Unterhaltung

ESC im Ausnahmezustand Levina macht's im Liegen

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Allmählich wird es ernst: Levina bei der zweiten Probe in Kiew.

(Foto: AP)

Für Deutschlands ESC-Hoffnung Levina beginnt in Kiew die heiße Phase: zweite Probe, Pressekonferenz, Schaulaufen. Die Stadt präsentiert sich derweil als heißes Pflaster. Nur das mit dem roten Teppich üben wir besser nochmal.

Für Levina muss es sich gerade in etwa so anfühlen wie das "Perfect Life", das sie in ihrem und unserem Beitrag zum diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) in der Ukraine besingt. Ihr "Plan A" lautet schließlich, im Musikbusiness Fuß zu fassen. Und welcher Event könnte einem da schon gleich mal eine vollere Dröhnung verpassen als der ESC?

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Auch auf dem roten Teppich machte Levina eine gute Figur.

(Foto: REUTERS)

Zu einem "Perfect Life" gehört allerdings bekanntlich auch eine gewisse Portion Ernst des Lebens. Und der beginnt für die 26-Jährige nun allmählich. In den ersten Tagen nach ihrer Ankunft in Kiew war noch Beschnuppern angesagt - der Bühne bei der ersten Probe, der Presse bei einem "Meet & Greet" oder der ukrainischen Metropole bei einer Stadtrundfahrt. Doch seit Sonntag geht es ans Eingemachte: Nicht nur bei ihrer zweiten Probe, sondern auch bei der anschließenden Pressekonferenz und dem späteren Schaulaufen auf dem roten Teppich sollte eigentlich schon (fast) alles sitzen. Gleichwohl begann Levina ihren Arbeitstag im Liegen. Das jedoch mit voller Absicht.

Reduziert aufs Wesentliche

Zu Beginn ihrer Präsentation von "Perfect Life" auf der ESC-Bühne macht sich Levina lang. So viel steht nach Probe Nummer zwei schon einmal definitiv fest. Videoprojektionen auf dem Boden um sie herum vermitteln zugleich den Eindruck, als würde sie für einen Moment im freien Raum schweben, ehe sie sich dann doch in die Vertikale begibt.

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Ja, man kann auch mit Pferdekopf auf den roten Teppich.

(Foto: REUTERS)

Von da an fällt Levinas Auftritt stark reduziert aus. Im Hintergrund ein paar grafische Spielereien in Schwarz-Weiß. Aber Background-Sänger, Tänzer oder sonstiger Schnickschnack - Fehlanzeige. Alles ist fokussiert auf Levina, ihre markante Stimme und - okay - ihre nicht minder markanten langen Beine, auch wenn sie barfuß ist. Jedenfalls darf die Windmaschine ihren bodenlangen Rock so lange und kräftig anblasen, bis sich ihre Silhouette darunter deutlich abzeichnet. Aber das war's dann auch mit den Effekten. Oder etwa doch nicht?

Noch scheint sich das deutsche ESC-Team nicht vollends festgelegt zu haben, ob es zum Ende des Auftritts nicht vielleicht doch noch in die Kiste mit der Pyrotechnik greifen will. Nur bei einem der insgesamt drei Durchgänge bei der zweiten Probe rieselt Goldregen vom Hallen-Himmel. Man wolle noch ein bisschen was ausprobieren, hatte es schon zuvor geheißen. Ja, es muss dann eben halt doch nur fast alles sitzen an diesem Tag.

(Nicht nur) die Frisur sitzt

Hauptsache, es sitzt bei Levina. Und das tut es. Nicht nur, was die aufgetürmte Frisur und den Gesang betrifft. Auch bei ihrer Pressekonferenz stimmt alles. Das liegt zum einen daran, dass die Wahl-Londonerin die Situation mit makellosem Englisch meistert. Zum anderen bleibt Levina jedoch auch von allzu abseitigen Fragen, die hier gerne mal gestellt werden, verschont.

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In Sachen Sicherheit macht der Ukraine in diesen Tagen niemand etwas vor.

(Foto: REUTERS)

Sie singe ihr Lied "incredibly well" ("unglaublich gut"), lobt ein australischer Kollege die Deutsche, ehe sie der versammelten Journalistenschar noch einmal eine akustische Kostprobe ihres Könnens gibt. Ja, wenn nur auch der Song "Perfect Life" so unglaublich gut wäre, werden da einige Kritiker an der Qualität des deutschen Beitrags einwerfen. Doch mal abwarten. Levinas Performance kommt besser an als von einigen vielleicht vermutet.

Polizei, Militär, Nationalgarde

Ebenso wie die Performance der Ukraine. Und da ist in diesem Fall nicht die künstlerische Performance gemeint. Was hatte man im Vorfeld des diesjährigen ESC nicht alles über das Organisationschaos hinter den Kulissen gemunkelt. In Kiew scheint man alle Skeptiker nun Lügen strafen zu wollen, jedenfalls in puncto Sicherheit. Ein heißeres Pflaster hat es seit dem ESC 2012 im aserbaidschanischen Baku bei der Veranstaltung nicht mehr gegeben. Für einen reibungslosen Ablauf fährt die Ukraine nicht nur massive Einheiten der Polizei, sondern auch Nationalgarde und Militär auf. An neuralgischen Punkten in Kiew kann man sich in diesem Ausnahmezustand kaum zehn Meter weit begeben, ohne nicht mindestens einem Herren in Uniform zu begegnen.

Nur die Sache mit dem roten Teppich muss hier noch ein wenig geübt werden. Als die Kandidaten aus den 42 Teilnehmerländern zur offiziellen Eröffnung des diesjährigen ESC im Schatten des ukrainischen Parlaments zum großen Schaulaufen antreten, geht erst mal alles schief. Gut eine halbe Stunde dauert es, ehe der DJ in der Lage ist, den jeweiligen Delegationen bei ihrem Einlauf die richtigen Songs zuzuordnen. Doch irgendwann hat er den Dreh dann doch noch raus.

Levina hat das sowieso. Mittlerweile hat sie sich dann doch wieder für das Tragen von Schuhen entschieden. Schuhe, mit denen die ohnehin 1,81 Meter große Sängerin beinahe wie ein Leuchtturm aus dem ganzen Meer an Menschen auf und um den roten Teppich herausragt. Manche Teilnehmer aus anderen Ländern zwängen sich in knappste Roben, setzen sich Plastik-Pferdeköpfe auf oder singen sich vor jedem Reporterteam die Seele aus dem Leid. Und Schwedens neuer Hoffnungsträger Robin Bengtsson etwa, der durchaus als Mitfavorit in Kiew gelten kann, guckt drein, als müsse er die Kleider von Loreen auftragen, einen Song von Ralph Siegel singen oder mit den Rumänen in diesem Jahr um die Wette jodeln. Levina hingegen gibt fleißig ein Interview und Autogramm nach dem anderen - und strahlt von Anfang bis Ende einfach nur über beide Ohren. Ganz so, als wäre es das perfekte Leben.

Quelle: ntv.de