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Germany's Next Topmodel im Bus "Nur Professionalität hält vom Kotzen ab"

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Bewährte Jury: Thomas Hayo, Heidi Klum und Wolfgang Joop

(Foto: ProSieben/ Richard Huebner)

Langsam müsste Deutschland doch leergefegt sein von all den zauberhaften Damen, die "Germany's Next Topmodel" werden wollen. Ist aber nicht so. In Staffel zehn der Heidi-Klum-Show wollen sich wieder unzählige Teenager vor der Kamera zum Affen machen.

Endlich kreischt mal wieder eine. Eine, das ist Heidi Klum, und wenn die einen sucht, will man wirklich nicht in einem anderen Raum sein, so grell klingt das. "Germany's Next Topmodel", die Casting-Hölle für naive Minderjährige, geht in die zehnte Runde. Die Jury besteht in gleicher Formation wie beim letzten Jahr: Neben Weltstar Heidi Klum dürfen Designer Wolfgang Joop und Kreativdirektor Thomas Hayo eine Meinung zu den jungen Dingern haben, die von den großen Laufstegen der Welt träumen. Joop ist im Rentenalter endlich Teenie-Idol, Thomas Hayo versucht nach drei Jahren bei GNTM noch immer verzweifelt, ernst genommen zu werden, und Heidi? Die isst Döner. Na klar.

GNTM ist international. Das merkt man vor allem daran, dass die drei deutschen Juroren ihre mittelklugen Sätze gern mit englischem Vokabular aufpeppen. GNTM ist - ganz in diesem Sinne - auch "down to earth". Das wiederum merkt man zum Beispiel daran, dass die Jury in diesem Jahr im Tourbus schläft. Die ganze Jury? Nein! Joop spart sich die kleinen Kojen und ist im Gegensatz zu Hayo vermutlich auch nicht stolz darauf, sich mal das stille Örtchen mit der Klum geteilt zu haben: "Ich will doch auch nicht in einem Sarg Probe liegen! Nur meine Professionalität hält mich hier drin vom Kotzen ab."

Die erste Folge GNTM liefert die gleichen lächerlichen Aufreger wie schon die vergangenen Staffeln. Heidi hat Hunger, Joop macht Pause. Heidi zeigt sich ungeschminkt, Joop sich eigenwillig. Auf die neuen Kandidaten hat er gar nicht so viel Lust: "Ich bin da ja ein bisschen treu und sentimental. Ich möchte eigentlich alle die, an die ich mich gewöhnt habe, wiedersehen." Wem sagst du das, Wolle, wem sagst du das.

Auch die Persönlichkeit soll umhauen

Los geht’s in Heidis Heimatstadt Bergisch Gladbach. Da wohnt Vanessa und da wird sie von Heidi in der Wäscherei überrascht. Weil die schönsten Mädchen aus Schäbbisch Gläbbisch kommen, darf die Schülerin natürlich gleich eine Runde weiter. Doch die Sequenz der Show zeigt noch etwas ganz anderes: Klöße und Familien-Clan Klum können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es mit Heidis Bodenständigkeit eben doch nicht so weit her ist. "Was machst'n hier gerade?", fragt sie Vanessa. "Flecken aus so 'nem Oberteil?" Reich trifft Realität oder das, was man da oben dafür hält. Wie sehr Klum ehrliche Arbeit schätzt, wird dann auch direkt klar: "Raus aus der Wäscherei, rein in die High Heels!" Da kann man ja nur rauswollen aus diesem elenden Leben voller schmutziger Shirts.

Überhaupt ist GNTM pädagogisch natürlich mal wieder ganz weit vorn. "Wie in jedem Jahr suchen wir nicht nur pure Schönheit, wir wollen auch von der Persönlichkeit unserer Models umgehauen werden", verspricht Heidi. "Persönlichkeit" heißt hier fernsehtaugliche Lebensgeschichte, siehe die seltene Magenkrankheit der 2014er Siegerin Stefanie Giesinger.

Maya kommt extra aus Tunesien, Pari war mal ein Mann und dann sind da noch all die, die in der Schule immer gehänselt wurden, weil sie zu dick, zu hässlich oder sonst irgendwie "falsch" waren. Wann sagt den Mädchen denn in einer ruhigen Minute endlich mal jemand, dass ein TV-Auftritt wirklich keine Kompensation für eine unsägliche Pubertät ist, einen im Gegenteil sogar doppelt und dreifach zur Zielscheibe macht? Juror Wolfgang verteilt nach all den erfolgreichen Karrierejahren noch immer vor allem Küsschen - er will nicht Deutschlands schönstes Mädchen finden, sondern einfach nur geliebt werden. "Lern so'n bisschen arrogant und gelangweilt auszusehen", rät er - so klappt's in Zukunft sicher mit den Freunden.

"Like this and that"

Was neben den perfekten Maßen im Klum-Kosmos allem Anschein nach auch Priorität hat: der perfekte Mann. Der 39-jährigen Angelika wollte offenbar nicht mal eine freundliche Produktionspraktikantin stecken, dass sie sich mit ihrem Laufstegauftritt maximal zur Youtube-Prominenz verhelfen wird. Ihre Freunde haben ihr gesagt, sie habe ein Puppengesicht und die Figur wäre ganz gut - tolle Freunde müssen das sein. Ob sie denn einen Ehemann habe, fragt Heidi. Nein? Na, dann "guck mal in die Linse. Erzähl, wer du bist. Man weiß ja nie, was passiert."

Manchmal weiß man das aber sehr wohl. Es folgen: Mädchen, die sich abschminken müssen, Mädchen, deren Kleidung laut "Straßenstrich" schreit, Mädchen, die "nicht gern in der Öffentlichkeit stehen" und trotzdem zum TV-Casting erschienen sind. Eine kleine Überraschung hat man sich bei GNTM dann aber doch überlegt: In diesem Jahr stolzieren auch Herren der Schöpfung über den Laufsteg, mehrheitlich großartig. Einer von ihnen darf in der nächsten Runde sogar noch einmal seine Bikinifigur präsentieren. Da bleibt nur die Frage, ob es tatsächlich das erste Jahr ist, in dem Stiletto-sichere Herren bei der Klum klopfen kamen oder das erste, in dem die gelangweilte Regie sie durchließ. Es hilft wenig, dass Joop kurz eine kleine Gender-Debatte anzettelt.

Dass GNTM nicht unbedingt die große Modelkarriere verspricht, ist bekannt. Doch von den Juroren lernen heißt leben lernen. Praktischer Hayo-Tipp für den nächsten Urlaub, in dem die Klamotten mal wieder nicht in den Koffer passen: "Ich falte nicht, weil ich rolle - like this and that." Praktischer Joop-Tipp für die Motivation vor der nächsten Job-Pause: "Because I have to work, damit ich gehen kann." Praktischer Heidi-Tipp? Kein praktischer Heidi-Tipp. "Ich find's gut, dass ich schon mal ins Fernsehen gekommen bin", findet eine Kandidatin - da wurden die Erwartungen tatsächlich einmal auf ein angemessenes Maß runtergeschraubt.

Quelle: ntv.de