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Der Luzerner "Tatort" im Check Die Schweiz, ein Kriegsverbrecherparadies

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Nura (Yelena Tronina, r.) und Nurali (Joel Basman) haben unterschiedliche Vorstellungen davon, mit der Vergangenheit umzugehen.

(Foto: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler)

Unerkannt lebt ein mutmaßlicher Kriegsverbrecher aus den Tschetschenien-Kriegen im beschaulichen Luzern. Die Ruhe hält nicht lange, denn seine Nichte möchte sich an ihm rächen. Ob es Spaß macht, ihr dabei zuzusehen, lesen Sie hier.

Das Szenario

Die junge Tschetschenin Nura (Yelena Tronina) schmuggelt sich an Bord eines Spargeltransporters in die Schweiz und schlägt sich mit einer Pistole im Gepäck bis nach Luzern durch. Dort wohnt nicht nur ihr Zwillingsbruder Nurali (Joel Basman), den sie seit mehr als 20 Jahren nicht gesehen hat, sondern auch ihr Onkel Ramzan Khaskhanov (Jevgenij Sitochin). Die glückliche Familienwiedervereinigung muss allerdings ausfallen, weil Nura an ebenjenem Onkel Rache nehmen will: Angeblich hat Khaskhanov die Mutter der beiden Zwillinge im zweiten Tschetschenien-Krieg mit Drogen vollgepumpt, um sie dann als "Schwarze Witwe" zur Selbstmordattentäterin zu machen.

Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) erfährt von dem ganzen Schlamassel, als er sich gerade auf dem Balkon eines Luzerner Hotels vom Sex mit seiner heimlichen Geliebten erholt - und just in dem Moment ein investigativer Journalist aus einem höhergelegenen Stockwerk an dem Kommissar vorbeisegelt. Der ermordete Reporter war dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher genauso wie Nura und der russische Geheimdienst auf den Fersen - mit der Luzerner Mordkommission mischen dann auch noch Flückiger und seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) bei der Hatz mit.

Die eigentliche Botschaft

Dünn ist die Decke der Zivilisation: Der letzte Krieg in Tschetschenien mag seit fast 20 Jahren vorbei sein - aber über die Wunden, die die Gräueltaten in Grosny und anderswo gerissen haben, ist bestenfalls ein dünner Schorf gewachsen. Immer noch laufen die Kriegsverbrecher von damals frei herum, manche sind vielleicht sogar unsere Nachbarn.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Die haarsträubenden Zufälle in diesem "Tatort": Wie praktisch, dass der Kommissar sich ausgerechnet in dem Moment  am richtigen Ort vom Liebesspiel erholt, in dem im beschaulichen Luzern ein Mensch ermordet wird. Dass später ausgerechnet in dem BMW, mit dem Kashkanov seinen Neffen entführt, ein neuartiges Ortungssystem installiert ist, passt da perfekt ins Bild.

Der Plausibilitätsfaktor

Mittelmäßig. Die Story an sich ist spannend und nachvollziehbar: Es ist mehr als nur wahrscheinlich, dass in Mitteluropa immer wieder Kriegsverbrecher aus den globalen Konfliktherden untertauchen und ein neues Leben beginnen. All die merkwürdigen Zufälle zerstören allerdings viel Atmosphäre. Wie es besser geht, haben im vergangenen Jahr die Kölner Ermittler bewiesen.

Die Bewertung

6 von 10 Punkten. Wer in punkto Plausibilität ein Auge zudrücken kann, sich ganz der Kriegsverbrecherhatz hingibt und obendrein noch die gewohnt furchtbare Nachsynchronisation erträgt, kann mit "Kriegssplitter" durchaus vergnügliche 90 Minuten haben.

Quelle: ntv.de