Unterhaltung

Richy Müller & #allesdichtmachen "Ich war blauäugig"

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Richy Müller als Tatort-Kommissar Thorsten Lannert.

(Foto: imago images/foto-leipzig.de)

Richy Müller ist einer von 50 Schauspielern, die bei der Aktion #allesdichtmachen die Lockdown-Politik der Bundesregierung verspotten. Nach massiver öffentlicher Kritik hat er sein Video inzwischen zurückgezogen. Im Gespräch mit ntv.de schildert Müller, wie er zu dem Engagement gekommen ist.

ntv.de: In Ihrem Clip atmen Sie abwechselnd in zwei Tüten und kommentieren ironisch: "Wenn jeder die Zwei-Tüten-Atmung benutzen würde, hätten wir schon längst keinen Lockdown mehr. Also bleiben Sie gesund und unterstützen Sie die Corona-Maßnahmen. Ich geh' jetzt mal Luft holen." Das Video haben Sie gelöscht, warum?

Richy Müller: Ich musste feststellen, dass mein Video vielen Menschen wehgetan hat, die ich niemals kränken oder veralbern wollte. Außerdem ist es auf einer Plattform gelandet, die ich nicht unterstützen will.

Sie meinen die Website des Münchner Filmemachers Bernd Wunder? Kennen Sie den Mann?

Nein. Ich kenne ihn nicht und habe auch nie mit ihm gesprochen. Erst heute Morgen habe ich erfahren, dass er in der Vergangenheit bereits Menschen als "Maskenknappen" oder "Coronazis" tituliert hat. Dafür will ich mich nicht instrumentalisieren lassen.

Was wussten Sie über die Aktion?

Wenig. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass sie so groß werden würde.

Der Text, den Sie in Ihrem Video sprechen, stammt der von Ihnen?

Nein, es kamen allerlei Vorschläge und ich habe mir den Part mit den Tüten ausgesucht. Ich fand das zunächst witzig.

Wollten Sie nicht wissen, von wem die Vorlage kam?

Mich hat der Tatort-Regisseur Dietrich Brüggemann angesprochen. Mit ihm arbeite ich sehr gern und sehr vertraut zusammen. Er kam auf mich zu und fragte, ob ich nicht mitmachen wolle bei einer Aktion für die Menschen, die beim Lockdown durchs Raster fallen, die man nicht wahrnimmt. Ich dachte eigentlich, dass er der Kopf der Aktion ist, deshalb habe ich das nicht weiter hinterfragt. Gereizt hat mich auch der Ansatz, mit Satire auf Probleme der Corona-Maßnahmen aufmerksam zu machen. Auf die Leute, die darunter leiden müssen.

Wer ist das?

Kleinkünstler. Gastronomen. Einzelhändler. Menschen, die auf der Straße gehen und dabei dauernd Angst haben, sich anzustecken. Mir schwebte vor, dass wir einen Dialog anstoßen. Dass wir darüber sprechen, ob wir nicht doch die Theater wieder öffnen oder die Gastronomie - mit dem richtigen Abstand. All das würde der Seele guttun. Und vor allem die Selbstverantwortung der Menschen wieder stärken. Für mich war klar: Wir wollen etwas Gutes. Deshalb war ich auch so blauäugig.

Die Videos gingen Donnerstagabend online und verbreiteten sich in Windeseile. Haben Sie mal geschaut, wer da sonst noch so neben Ihnen auftritt?

Nein, an dem Abend hatte ich keine Zeit, weil ich arbeiten musste. Ich wusste aber, dass es um 18 Uhr online gehen soll. Freitag Morgen habe ich dann die Reaktionen gesehen und bin sehr nachdenklich geworden. Das größte Problem für mich ist die Plattform: Damit will ich nichts zu tun haben. Aber auch mein Video hat mir nicht mehr gefallen.

Warum nicht?

Mir wurde bewusst, dass diese Tütenaktion auf die Beatmungsgeräte in den Kliniken verweist. Ich fand es absolut unpassend. Beim Drehen - ich habe das Video mit einem Stativ selbst aufgenommen - ist mir das entgangen. Und auch, als ich es privat vorgeführt habe, hat keiner gesagt: "Hey, das geht ja gar nicht." Dabei bin ich indirekt selbst betroffen. Die Tochter meiner Frau ist mit Anfang 20 zu Beginn der Pandemie an Corona erkrankt. Und sie hatte ein halbes Jahr lang Probleme mit der Atmung.

Die große Entrüstung haben Sie nicht erwartet?

Das hat mich überrascht.

Fühlen Sie sich verletzt? Oder sogar eingeschüchtert? Aus dem WDR gab es Drohungen, dass die Teilnehmer der Aktion mit Konsequenzen rechnen müssten. Hatten Sie solche Sorgen?

Nein, das ist mir nicht passiert. Ich fühle mich auch nicht gekränkt, sondern eher einsichtig. Ich kann die Kritik verstehen. Und die Leute, die mir geschrieben haben, zeigten sich eher enttäuscht.

Fanden Sie denn die anderen Videos besser?

Dazu will ich mich nicht äußern. Mir ist es wichtig zu betonen, dass ich weder die Gefährlichkeit des Virus herunterspielen will, noch mit dieser Plattform in Verbindung gebracht werden möchte.

Ihnen und Ihren Mitstreitern wird vorgeworfen, dass Sie der Querdenker-Bewegung ihren bisher größten Erfolg verschafft haben. Was meinen Sie?

Ich würde nicht sagen, dass es ein Erfolg war. Deshalb distanziere ich mich ja auch, damit es keiner wird.

Wie schätzen Sie die Aktion ein? Ist das Kunst?

Ja, das könnte Kunst sein. Allerdings ist dann die Frage, wer das bestimmt. Ich sage also eher: Es ist eine Äußerung von Kulturschaffenden für alle, die nicht mehr arbeiten dürfen und die wir seit vielen Monaten viel zu wenig wahrnehmen.

Mit Richy Müller sprach Barbara Mauersberg.

Quelle: ntv.de

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