Unterhaltung

Flüchlings-"Tatort" aus Franken Herzlichen Dank für die Wurst

image-1123833-galleryV9-iuol-1123833.jpg

Voss (r., Fabian Hinrichs) gibt sich als tschetschenischer Flüchtling aus.

(Foto: BR)

Ein furchtbar lächerlicher russischer Fake-Akzent, Würste aus dem Kaukasus und ein Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft sind drei Dinge, die man nun nicht direkt miteinander verbindet. Zu Recht, wie dieser völlig überladene "Tatort" beweist.

Felix Voss hat tschetschenische Großeltern. Und weil der Hauptkommissar (Fabian Hinrichs) gerade ein paar Wochen Urlaub im Kaukasus gemacht und dabei gelernt hat, "Ich liebe Kartoffelsuppe" auf Tschetschenisch zu sagen, prädestiniert ihn das geradezu dazu, Undercover in einem Flüchtlingsheim zu ermitteln. Jedenfalls in der Logik des neuen Franken-"Tatorts", der diesmal im pittoresken Bamberg spielt.

image-1123814-galleryV9-uzoy-1123814.jpg

Starb an Rauchvergiftung: die junge Geflüchtete

(Foto: BR)

Dass pittoresk nicht unbedingt mit friedlich gleichgesetzt werden kann, wird selbstredend gleich in der ersten Szene klar, in der ein Molotowcocktail in der Gemeinschaftsküche des Flüchtlingsheims landet. In den Flammen, die durch einen illegal betriebenen Gaskocher noch angeheizt werden, stirbt eine junge Afrikanerin - und weil die Nürnberger Kommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) vermutet, dass jemand den Angriff von außen nutzte, um die Tote loszuwerden, macht sich Kollege Voss am nächsten Tag als tschetschenischer Flüchtling getarnt auf den Weg in die Unterkunft.

Eine furchtbar zähflüssige Klischeesuppe

Dort angekommen versucht er mit einem furchtbar lächerlichen Akzent und kiloweise Wurstgeschenken das Vertrauen der Bewohner zu erringen und mehr über den vermeintlichen Mord herauszufinden. Ein Krimi ist "Am Ende geht man nackt" aber trotzdem nur im Nebenjob: Der eigentliche Fokus des Films liegt auf der Erzählung des Alltags in einer Flüchtlingsunterkunft.

Also erlebt Voss all das, was die Drehbuchautoren eben so mit dem Aufenthalt in einem Flüchtlingsheim assoziieren: Er geht für 6,50 Euro die Stunde schwarz putzen und muss sich obendrein auch noch von seiner fränkischen Chefin demütigen lassen; er setzt sich für einen irakischen Flüchtling ein, der seit fünf Jahren im bürokratischen Niemandsland gefangen ist; er lässt sich mit seinen neuen Freunden von Neonazis verprügeln und muss sich im Anschluss auch noch mit Freizeitrechten in Polizeiuniform herumärgern; und - und hier erst kommt das zentrale Thema des Films - Voss kümmert sich rührend um den jungen allein reisenden Syrer Basem (Mohammed Issa), der in Bamberg seinen Bruder sucht.

Es wirkt, als hätten die Macher des Franken-"Tatorts" alle gängigen Motive rund ums Thema Flüchtlinge in einen Topf geworfen und ordentlich verrührt. Dabei herausgekommen ist eine furchtbar zähflüssige Klischeesuppe, die man einfach nicht ernst nehmen kann - was sehr schade ist, gerade das Thema hätte es ja nun wirklich verdient.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema