Unterhaltung

"Promi Big Brother" - Tag 4 "Die härteste Herberge der Welt!"

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Elene und Emmy im Tal der Tränen.

(Foto: Sat1)

Senay möchte heim, Elene möchte auch heim und Emmy möchte ein schöner Schwan sein. Tag 4 im Camp ist ein Tag der Tränen und ein Drama in fünf Akten. Am Ende bleibt der schönste Dialog der Welt und ganz viel Respekt.

"Ihr ganzer Erfolg beruht auf Porno", krakeelt das Emmy-genervte Rumpelstilzchen durchs Unterholz. Es ist die akute Kippenlosigkeit, die dem bärtigen Suchti schwer zu schaffen macht. Aber, Moment, war das nicht alles schon an Tag 3? Stimmt genau! Aber die Sat-1-Cutter scheinen beim letzten Binge Watchen übel hängengeblieben zu sein und befinden sich derzeit komplett auf dem "Dark"-Trip: Alles kunterbunt zusammengelötet - mit wildesten Zeitsprüngen. Was gestern war, kann ja auch nächste Woche noch gezeigt werden und - ui, hier ist noch ein Schnipsel von 2000 - den nehmen wir ruhig auch noch mit rein, weil es thematisch so schön passt. So sehen wir die sprechende Gesichtshecke gefühlt pausenlos Respekt einfordern, während er selbst Frauen mit "Schatzi und Fräuleinchen" anbellt, statt sie respektvoll mit ihren Namen anzusprechen.

Hier der Überblick über Tag 4 - ein Drama in fünf Akten:

Erster Akt: Schlecht gelaunt und unterteert startet der Berliner Brüllrülps in den Tag. Menschen, die ihm 'Guten Morgen' sagen, wollen ihn höchstwahrscheinlich "hintenrum f*****" und sowieso: Es mangele den Damen an "Respekt". Die respektlose Hirnblonde sei "Fake" und "spiele allen an den Eiern rum". Katy Bähm versucht den Märchenwald-Rasputin ein bisschen runterzuholen; das macht den Terrorkrümel aber nur noch gereizter. Senay auf die Frage, ob er für die Jüngeren nicht lieber "ein Vorbild" sein möchte: "Ich bin kein Vorbild! Erzähl mir nie wieder, ich wäre ein Vorbild! Was lernst du in der Sendung hier? Das ist Unterhaltungsfernsehen mit Trash-Promis, die sich in Problemsituationen an die Gurgel gehen." Womit er natürlich vollkommen recht hat.

Zweiter Akt: Elene, die - und das ist sehr sorgenvoll gemeint - eher den Eindruck macht, psychisch labil zu sein, traut sich nicht, dem "Meckerfritzen" die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, die da lautet: Der Senay soll bitte nicht auf ihrem Bett sitzen, weil dann möglicherweise des Senays "negative Energie" auf die Laken der Poltergeist geplagten Elene abfärbt. Sie weint viel, fühlt sich hilflos und der Konfro mit dem Garstling in keinster Weise gewachsen. Auch Jasmin braucht jetzt nicht "einen auf Gandhi machen" und den von den Menschen "Verletzten" belatschern: "Die sind alle da, um zu gewinnen und die werden dich f***** für diese 100.000 Euro". Dem Fighter für die Ehre geht’s nicht um die Kohle, sondern - jahaaaaa - wir haben es verstanden, um den "Respekt".

Dritter Akt: Elene möchte ob des Seelenstresses heim zu ihrem Poltergeist. Indes echauffiert sich der Bärtige weiter über "die Mädels". Seine fulminante, bahnbrechende Erkenntnis: "Sie sind anders drauf, als sie hier vorspielen". Die Gruppe sei keine Gruppe, sondern ein "Zirkus". Die Lage spitzt sich zu, denn plötzlich will auch Senay heim.

Vierter Akt: Auftritt Ikke. Der wandelnde Fiffi versucht es therapeutisch. Zuhören. Senay ausreden lassen. Hilfe anbieten. Loben. Bringt alles nix! Der Stummelnuckler ist außer Kurs, "menschlich 'ne Nullnummer. (…) Jeden Tag flippt er aus!" Nach Akt Vier weiß der Zuschauer: Senays "Herz ist gebrochen". Er fühlt sich "verraten und verkauft (…) und möchte seine Würde nicht verlieren, denn liebe LeserInnen, falls Sie es tatsächlich noch nicht wussten: Der Senay "behandelt alle mit Respekt! Ist das klar, Ihr F***** und F*****?" Jawoll, du würdevolles Räucherstäbchen!

Fünfter Akt oder die Lächerlichkeit des großen Bruders: Ständig knödelt die Stimme aus dem Off: "Das ist die härteste Herberge der Welt!" Und dann passieren Dinge wie diese: Emmy muss wieder zu Penny, trullert aber rum und überhört das Einkaufsstartzeichen. Also erhält sie eine zweite Chance. Das ist erstens nicht nur hinsichtlich des Regelwerkes Banane, sondern auch aus Sicht des Unterhaltungsfaktors. Auch gaga: dieses Abfeiern, wenn man fast passend einkauft. Kein Wunder! Man kann ja alles in den Korb donnern und die überschrittene Summe einfach wieder stornieren! Es wäre viel lustiger, wenn einer bei Penny mal nur vier Pullen Puffbrause kauft und gut is'.

Pitch für Drehbuch: Genre: Tragikomödie. Es war einmal eine Musiker-Fami ie, die wegen ihres Aussehens gemobbt wurde, obwohl sich alle wuschen. Die Mutter spielt Kathy Kelly, obschon sie eigentlich die große Schwester ist. Das bleibt aber bis zum Schluss ein Geheimnis. Während die Menschen die Familie unterbuttern, schreibt diese Musikgeschichte. Am Ende vom Film gewinnt "die Mutter" ein beklopptes Reality-Format, einfach, weil sie so ist, wie sie ist: menschlich und berührend. Von der ganzen Kohle kauft sie sich einen Zoo, in dem es nur Alpakas gibt. Okay, und Erdmännchen.

Bester Dialog der Welt: Jasmin glaubt, Emmy habe über ihren Ex-Mann Adel gesprochen. In Wahrheit weiß diese nicht mal, dass Miss Tawil überhaupt einen Mann hatte, der Adel heißt. Sie sprach von Mitbewohnerin Adela ("Betonmischas" Schmusehase).

Emmy, Jasmin und Elene - alle durcheinander:
"Sie redet über sie!"
"Aber sie hat nicht über sie geredet, sie hat über sie geredet - also sie, die andere."
"Ja, woraufhin sie aber gesagt hat, sie habe nichts über sie gesagt."
"Ich habe nichts über dich gesagt!"
"Ich dachte, du hast was über mich gesagt"
"Nee, ich sagte nur was über sie."
"Also hast du sie gemeint und nicht mich"
"Ja, ich meinte sie."
"Ich sagte ja, sie redet über sie, dabei hat sie gar nicht über sie geredet." (...)

Den Märchenwald verlassen musste: die arme Claudia. Nachdem sich fast ein kompletter Bereichswechsel vollzogen hat, standen Claudia und ein sehr bekannter Promi namens Udo auf der Abschussliste. Vor allem Sascha Heyna fiel beim Voting auf: "Claudia war mein Idol, die ist mega. Ich will, dass sie geht." Wie die Ölsardinen mussten die Nominierten das gesamte Voting über stehend ausharren. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Claudia kamen schließlich die Tränen. Und dann sagt dieser psychologisch ungeschulte Wüstling von "Big Brother", der im Grunde längst mal verbal eine vor den Latz verdient hat, zu der gestandenen Sportlerin: "Du konntest die anderen nicht überzeugen." Das ist, mit Verlaub, nicht nur frech, sondern auch menschlich ekelhaft: eine Frau so vorzuführen, die gerade Tränen vergießt. Die Begründung der Bewohner, Claudia zu schassen, lautete nämlich indes: "Ich mag Claudia sehr, sie ist unheimlich stark und verkraftet den frühen Exit eher als Udo."

Quelle: ntv.de