher unerwarteten Schicksalswendungen dieser drei Charaktere der letzte Geniestreich der Show in puncto Frauendarstellung. Vor komplexen und vor allem facettenreichen Protagonistinnen ist "Mad Men" noch nie zurückgeschreckt. Schlussendlich stehen Betty, Peggy und Joan repräsentativ für die Frauen einer Zeit: Betty versucht, alte Werte hochzuhalten, Peggy sagt Männern offen den Kampf an und Joan errichtet ihr Imperium hinter dem Schleier ihrer Weiblichkeit.

Während der "Mad Men"-Cast in der finalen Episode der Show die letzten Hürden nimmt oder jedenfalls angeht, ist Don noch auf der Flucht. Ob er merkt, dass er seiner Vergangenheit nicht entkommen wird, als er im Kreise liebevoller Yoga-Enthusiasten für einen Fremden so viel Empathie zeigt, wie vielleicht noch nie zuvor für jemanden? "Mad Men" liefert kein Happy End im klassischen Sinne, doch die finale Folge signalisiert Hoffnung, auch für den gebrochenen Alpha-Mann Don: Wer aufhört, wegzurennen, kann endlich auf ein Ziel hinsteuern.

Quelle: ntv.de