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"Missbrauch wurde weggelacht" Models klagen "Victoria's Secret" an

Engel, millionenschwere Fantasy Bras und pompöse Shows - das Unterwäsche-Label "Victoria's Secret" hat seit Jahren ein glamouröses Image. Doch hinter den Kulissen scheint es weit weniger glamourös zuzugehen. 100 Topmodels erheben nun abermals schwere Vorwürfe gegen die Marke.

Eine Woche ist es her, dass die "New York Times" einen Artikel unter der Überschrift "Engel in der Hölle" veröffentlicht hat. Darin werden besorgniserregende Zustände beim Dessous-Label "Victoria's Secret" offengelegt. In dem Unternehmen seien "Frauenfeindlichkeit, Mobbing und Belästigung" an der Tagesordnung.

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In der Kritik: Les Wexner.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Auch Missbrauch und Gewalt gegenüber den Models soll der Chef der Modelinie, Leslie "Les" Wexner, über Jahre ignoriert und gebilligt haben. Bereits vor fünf Monaten hatten sich zahlreiche Models, darunter der ehemalige "Victoria's Secret"-Engel Doutzen Kroes, öffentlich darüber beklagt und von der Marke gefordert, die Frauen besser vor Sexismus und Übergriffen zu schützen.

Von Christy Turlington bis Gemma Ward

Bei "Victoria's Secret" soll auch dieser Appell ohne Konsequenzen verhallt sein. Deshalb gehen die Frauen nun abermals in die Offensive. Insgesamt 100 Supermodels haben sich in einem offenen Brief an das Unternehmen und CEO John Mehas gewendet, um die Missstände anzuprangern. Die Frauen kritisieren in dem Schreiben "die intensive Vergeltung, mit der 'Victoria's Secret' diejenigen zum Schweigen bringt, die Fehlverhalten gemeldet haben". Und sie bringen es auf den Punkt: "Der Missbrauch wurde weggelacht."

Der Brief, der unter anderem von Supermodels wie Christy Turlington, Gemma Ward und Amber Valletta unterschrieben ist, wurde auf der Seite der "Model Alliance" veröffentlicht. Die Organisation für Interessenvertretung in der Modebranche warf dem Dessous-Label zugleich vor, dass es "diese Beschwerden nicht ernst nimmt." So habe "Victoria's Secret" via Mail mitgeteilt, dass es "nicht bereit sei, konkrete Schritte zu unternehmen, um den Anschuldigungen entgegenzutreten".

Wexner vor der Aufgabe?

Genau das sei nun jedoch notwendig: "Die Zeit des Zuhörens ist längst verstrichen. Es ist an der Zeit für 'Victoria's Secret', etwas zu unternehmen, um die Menschen zu schützen, von denen sie profitieren", lautet die Kernforderung des Schreibens.

Auffällig jedoch ist, dass zu den Unterzeichnerinnen kein einziges Model gehört, das früher zu den Aushängeschildern des Konzerns gehörte oder es aktuell prominent vertritt. Auch ein "Engel", wie einige ausgewählte "Victoria's Secret"-Models - neben Kroes etwa Alessandra Ambrosio, Gisele Bündchen oder Heidi Klum - genannt werden, befindet sich diesmal nicht darunter. Turlington, Ward und Valletta wiederum haben für zahlreiche Marken gearbeitet - "Victoria's Secret" spielt in ihrer Vita dagegen keine größere Rolle.

Möglicherweise zeichnet sich zumindest perspektivisch aber ohnehin eine Lösung des Konflikts ab. Ende Januar machten Meldungen die Runde, der 82-jährige Wexner erwäge nicht nur, die Verantwortung für "Victoria's Secret" abzugeben. Auch ein Verkauf des Labels stünde zur Debatte.

Quelle: ntv.de, vpr/spot